Berlin-Kreuzberg

Flüchtlinge wollen in besetzter Schule für Ordnung sorgen

Die Flüchtlinge in der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg haben eine „Social-Security“-Gruppe gegründet. Derweil kam es in der Nacht wieder zu einer Messerstecherei.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Die Bewohner der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule an der Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg wollen in Zukunft verstärkt selbst für Ordnung und Sicherheit in dem Haus sorgen. Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach sagte, die von den Flüchtlingen selbst gebildete „Social Security“-Gruppe habe am Dienstagabend fünf Verantwortliche gewählt, um die hygienischen und sozialen Zustände zu verbessern.

Dabei handele es sich um Vertreter der unterschiedlichen dort lebenden Gruppen. Einer sei aus Nordafrika, je einer aus Ost- und Westafrika, eine Vertreterin der Roma-Familien sei dabei und eine der Frauenetage. Sie sollten unter anderem sicherstellen, dass kein Müll mehr aus dem Fenster geworfen wird. Alle seien mindestens dreisprachig.

Zudem seien 25 weitere Bewohner bereit, sich für die Einhaltung der Hausordnung zu engagieren. Nach Darstellung des Sprechers sind vor allem die Frauen in der Schule das Chaos leid. Auf ihrer Etage sei es sauber, auch die Roma-Familien bemühten sich sehr um Ordnung.

Derweil kam es in der Nacht wieder zu einer Messerstecherei.

Zudem wird diskutiert, ob die Security-Gruppe Unterstützung von außen bekommen soll. Die Bewohner selbst hätten Interesse an einem externen Sicherheitsdienst, um vor allem den Zugang zu der Unterkunft zu kontrollieren, sagte Langenbach. Das Bezirksamt sei darüber mit einer Sicherheitsfirma im Gespräch. Gleichzeitig bemühe man sich, andere Unterkünfte für die Menschen zu finden. Daran seien die allermeisten interessiert. Die Zugangskontrolle solle auch dazu beitragen, dass frei gewordene Schlafplätze nicht von neuen Besetzern übernommen würden, hieß es aus dem Rathaus. Ziel sei es, Räume frei zu bekommen, in die dann Vereine und Verbände einziehen könnten.

Es fehlt an Duschen und Toiletten

Rund 100 Flüchtlinge vom Camp auf dem Oranienplatz hatten im Dezember 2012 die leerstehende Hauptmann-Schule besetzt. Der Bezirk duldete ihren Aufenthalt. Das Gebäude ist allerdings nicht geeignet für so viele Menschen. Es gibt zum Beispiel nur wenige Duschen und Toiletten. Inzwischen leben auch Obdachlose und Roma-Familien dort. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) bezifferte die Zahl der Bewohner auf rund 200. Es wisse aber niemand genau, wer dort lebe, da die Bewohner ihre Daten verweigerten. Wie berichtet, hatte der Suchthilfeverein Fixpunkt, einziger regulärer Mieter in dem Haus, Fußgänger-Schutztunnel vor seine Eingänge gebaut, um nicht durch die von Flüchtlingen herabgeworfenen Gegenstände verletzt zu werden.

Bei den Grünen hatten die Zustände in dem Schulgebäude und im Camp auf dem Oranienplatz einen heftigen innerparteilichen Streit ausgelöst. Fraktionschefin Ramona Pop hatte in einem Interview die Zustände in der besetzten Schule als „nicht haltbar“ bezeichnet und auf die Verantwortung des Bezirks verwiesen. Vor allem müsse die Sicherheitsfrage rund um das Haus gelöst werden.

Darauf hatten Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann und der Kreuzberger Abgeordnete vom linken Flügel, Dirk Behrendt, scharf reagiert. Von „unerbetenen Ratschlägen aus der dritten Reihe“ war die Rede. Pop sagte am Mittwoch, sie sei überrascht von der Schärfe der Reaktionen. Sie sehe in der Sache keinen Dissens. Grünen-Landeschef Daniel Wesener hatte am Montag in der Fraktionssitzung ein Ende des Streits gefordert. Er erwarte „Teamplay“. Pop habe in vielem Recht, andererseits handele der Bezirk ja und nun bewege sich auch etwas, sagte er am Mittwoch. Man müsse den Zwist jetzt nicht aufbauschen.