Gut eine Woche vor Eröffnung des neuen Landtagsgebäudes in Potsdam ist ein Streit über eine Ausstellung mit Porträts von Hitler und Goebbels entbrannt. „Die CDU-Fraktion lehnt es ab, Bilder von Diktatoren und Verbrechern im Landtag auszustellen“, sagte Ingo Senftleben, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, am Sonnabend. „Über Kunst lässt sich immer streiten, Bilder von Hitler oder Stalin sind aber in einem Parlament unerträglich.“

Die CDU hatte als einzige Partei in der Kulturkommission gegen die Ausstellung gestimmt, deren Auswahl das Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) getroffen hatte. Gezeigt werden 112 Arbeiten des Berliner Künstlers Lutz Friedel, die verfremdet unter anderem die Altkanzler Helmut Schmidt und Konrad Adenauer, aber auch Hitler und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zeigen. Senftleben sagte, die CDU sei bereit, mit den anderen Fraktionen über eine Veränderung zu sprechen.

Die Vorsitzende der Kunstkommission des Landtages, Gerrit Große (Linke), sagte, über die Konzeption sei lange debattiert worden. Schließlich habe sich das Gremium zur Idee dieser verfremdeten Selbstporträts bekannt. „Man muss die Kunstwerke hinterfragen und sich damit auseinandersetzen“, betonte Große und sprach von einem Angebot für den Betrachter. Der Künstler selbst war zunächst nicht zu erreichen.

Plakate und Fotos übermalt

Nach Worten von Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner stammen die Werke aus einer Serie von Bildern Lutz Friedels mit dem Titel „Ich! Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003“. Als Ausgangspunkt habe der Künstler Plakate, später auch fotografische Vorlagen aus dem Internet, aus Zeitschriften und Kunstbüchern genutzt, die er übermalte, sagte sie. Die Bilder seien Selbstbefragungen und Selbstbildnisse.

Das jetzt umstrittenste Porträt heißt „Selbst als Helge Schneider als Hitler“. „Das ist nicht Hitler“, betonte die Professorin. Die Werke seien keine Aufarbeitung von Geschichte im Sinne eines Historikers, sondern Kunst. „Wenn Kunst nicht gut ist, provoziert sie nicht.“

Im Text zur Ausstellung schreibt die Kuratorin: „Alle diese Männer und Frauen haben den Künstler in ihrer Großartigkeit oder Schrecklichkeit, mit ihrem Mut oder ihrer Feigheit positiv wie negativ beeindruckt.“ Und: „Lutz Friedel ist ein kritisch denkender Mensch.

dpa/ap