Der normale Berliner wird bei großen Fashion-Events meist außen vor gelassen. Die Berliner Modemesse Bread & Butter geht nun einen anderen Weg. Ab Sommer 2014 können sich alle Modeinteressierten an zwei Publikumstagen über die neuesten Trends informieren.
Die 2001 gegründete Sport- und Streetstyle-Messe findet zweimal jährlich statt, seit 2009 auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof. Bisher richtete sich die Messe ausschließlich an das Fachpublikum – Händler und Einkäufer. Auch der Zugang zur im Januar stattfindenden Wintermesse ist der breiten Öffentlichkeit noch verwehrt. Doch das soll sich im kommenden Sommer, am 11. und 12. Juli, ändern.
An diesen beiden Tagen können sich ganz normale Besucher für 25 Euro erstmals über die neuesten Schnitte, Muster und It-Stücke der Streetfashion informieren. Im darauf folgenden Jahr soll sogar noch ein dritter Publikumstag hinzukommen. „Der Endverbraucher ist durch die neuen Medien besser informiert als je zuvor. Er bestimmt selbst, was er wann, wie und wo kauft. Deswegen wollen wir den wichtigsten Marktteilnehmer am Ende der Kette miteinbeziehen“, sagte Karl-Heinz Müller, Mitbegründer der Bread & Butter, am Montag.
„Große Attraktion für die Stadt“
Die Reaktionen der Branche auf diese Neuerungen fallen unterschiedlich aus. Einige sehen darin den nächsten Coup von Müller, andere beurteilen die Öffnung skeptisch. Die Berlin-Werber von Visit Berlin begrüßen den Schritt: „In Berlin findet die internationale Leitmesse Bread & Butter genau das richtige Publikum. Die Öffnung der Bread & Butter wird eine große Attraktion für die Stadt“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin. Kieker geht auch davon aus, dass die Öffnung der Messe für höhere Auslastungszahlen in den Berliner Hotels sorgen wird.
Demgegenüber finden sich auf dem englischen Modeblog „Drapers“ Kommentare, die eine Verwirrung der Öffentlichkeit fürchten. Die Ware auf der Bread & Butter unterscheide sich von der Ware in den Geschäften, nicht alles schaffe den Sprung in die Läden. Sollten Jeans & Co. dann tatsächlich in die Geschäfte kommen, dann erst ein Jahr später.
Karl-Heinz Müller ist Inhaber der beiden Modefachgeschäfte 14 oz. Store an der Neuen Schönhauser Straße in Mitte und 14 oz. im Haus Cumberland am Kurfürstendamm in Charlottenburg. Er brachte die Messe 2003 von Köln nach Berlin. Ab Juli 2005 kam Barcelona als neuer Standort hinzu, von Juli 2007 bis Januar 2009 fand die Messe ausschließlich dort statt. Im Juli 2009 kehrte die Bread & Butter dann wieder zurück nach Berlin. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich für die Rückkehr starkgemacht. Damit konnte er auch eine Nachnutzung des stillgelegten Flughafens gewährleisten.
Am Stand kaufen kann der private Kunde weiterhin nicht
Seitdem hat sich die Messe zu einem wichtigen Anziehungspunkt für die Fashion-Szene entwickelt. Rund 100.000 Fachbesucher kommen zweimal jährlich auf die Bread & Butter. Rund 600 Aussteller aus den Bereichen Denim, Sportswear und Street Fashion präsentieren in Tempelhof ihre Waren. Die neuesten Stücke direkt am Stand kaufen kann der private Kunde jedoch nicht. Er muss sich nach wie vor gedulden, bis die Ware in Geschäften oder Online-Stores erhältlich ist.
Anziehungspunkte für den Besucher sieht Müller jedoch genug. Als der Bread-&-Butter-Chef am Montagvormittag in das Soho-House lud, um seine Idee der Öffentlichkeit zu präsentieren, war er sichtlich begeistert. „Der Besucher kann die Mode für das nächste Jahr vor allen anderen sehen. Zudem bieten wir ein riesiges Rahmenprogramm mit Musik. Es wird ein Festival“, sagte Müller.
Vielzahl von Akteuren, die alle um den Kunden buhlen
Er reagiert damit auf Veränderungen in der Branche, die in seinen Augen mitten in einem Strukturwandel steckt. „Dieser Markt ist verrückt. Alles dreht sich unfassbar schnell. Eine konventionelle Messe würde ihm nicht mehr gerecht werden.“ Mittlerweile gäbe es eine Vielzahl von Akteuren, die alle um den Kunden buhlten. Der Online-Handel konkurriert mit globalen Unternehmen wie H&M, aber auch Modehäuser und Concept Stores, deren Sortiment weit über Kleidung hinausgeht, mischen auf dem Markt mit. Einzelhändler eröffnen wiederum Online-Shops, während Online-Shops Pop-up-Stores eröffnen, um die Ware erlebbar zu machen.
„Auch wir können uns diesen Entwicklungen nicht verschließen. Der Markt ist viel mehr vom positiven Image, das der Endverbraucher prägt, abhängig“, sagte Müller. Darüber hinaus steht er den vielen kleinen Messen und Veranstaltungen, die sich in Berlin angesiedelt haben, kritisch gegenüber. „Obwohl ich mich nach wie vor und mehr denn je zu Berlin bekenne, sehe ich die Gefahr, dass es beliebig wird“, sagte er. Kaum jemand habe ein klares Profil. Müller sieht darin den Beginn eines ruinösen Wettbewerbs, das Angebot wird seiner Meinung nach immer unübersichtlicher. Gerade starke Marken wüssten nicht mehr, wo sie eigentlich ausstellen sollten.





