Seit einem Jahr fahren die Züge der Regionalbahnlinien 21 (Wustermark–Potsdam) und 22 (Flughafen Schönefeld–Potsdam) im Berufsverkehr auch vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße ab. Vor allem für die vielen Studenten, die in Potsdam studieren, sollte so eine schnelle Direktverbindung zwischen der Berliner Innenstadt und den Uni-Standorten Golm und Griebnitzsee geschaffen werden.

Doch die Bilanz ist ernüchternd: Laut einer Analyse des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (DBV) ist nur jeder achte Zug auf beiden Linien pünktlich in Berlin-Friedrichstraße abgefahren, mehr als ein Drittel aller Zugfahrten fielen sogar komplett aus.

Nur 13 Prozent aller Züge pünktlich

Die Fahrgastvertreter haben vom 1. Juli bis zum 30. November den Zugverkehr auf den Linien RB21 und RB22 beobachtet. Dabei wurde im Bahnhof Friedrichstraße die tatsächliche Abfahrtszeit von insgesamt 885 Fahrten in Richtung Potsdam mit dem Fahrplan verglichen. Demnach fuhren nur 112 Züge – also knapp 13 Prozent – pünktlich in Friedrichstraße ab. Bei 298 Zügen (34 Prozent) verspätete sich die Abfahrt um fünf Minuten.

Die Deutsche Bahn und auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg werten Fahrplan-Abweichungen von weniger als fünf Minuten noch als pünktlich. Doch auch eine solche Bewertung stellt die Kritik der des DBV nicht grundsätzlich in Frage. Denn 117 Züge haben sich laut Bahnkundenverband um bis zu zehn Minuten und weitere 21 sogar um noch mehr Zeit verspätet (15 Prozent aller Abfahrten). 337 Zugfahrten fanden gar nicht erst statt.

„Was nützt eine Direktverbindung, die in 38 Prozent aller Fälle ersatzlos ausfällt und der Fahrzeitvorteil durch ständige Verspätungen verloren geht“, fragt der DBV-Landesvorsitzende Frank Böhnke. Als eine Ursache für die vielen Verspätungen sieht der Bahnkunden-Vertreter eine angesichts der vielen Fahrgäste zu knapp bemessene Ein- und Aussteigezeit an.

Verband fordert mehr Haltezeit

Der DBV fordert daher einen um jeweils zwei Minuten verlängerten Halt der Züge im Raum Berlin. Auch sei der Bahnhof Friedrichstraße als Endstation nicht gut gewählt. Die Züge sollten nur bis zum Hauptbahnhof oder weiter bis Gesundbrunnen oder Ostbahnhof fahren. Mittelfristig sollten zudem längere oder zusätzliche Züge eingesetzt werden.

Die Bahn verweist auf die extrem hohe Belegung der Stadtbahn-Trasse, über die zahlreiche Züge im Fernverkehr sowie – im Halbstundentakt – auch die Züge der Regionalexpresslinien RE1 und RE7 fahren müssen. Bereits die kleinste Abweichung könnte den eng gestrickten Fahrplan durcheinander bringen, heißt es. Es komme immer wieder zu Domino-Effekten.

Die Bahn-Tochter DB Regio will mit einem neuen Fahrplankonzept rund um Potsdam bei allen Stadtbahn-Linien künftig für mehr Pünktlichkeit sorgen. Mit bis zu 20.000 Fahrgästen am Tag sind die Regionalverbindungen zwischen Berlin und Potsdam die am stärksten genutzten im gesamten Verbund.