Hunderte Patienten werden täglich in den 51 Berliner Krankenhäusern operiert. Doch wie gut ist deren Qualität bei Operationen?
Diese Frage kann mit einem Angebot der AOK Nordost, zu der die Region Berlin-Brandenburg gehört, jetzt beantwortet werden. Mit dem von der Krankenkasse entwickelten Klinik-TÜV, der „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR), wird erfasst, wie erfolgreich bestimmte Standard-Operationen verlaufen.
Dabei wurden in Berlin am vergangenen Freitag die Daten der AOK-Versicherten von 2009 bis 2011 für 15.858 Operationen ausgewertet und im Internet veröffentlicht. In Brandenburg wurden sogar fast 20.000 chirurgische Eingriffe erfasst. Einbezogen in die aktuelle Untersuchung wurden dabei nur die Kliniken, wenn pro Operation im Untersuchungszeitraum mindestens 30 AOK-Patienten behandelt wurden.
Daten besagen, wie oft Standard-Operationen ungünstig verlaufen
Anhand von vier Standardoperationen – an Hüfte, Knie, Gallenblase und Herz – geben die QRS-Daten darüber Auskunft, wie oft eine Operation nicht wie erhofft verläuft. Diese Daten sind im AOK-Krankenhausnavigator (www.aok-gesundheitsnavi.de) aufgelistet.
Zur besseren Übersicht sind die Ergebnisse zudem mit dem „AOK-Lebensbäumchen“ kenntlich gemacht. Drei Bäumchen stehen dabei für überdurchschnittliche Qualität (gehört zu den besten 20 Prozent der Krankenhäuser), zwei für durchschnittliche (zählt zu den mittleren 60 Prozent) und eines für unterdurchschnittliche Qualität (zählt zu den schlechtesten 20 Prozent).
In diese Bewertung fließt beispielsweise ein, wie viele Folge- oder Korrekturoperationen etwa nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks im ersten Jahr nach der Operation notwendig geworden sind. Erfasst wurden aber auch Komplikationen wie Thrombosen oder gar Sterbefälle. Aus dem Vergleich der Daten lässt sich dann ableiten, wie gut oder schlecht die Ärzte ihr Handwerk beherrschen. In weiteren Spalten der Tabelle ist zudem nachzulesen, wie die Patienten selbst das Krankenhaus bewerteten – und wie viele Fallzahlen überhaupt ausgewertet wurden.
Vivantes-Klinikum Hellersdorf überzeugt bei Hüftgelenk-OPs
In Berlin hat beispielsweise das Vivantes-Klinikum in Hellersdorf beim Einsetzen künstlicher Kniegelenke überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielt. Zur Spitzengruppe zählen in diesem Bereich zudem zwei Krankenhäuser im Berliner Umland, die Oberlinklinik in Potsdam und die Asklepiosklinik Birkenwerder.
Beim Hüftgelenkersatz aufgrund einer Arthrose schnitt wiederum die Oberlinklinik in Potsdam gut ab, aber auch das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau, erneut das Vivantes-Klinikum Hellersdorf und auch das Vivantes-Wenckebach (Tempelhof).
Bei der Entfernung der Gallenblase zählten Blutungen und benötigte Transfusionen zu den Qualitätskriterien sowie sonstige Komplikationen und auch die Sterberate. Die Ergebnisse waren bei diesen Operationen für eine große Zahl Berliner Kliniken hervorragend: Zu den sehr guten Häusern zählten etwa das Vivantes-Humboldt-Klinikum (Reinickendorf), das Vivantes-Klinikum Neukölln, die DRK-Kliniken Berlin am Standort Westend, das Unfallkrankenhaus Berlin (Marzahn) das St.-Hedwigs-Krankenhaus (Mitte), das Krankenhaus Hedwigshöhe (Treptow) sowie das Helios-Klinikum Emil von Behring (Zehlendorf). Die Patienten können ihre Listen auch nach zahlreichen eigenen Kriterien erstellen und erhalten dann einen individuellen Vergleich für ihre Operation. Deshalb lässt sich so keine allgemeine Rangfolge für die Kliniken erstellen.
Transparenz im Netz
Die Methode der AOK hat nach Ansicht von Sprecherin Christine Göpner klare Vorteile: „Das QSR-Verfahren schafft Transparenz.“ Es sei das bislang einzige Verfahren, das systematisch den weiteren Behandlungsverlauf eines Versicherten auch noch ein Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus betrachte. „Und zudem ist es das einzige Verfahren, das auch dem Laien schnell über eine Onlinesuche einen Überblick bietet“, betonte die Sprecherin.
Union und SPD haben in ihrem Koalitionsprogramm vereinbart, künftig ganz ähnliche Qualitätsberichte auch bei der Finanzierung der Krankenhäuser heranzuziehen. „Die QSR zur Schaffung von mehr Transparenz ist eine gute Sache“, sagte Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Die Vergütung nach Qualität, wie von der Bundesregierung geplant, sei zudem sinnvoll. „Allerdings ist die Frage noch offen, welche Parameter zur Bewertung herangezogen werden sollen“, so Meyer. Auch müsse berücksichtigt werden, dass beispielsweise Universitätskliniken häufig Patienten mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen hätten. „Das darf sich in der Statistik dann nicht negativ auswirken“, forderte er.
Auch Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wertete das QSR-Verfahren als einen „Schritt in die richtige Richtung“. Aber an dieser Stelle könne man nun nicht haltmachen. „In den Koalitionsabsprachen haben wir uns zum Ziel gesetzt, ein Qualitätsinstitut zu etablieren, welches die Verbesserung der Qualitätssicherung weiter vorantreibt.“ Dadurch werde auch ein sektorenübergreifender Blick auf Qualitätssicherung möglich, so Czaja.



