Ein Gesangswettbewerb, bei dem ausnahmsweise nicht Dieter Bohlen in der Jury sitzt, wurde am Montagabend im Friedrichstadt-Palast in Mitte mit einem großen Galaabend gefeiert. Beim Finalkonzert der Preisträger des 42. Bundeswettbewerbs Gesang stellten die 17 bis 28 Jahre alten Gewinner aus dem Musical- und Chansonbereich unter der musikalischen Leitung von Adam Benzwi von der Universität der Künste (UdK) ihr Können unter Beweis.

Der Bundeswettbewerb Gesang fördert seit 1979 den sängerischen Nachwuchs für deutschsprachige Bühnen. Ausgezeichnet werden abwechselnd in geraden und ungeraden Jahren junge Talente in den Sparten Musical/Chanson und Oper/Operette/Konzert.

In diesem Jahr gehörten zu den Preisträgern auch wieder viele Berliner, darunter der 22-jährige Paul Skorupa, der mit dem zweiten Förderpreis aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin in Höhe von 3000 Euro ausgezeichnet wurde, sowie die 23-jährige Maria-Danae Bansen, die den ersten Preis in der Kategorie Musical in Höhe von 5000 Euro erhielt. Zusammen mit in diesem Jahr 175 angemeldeten Mitstreitern mussten sich die beiden in Vorauswahlen und den anschließenden Finalrunden bewähren.

Dominique Horwitz musste krankheitsbedingt absagen

Durch den Abend, den sich auch prominente Besucher wie Comedian Thomas Hermanns, Sängerin Judy Winter und Moderatorin Ulla Kock am Brink nicht entgehen ließen, führte überraschend die Sängerin Katharine Mehrling. Schauspieler Dominique Horwitz, der ursprünglich als Moderator eingeplant war, musste am Morgen krankheitsbedingt absagen.

„Bei uns im Theater sagt man: ,The Show must go on‘“, sagte Michael Dixon vom der UdK, der die Zuschauer begrüßte. So sah das auch Katharine Mehrling, auch wenn sie zugab, ebenso aufgeregt zu sein wie die Preisträger. „Als ich heute Morgen mit der Anfrage aus dem Bett geklingelt wurde, habe ich mich gefragt, ob das jetzt Horror oder ein Witz ist“, so die Musikerin. „Ich habe mich dann aber entschlossen, die Herausforderung anzunehmen – auch wenn ich eigentlich besser singen als sprechen kann.“

Talent der Teilnehmer steht im Vordergrund

Mehrling war 1995 selbst mit dem Preis geehrt worden. Nachdem sie 2011 in der Jury gesessen hatte, übernahm sie in diesem Jahr den Jury-Vorsitz und freute sich, junge Talente zu fördern. „Ich durfte die Preisträger vor heute Abend fünf Tage lang begleiten. Das war sehr berührend und inspirierend.“

Anders als in den bekannten Castingshows im Fernsehen stehe bei diesem Wettbewerb nämlich wirklich das Talent der Teilnehmer im Vordergrund. „Unsere Nachwuchskünstler müssen neben einer sehr guten Stimme auch schauspielern und tanzen können, und das möglichst gleichzeitig“, so Mehrling. „Abgesehen davon ist eine künstlerische kreative Eigenständigkeit wichtig, eine Geschichte zu erzählen, etwas von sich zu verschenken und durch Ehrlichkeit zu berühren. Persönlichkeit und Charakter sind für mich wesentlich interessanter als eine perfekt klingende Stimme.“

Schirmherr des Wettbewerbs ist traditionell der Regierende Bürgermeister von Berlin. „Der 42. Bundeswettbewerb Gesang Berlin steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von Musical und Chanson. Beide Genres haben in Berlin eine große Tradition, verbinden sich mit hervorragenden Namen. Man könnte sagen, der Bogen spannt sich von Claire Waldoff bis ‚Hinterm Horizont‘“, so Klaus Wowereit in seinem Grußwort. „Der Wert des Wettbewerbs liegt zum einen in der Talentauswahl und -förderung, zum anderen aber auch darin, dass man sich hier unter Live-Bedingungen testen und erproben kann.“

Der Bundeswettbewerb Gesang ist Europas größter Gesangswettbewerb. Bühnenvertreter und Künstleragenten beobachten den Verlauf regelmäßig und engagieren junge Künstler. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten unter anderen Max Raabe (1987), Thomas Quasthoff (1984, 1986) und Nadja Michael (1990, 1994).