Es ist eine simple, doch sehr anrührende Geschichte: Jahrzehntelang lebte im Berliner Nobel-Ortsteil Dahlem ein Obdachloser, den jeder kannte. Er hieß Jürgen Kindel und hatte sein Lager zuletzt an der Königin-Luise-Straße, gegenüber der katholischen Kirchengemeinde St. Bernhard aufgeschlagen.
In der Nachbarschaft bekannt war er nicht nur, weil er ständig trank, die Leute beschimpfte und stank. Sondern auch, weil er eine andere Seite hatte: Er konnte liebevoll und hilfsbereit sein, auf die Menschen zugehen und war ihnen ein guter Gesprächspartner. Als er vor einigen Monaten an einem Krebsleiden verstarb, waren alle Bänke des Gedenkgottesdienstes gefüllt mit Menschen, die um ihn trauerten.
Eva Sudholt hat die Geschichte Jürgen Kindels recherchiert und in einer Reportage „Mein Freund Jürgen“ erzählt, die am 4. August 2013 in der „Berliner Illustrirten Zeitung“, der Sonntagsbeilage der „Berliner Morgenpost“, erschienen ist. Für diese Reportage ist sie am Montag in der Kategorie „Lokales“ mit dem Deutschen Reporterpreis geehrt worden.
In derselben Kategorie wurden Meral Al-Mer und Lucas Vogelsang für ihren Text „Sie nannten sie Titten-Gitti“ („Der Tagesspiegel“ vom 9. März) ausgezeichnet.
Unser Autor Hajo Schuhmacher wurde als bester Interviewer für ein Gespräch in der „Welt am Sonntag“ ausgezeichnet.
Der Deutsche Reporterpreis wird vom Reporter-Forum e.V., einem Netzwerk deutscher Printjournalisten, für herausragende Reportagen in unterschiedlichen Medien vergeben. Er wurde erstmals 2009 verliehen und gilt inzwischen als einer der angesehensten Journalistenpreise.
Die „Berliner Morgenpost“ wurde in den vergangenen Jahren mehrfach für ihre journalistische Qualität ausgezeichnet, unter anderem mit dem Wächter-Preis, dem Konrad-Adenauer-Preis und dem Theodor-Wolff-Preis.
Sämtliche Preisträger unter: www.reporter-forum.de
BM




