Am Anfang stand die Idee, „nicht leer zu fahren“, sagt Birgit Schmidt-Möller. Bei ihrer Tätigkeit für die Pankower Beratungsstelle Schuldistanz ist sie auch zu Asylbewerberheimen unterwegs und nimmt regelmäßig Sachspenden dorthin mit. So auch zu einem Termin im Marie-Schlei-Haus in Reinickendorf.
In dem ehemaligen Pflegeheim, das von der Awo zu einem Heim für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge umgewandelt wurde, fragte sie nach den Bedürfnissen der Bewohner. „Mein anschließender Spendenaufruf innerhalb meines bescheidenen Netzwerkes bescherte viele brauchbare Dinge, und die Freude war groß, als ich mit der ganzen Fuhre ankam“, erzählt die Sozialarbeiterin.
Und ihr Netzwerk trug die Idee noch weiter: Als Axinja Heydolph, Mutter von drei Söhnen und Elternvertreterin an der Fließtal-Grundschule in Hermsdorf, von der Sachspenden-Aktion hörte, schlug sie vor, als diesjähriges Weihnachtsprojekt der Schule Geschenke für die Kinder in dem Marie-Schlei-Haus zu sammeln. V
on den dort untergebrachten 190 Flüchtlingen aus Serbien, Syrien, Tschetschenien, Afghanistan, Nigeria und dem Irak sind 105 Kinder, vom Baby bis zum Jugendlichen. Der Vorschlag wurde von der Gesamt-Elternvertretung und der Schulleitung sofort befürwortet.
Die Eltern wurden informiert und um Geschenkspenden gebeten. „Die Idee kam einfach gut an, weil wir hier direkt im Bezirk helfen können und damit gleichzeitig ein Zeichen gegen die Anfeindung von Flüchtlingen setzen. Wir haben sehr viele Mails von Eltern bekommen, die von der Aktion begeistert waren. Viele hatten sich auch schon gefragt, wie sie helfen können, sodass die Idee genau richtig kam“, sagt Axinja Heydolph.
Um mehr Päckchen für die vielen Kinder zusammenzubekommen, wurden auch noch die Montessori-Schule und das Montessori-Kinderhaus Zwergenstube in Heiligensee eingespannt. Auch dort war der Zuspruch und die Beteiligung sehr groß. Am Mittwoch war es so weit: ein Lieferwagen voller schön verpackter und sorgfältig beschrifteter Geschenke – ob für Junge oder Mädchen und die Altersgruppe – wurde von den Schülern der 5. Klassen beladen und machte sich auf den Weg von der Fließtal-Grundschule zum Marie-Schlei-Haus am Eichborndamm – gefolgt von zwei Privatfahrzeugen mit weiteren Sach- und Kleiderspenden.
„Mit so einer Menge hatten wir dann doch nicht gerechnet“, gab Schulleiterin Brigitte Knobloch zu. Noch mehr staunte Heimleiterin Claudia Da Silva, nachdem die Schüler alle Päckchen ausgeladen hatten. Die Zählung ergab: 152 Weihnachtsgeschenke! „Das ist ja so großartig, da bekommt wirklich jedes Kind ein Geschenk“, freute sie sich für ihre Schützlinge, von denen einige neugierig in den Raum mit dem Geschenke-Berg schauten. „Fast alle sind Muslime und kennen kein Weihnachten, aber mit dieser Aktion hier haben wir sie schon in Weihnachtsstimmung gebracht. Die Kinder sind begeistert“, sagt die Heimleiterin.
Und was die Adventszeit eigentlich ausmacht, lernen die Flüchtlingskinder nun auch: Vorfreude. Denn die gespendete Weihnachtsgeschenke werden erst am 23. Dezember verteilt. „Da werde ich nun bis dahin bestimmt dauernd gelöchert, wann denn, wann denn. Aber das macht nichts“, lacht Claudia Da Silva. Unermüdlich erklärt sie den Kindern auf Französisch, Englisch und Deutsch, dass manche in der Schule schon ganz gut gelernt haben, dass sie auf die Bescherung noch warten müssen.
Claudia Da Silva hat die Leitung des Awo-Hauses im Juli übernommen. Nach anfänglich großer Ablehnung in der Nachbarschaft, auch wegen der Aufgabe des Pflegeheims, habe sich die Lage etwas beruhigt, meint sie. „Aber von so einer Aktion hier können wir nur träumen.“ Als „Schöne Bescherung“ von Berliner helfen gibt es eine Spende für einen Ausflug mit den Kindern.
Schöne Bescherung
Aktion: Wir stellen von Mitte November bis Weihnachten Initiativen, Vereine und soziale Einrichtungen vor, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern. Um sie zu unterstützen und Wünsche der Kinder erfüllen zu können, bitten wir unsere Leser um Spenden.
Spenden: Machen Sie mit bei der Aktion „Schöne Bescherung“. Jede Spende wird ohne Abzüge eingesetzt. Die Kosten trägt die Berliner Morgenpost.
Stichwort: Bescherung
Konto 55, BLZ 100 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
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