Der Berliner SPD-Vorsitzende Jan Stöß gehört künftig dem 35-köpfigen SPD-Bundesvorstand an. Stöß wurde im zweiten Wahlgang mit 332 von knapp 600 Stimmen am Freitag auf dem Bundesparteitag in Leipzig gewählt. Im ersten Wahlgang war der 40-Jährige mit 219 Stimmen gescheitert. Das notwendige Quorum lag bei 288 Stimmen.
So erging es vielen SPD-Landesvorsitzenden zunächst. Auch Ralf Stegner (Schleswig-Holstein), Christoph Matschie (Thüringen), Katrin Budde (Sachsen-Anhalt), Florian Pronold (Bayern), Heiko Maas (Saarland) und Dietmar Woidke (Brandenburg) schafften auf Anhieb nicht das Quorum. Woidke erzielte im zweiten Wahlgang allerdings 445 Stimmen.
Auch Vertreter des linken Flügels wie Hilde Mattheis und Juso-Chef Sascha Vogt fielen zunächst durch.
14 Bewerber wurden jedoch im ersten Wahlgang gewählt. Das beste Ergebnis bekam die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen mit 415 Stimmen. SPD-Chef Sigmar Gabriel appellierte, im Vorstand müssten Vertreter aus möglichst vielen Landesverbänden sitzen. In einem zweiten Wahlgang können noch bis zu 12 Bewerber gewählt werden.
Stöß reagiert gelassen auf Ergebnis
Stöß sieht in seinem holprigen Start keine Abstrafaktion. „Das ist nichts Außergewöhnliches, dass große Landesverbände ihre Leute erst einmal selbst wählen“, sagte Stöß. Er gilt als Vertreter des linken Parteiflügels und hatte für seine Wahl in den erweiterten Parteivorstand zwei Anläufe gebraucht.
Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen mit der Union hält Stöß den Ausgang beim Mitgliedervotum für „völlig offen, solange es bei den zentralen Punkten keine Einigung gibt“. Er zählte dazu den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro, das Thema Rente und die doppelte Staatsbürgerschaft. „Die SPD-Mitglieder müssen vom Ergebnis überzeugt sein.“ Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, sagte: „In den Verhandlungen sind die dicksten Brocken noch zu klären.“
dpa/seg



