Die Berliner Polizei wird voraussichtlich ab dem kommenden Jahr ein neues Notrufsystem für Mobiltelefone testen. Das System soll in erster Linie Frauen helfen, die von häuslicher Gewalt bedroht sind. Mit „TecSOS“ muss am Handy nur ein bestimmter, dafür programmierter Knopf mehrere Sekunden lang gedrückt werden, und die Polizei wird alarmiert. Anhand der vom Handy gesendeten Standortdaten können die Helfer ausrücken – ohne vorher telefonisch Kontakt zu der Person, die den Notruf sendet, aufnehmen zu müssen.

Entwickelt wurde „TecSOS“ von einem Mobilfunkanbieter. Nach dessen Angaben arbeiten bereits Rettungsdienste und Polizei etwa in Großbritannien, Spanien und Irland mit dem System. 18.000 Frauen nutzen den Handy-Notruf den Angaben zufolge europaweit.

In Berlin habe zuerst rechtlich geprüft werden müssen, ob die Polizei einem Test zustimmen kann, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) der Berliner Morgenpost. „Jetzt soll es einen Probelauf von zwei Jahren geben.“

Beim Frauenhilfe-Verein BIG (Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen) wird das Projekt ausdrücklich begrüßt. „Wir hoffen, dass man mit diesem System die Zahl der Tötungsdelikte und Eskalationen bei häuslicher Gewalt reduzieren kann“, sagte Patricia Schneider, Geschäftsführerin von BIG. In Großbritannien gebe es gute Erfahrungen mit dem Handy-Notruf. „Vielleicht kann das System bei uns noch eine Lücke bei der Hilfe für bedrohte Frauen schließen“, so Schneider. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden.

Vergangenes Jahr zählte die Berliner Polizei knapp 15.800 Fälle von häuslicher Gewalt. Darunter drei Morde sowie sechs vollendete und acht versuchte Fälle von Totschlag.

cbr