Rund 370.000 Berliner sind überschuldet. Das entspricht nach der jüngsten Erhebung 13,1 Prozent aller Erwachsenen in der Hauptstadt, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch mit. Die Zahl der überschuldeten Personen verringerte sich damit in Berlin binnen Jahresfrist um 2000. Verglichen mit 2004 sind es 30.000 weniger.
Berlin liegt mit seiner Schuldnerquote von 13,1 Prozent bei den Großstädten auf Platz 3, hinter Duisburg (15,36) und Dortmund (14,01) und vor Leipzig (12,91) und Essen (12,8).
Brandenburg liegt mit einer Quote von 9,95 Prozent fast im deutschen Mittel, was rund 210.000 Brandenburger entspricht. Vor einem Jahr waren es noch 1000 mehr. Seit 2004 hat die Zahl der Überschuldeten um 29.000 abgenommen.
Als überschuldet gilt, wer seinen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht nachkommen kann. In Deutschland betrifft das etwa jeden zehnten Erwachsenen, insgesamt 6,58 Millionen Menschen. Bayern hat derzeit mit sieben Prozent die niedrigste Schuldnerquote, Bremen die höchste mit 13,85 Prozent.
Die Schlusslichter im Vergleich der 16 Bundesländer bilden wie in den Vorjahren Bremen (13,85 Prozent), Berlin (13,12 Prozent) und Sachsen-Anhalt (12,38 Prozent).
Ursachen für die Überschuldung
Creditreform hat durchschnittliche Schulden von rund 33.000 Euro pro Kopf ausgerechnet, insgesamt stehen die Deutschen mit knapp 221 Milliarden Euro in der Kreide. Ursachen der Überschuldung seien neben überzogenem Konsumausgaben etwa für Handys und Autos eine steigende Belastung mit fixen Kosten für Strom oder Mieten, berichtete die Wirtschaftsauskunftei.
Im Vergleich zum Vorjahr habe die Zahl der Betroffenen bundesweit nur um rund 10.000 abgenommen, so dass der Wert nahezu unverändert sei, hieß es. Angesichts einer guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und anhaltend niedriger Zinsen sei dies enttäuschend, hob die Wirtschaftsauskunftei hervor.
Die Überschuldungsampel bleibe damit in Deutschland auf „hellrot“. Bereits für das kommende Jahr rechnen die Experten mit einem Anstieg der Verschuldungsquote auf einen Wert „um die zehn Prozent“. Aktuell seien es genau 9,81 Prozent.
Die Ursachen seien sehr unterschiedlich. „Es gibt eine Armuts- und eine Wohlstandsüberschuldung“, sagte Creditreform-Experte Michael Bretz. Während Menschen im Alter von unter 30 Jahren vor allem durch überzogenen Konsum auf Pump in die Schuldenfalle tappten, mache sich bei Rentnern in steigender Überschuldung die Altersarmut bemerkbar. Besorgniserregend sei auch, dass gut 38 Prozent der Alleinerziehenden als zahlungsunfähig gelten.
Deutschlands Westen wird zum Sorgenkind
Der Westen Deutschlands entwickele sich derzeit zum Sorgenkind, hieß es. Während sich der Negativtrend im Osten des Landes nicht verstärkt habe, sei vor allem im Westen eine Zunahme von Fällen mit hoher Verschuldung zu beobachten. Die Betroffenen hätten oft kaum noch eine Chance, sich aus der Schuldenspirale zu befreien. Ihnen stehen weder Vermögen noch zusätzliche Kreditmöglichkeiten zur Verfügung.
Mit einer Schuldnerquote von 19,84 Prozent ist in Bremerhaven nahezu jeder fünfte Einwohner überschuldet, der letzte Platz in der Creditreform-Statistik. Am besten steht der bayerische Landkreis Eichstätt mit einer Überschuldungsquote von 3,71 Prozent da.
dpa/sei


