Die Förderung von Ökostrom wird die Bürger im kommenden Jahr weiter belasten. Die sogenannte EEG-Umlage steigt zum 1. Januar 2014 um 18,2 Prozent. Die Betreiber der vier großen Übertragungsnetze in Deutschland kündigten am Dienstag an, den Aufschlag auf den Strompreis von derzeit 5,277 Cent pro Kilowattstunde um fast einen Cent auf 6,24 Cent anzuheben.
Für eine durchschnittliche Familie mit einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von rund 3,30 Euro pro Monat oder fast 40 Euro pro Jahr. Mit der verkündeten Steigerung zahlt ein Durchschnittshaushalt im Jahr für die Ökostromumlage 218 statt 184 Euro. Insgesamt werden die deutschen Haushalte durch die angehobene Umlage um 1,6 Milliarden Euro zusätzlich belastet.
Grund für die Zusatzkosten ist die Systematik, mit der Deutschland die erneuerbaren Energien subventioniert. Betreiber von Ökostromanlagen in Deutschland werden gefördert, indem sie über 20 Jahre lang eine garantierte Vergütung für den von ihnen produzierten Strom erhalten. Die Verbraucher müssen per Umlage die Differenz zwischen dem sehr viel niedrigeren Strompreis an der Strombörse und den fest zugesagten Fördersummen ausgleichen.
Diese Förderung beläuft sich 2014 laut Prognose auf 19,1 Milliarden Euro, die Nachzahlung für dieses Jahr macht 2,2 Milliarden Euro aus. Zudem legen die Unternehmen einen Puffer an. Insgesamt wollen die Netzbetreiber durch die Umlage im kommenden Jahr 23,6 Milliarden Euro einnehmen.
Die Steigerung befeuerte erneut die Debatte um eine Reform der Ökostrom-Förderung. Unklar ist bislang allerdings, inwieweit die Stromkonzerne die höhere EEG-Umlage an ihre Kunden weitergeben. Der Berliner Grundversorger Vattenfall mit rund 1,6 Millionen Kunden in der Hauptstadt will nach den Worten einer Sprecherin zunächst prüfen, welche Auswirkungen die neue EEG-Umlage auf die Stromtarife haben wird. Der drittgrößte deutsche Versorger EnBW erklärte bereits, seine Preise blieben „bis weit ins Jahr 2014 stabil“. Auch der größte deutsche Versorger E.on garantiert seinen Privatkunden stabile Strompreise bis ins kommende Jahr. RWE will diese zumindest in der Grundversorgung bis 2014 auf dem bisherigen Niveau halten.
Grüne kritisieren zahlreiche Befreiungen von Unternehmen
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, riet den Stromkunden, nach Wegen zu suchen, die Stromrechnung zu senken: „Es besteht Reformbedarf beim EEG, und es bedarf eines verstärkten Wettbewerbsdrucks, zum Beispiel durch den Wechsel des Energielieferanten, damit die gesunkenen Börsenpreise auch beim Verbraucher ankommen“, sagte Homann. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangte von der künftigen Bundesregierung eine rasche Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Bereits jetzt koste die EEG-Umlage jeden Tag 56Millionen Euro. „Davon trägt die Wirtschaft fast 30 Millionen Euro“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber.
Grüne und Verbraucherschützer kritisierten hingegen die zahlreichen Befreiungen von Unternehmen von der Umlage. Würden diese Ausnahmen zurückgefahren, ließen sich die Kosten für die anderen Verbraucher deutlich senken. Nach Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sind 2013 1716 Unternehmen von der Umlage befreit. Im Jahr zuvor waren es erst 734. In Berlin müssen 20 Unternehmen sich nur begrenzt an der Förderung des Ökostroms beteiligen.
Darunter sind neben Mühlen, Metallbetrieben und Kunststoffherstellern auch die Deutsche Bahn Station & Services, also die Bahnhöfe, die S-Bahn und die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die BVG sei für ihren Fahrstrom von der EEG-Umlage befreit, bestätigte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Das Unternehmen habe dadurch bisher 16 Millionen Euro im Jahr an Energiekosten eingespart, die Belastung wäre mit der nun erhöhten Umlage um weitere vier Millionen Euro gestiegen.


