Jahrelang haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) konsequent Personal von ihren U-Bahnhöfen abgezogen. Nicht mehr betriebsnotwendig, zu personalintensiv und zu teuer, hieß es zur Begründung. Doch nun gibt es offenbar eine Trendwende. Nachdem bereits im Sommer erste mobile Stände auf einigen Bahnsteigen aufgebaut wurden, will die BVG ihre Präsenz in den Bahnhöfen deutlich ausbauen.

„Die Resonanz auf den Test war durchweg positiv. Unser Ziel ist nun, dass alle Stationen mit einer Frequenz von täglich mehr als 20.000 Fahrgästen ständig mit Personal besetzt sind“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

Aktuell werden bereits rund zehn U-Bahnhöfe über sogenannte mobile Servicepunkte verfügen, darunter die auch stark von Touristen frequentierten Stationen Potsdamer Platz und Wittenbergplatz. In den kommenden Monaten sollen mindestens zehn weitere hinzukommen, darunter die U-Bahnhöfe Uhlandstraße, Kurfürstendamm, Mitte und Rathaus Spandau.

Unterschiedliche Einsatzschwerpunkte

Allerdings werden dafür nicht die oft noch vorhandenen Abfertigungshäuschen wieder besetzt. Vielmehr sind kleine, mobile Stände geplant. „Wir wollen damit unsere Flexibilität erhalten und die Mitarbeiter immer dort einsetzen, wo sie auch gebraucht werden“, so Reetz. So könnten die Einsatzschwerpunkte bei Großereignissen wie etwa dem Berlin Marathon am Wochenende ganz andere sein als im Normalbetrieb.

Mit der ankündigten stärkeren Personalpräsenz reagiert die BVG auch auf schlechte Umfragwerte. Laut der aktuellen Zufriedenheitsstudie haben die rund 1000 befragten Fahrgäste die „Anwesenheit von Personal auf Bahnhöfen“ am schlechtesten bewertet. In einer fünfstufigen Skala erhielt dieses Servicemerkmal die mit Abstand schlechteste Note - eine 3,66. Trotz erheblicher Anstrengungen hat sich der Wert gegenüber 2012 kaum verbessert.

Qualität steht weiter in der Kritik

Damals wurde die Personalpräsenz auf den U-Bahnhöfen mit 3,7 bewertet. Geringfügig besser ausgefallen ist hingegen die Einschätzung der Fahrgäste zu ihrer Sicherheit in der U-Bahn. Der Punkt „Persönliche Sicherheit nachts auf den Bahnhöfen“ erhielt die Durchschnittsnote 3,3 , die „Persönliche Sicherheit nachts im Fahrzeug“ eine 3,18. Die Bewertungen dieser Qualitätsmerkmale fielen damit um einen Zehntelpunkt besser aus als noch vor einem Jahr, gehören aber weiterhin zu den Hauptkritikpunkten der Fahrgäste.

Aus Sicht der BVG sind die Bewertungen allerdings nur bedingt aussagekräftig. „Es gibt ja keine vergleichbaren Werte – etwa dazu, wie sicher sich die Berliner nachts auf öffentlichen Plätzen fühlen“, sagte BVG-Sprecherin Reetz. Gleichwohl versuchen die Verkehrsbetriebe auch mit dem Ausbau der Videoüberwachung das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern. So sollen, wie bereits berichtet, bis Ende 2015 mindestens 63 der insgesamt 173 Berliner U-Bahnhöfe mit neuen schwenkbaren Kameras ausgerüstet sein, die Überwachungsbilder in Farbe und HD-Qualität liefern.

Kameras geben trügerische Sicherheit

Der Berliner Fahrgastverband Igeb warnt indes davor, in Sachen Sicherheit einseitig auf technische Mittel zu setzen. „Videokameras allein können schnell zu einem trügerischen Gefühl führen, wenn die Leute denken, da schaut ja ständig einer von der BVG oder der Polizei hin“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke.

Dies sei aber in 99 Prozent der Fälle überhaupt nicht der Fall, weil die Kamerabilder meist nur aufgezeichnet werden. Der Fahrgastverband erneuerte die Forderung, dass wieder mehr U-Bahnhöfe als bisher ständig mit Personal besetzt werden.