Verkehr

Berliner Berufspendler stehen pro Jahr 71 Stunden im Stau

Berlin ist eine der Top-Staustädte Deutschlands, hier kommt man noch langsamer voran als in München. Die Baustellen sind das größte Problem der Stadt. Sie kosten die Berliner viel Zeit – und Geld.

Foto: Paul Zinken / dpa

Fast drei Tage pro Jahr steckt der Berliner Berufspendler im Stau. Durchschnittlich 71 Stunden waren es im Jahr 2012. Diese Zahl veröffentlichte der Verein „Mobil in Deutschland“. „Zu den Zeiten, in denen die Straßen besonders voll sind, müssen Autofahrer in der Hauptstadt 27 Minuten mehr Zeit für ihre Strecke einplanen“, sagte Vereinspräsident Michael Haberland.

Der Verein bezieht sich auf Datenmaterial des Navigationsgeräteherstellers TomTom. Der Verein hat dazu ein Bewertungssystem entwickelt: Berlin bekommt demnach die Note 4 und landet auf dem dritten Platz unter Deutschlands acht „Top-Staustädten“. Längere Wartezeiten gibt es nur in Stuttgart (Note 6) und Hamburg (Note 5), kürzer sind sie in München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Bremen, das die beste Note erhielt – Note 2.

„Statt Infrastruktur zu gestalten, wird versucht, den Mangel zu verwalten“, kritisierte Haberland. In Berlin sei die Fahrzeit bei Stau deshalb durchschnittlich um 28 Prozent länger als bei fließendem Verkehr. In Stuttgart brauchen Autofahrer im Durchschnitt 33 Prozent länger.

Die Statistik weist Staudaten auch für einzelne Wochentage und Tageszeiten aus. Demnach sind die Probleme in Berlin am Donnerstagabend und am Montagmorgen am größten. Am Montagabend und Freitagmorgen dagegen sind die Straßen relativ frei.

Schlechter Koordinierung zwischen Senat und Bezirken

Berlin landet im weltweiten Vergleich von 161 Städten auf Platz 13, Stuttgart als staulastigste deutsche Stadt auf Platz 6. Zum Vergleich: In Moskau gibt es 66 Prozent längere Fahrzeiten und eine Verzögerung in der morgendlichen Rushhour um sogar 106 Prozent.

Nach Angaben von Jörg Becker, Verkehrsexperte des ADAC Berlin-Brandenburg, erlebt Berlin derzeit eine Anhäufung von Baustellen in „nie gekanntem Ausmaß“. Mit weniger Staus und kürzeren Wartezeiten sei also nicht zu rechnen. „Das hat unterschiedliche Gründe“, so Becker. Zur Schlaglochsanierung kämen beispielsweise Einschränkungen durch den Weiterbau der U5 in Mitte, Sanierungen von U-Bahn-Tunneldecken und Straßenbahnneubauten. Auch seien wegen schlechter Baustellen-Koordinierung zwischen Senat und Bezirken immer wieder Straßen gesperrt und Umleitungsstrecken blockiert.

Ein Beispiel sei in Treptow-Köpenick die Vollsperrung der Köpenicker Straße und Baustellen auf den Umleitungsstrecken Treskowallee und Adlergestell. Becker fordert zudem mehr Park&Ride-Plätze in der Region und einen leistungsfähigeren öffentlichen Personennahverkehr, um die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten.

Denn der tägliche Stau kostet die Berliner nicht nur viel Zeit. Laut einer Studie, die der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) Ende 2012 veröffentlichte, entstehen den Autofahrern durch vermeidbare Staus infolge mangelhafter Verkehrsplanung jährliche Mehrkosten von knapp 160 Millionen Euro. Durch die erzwungenen Schleichfahrten würden mindestens 100 Millionen Liter Kraftstoff unnötig verbrannt. Dadurch werde die Berliner Luft mit zusätzlichen 230.000 Tonnen des schädlichen Klimagases Kohlendioxid belastet.