Drei Opfer, zwei spektakuläre Kriminalfälle – und jetzt ein Tatverdächtiger: Ein festgenommener Mann hat nach Überzeugung der Polizei drei brutale Überfälle auf Mitglieder zweier Berliner Millionärsfamilien verübt. Der 46-Jährige Mario K. soll einen Berliner Investmentmanager 2012 in Storkow in Brandenburg entführt und ein Jahr zuvor zwei brutale Überfälle auf Mutter und Tochter einer Berliner Millionärsfamilie verübt haben. Zwei Jahre lang hatte die Sonderkommission „Imker“ – benannt nach der auffälligen Maske des Täters – ermittelt.

„Er ist für alle drei Delikte dringend tatverdächtig“, sagte der Leiter der Sonderkommission, Siegbert Klapsch, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Potsdam. Der Berliner habe jahrelang in Wäldern rund um die Hauptstadt gelebt, seine blutigen Attacken akribisch vorbereitet und als Einzeltäter gehandelt. Inzwischen wurde gegen den Mann Haftbefehl vom Amtsgericht Frankfurt (Oder) wegen dreifachen versuchen Totschlags und erpresserischen Menschenraubs erlassen. Er hat nach Angaben der Ermittler keine persönliche Beziehung zu seinen Opfern. Er habe sich so vermutlich Geld beschaffen wollen.

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) bezeichnete die Festnahme als großen Erfolg der Polizei. „Die beharrliche Arbeit der Ermittler in den vergangenen zwei Jahren hat sich ausgezahlt. Jeder, der kriminelle Taten begeht, muss sich im Klaren sein, dass er früher oder später gefasst wird“, sagte er.

Lange Kette von Indizien

Der dringende Tatverdacht gegen den Berliner gründe sich auf eine lange Kette von Indizien, was die Beweislage schwierig mache, sagte Klapsch. Ausschlaggebend sei gewesen, dass in beiden Fällen dieselbe Waffe – eine Ceska 75 oder 85 oder der chinesische Nachbau Norinco – verwendet worden sei. Eine Waffe solchen Typs habe der Tatverdächtige auch als vorübergehender Gast in einem Berliner Schützenverein benutzt. Eine Schlüsselrolle habe auch eine auffällig geblümte Decke im Entführungsfall Storkow gespielt. Diese konnte bis in ein Gewerbegebiet in Berlin verfolgt werden, wo keine 600 Meter entfernt der Mann zeitweise gelebt habe.

Die Polizei sucht weiter nach Beweisen gegen Mario K. Am Nachmittag durchsuchten Beamte ein Grundstück an der Ulmenallee in Ahrensfelde.

Hier soll er sein Persönliches Hab und Gut deponiert haben. In welchem Verhältnis der Grundstückseigentümer und K. stehen, ist bislang unklar. Die Polizei vermutet offenbar, in einem Container die Waffe zu finden, die K. für seine Taten benutzt hat. Die Durchsuchung, mit der bereits am Dienstag begonnen wurde, dauerte den gesamten Mittwoch. Es wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt.

Drei schwere Straftaten seit 2011

Im August 2011 war die Ehefrau der Berliner Unternehmerfamilie Pepper vor ihrem Ferienhaus im brandenburgischen Bad Saarow mit einem Knüppel niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Zwei Monate später schoss ein maskierter Mann auf die Tochter der Familie, die auf einer Koppel mit ihrem Pferd beschäftigt war. Ein Wachmann schützte die junge Frau mit seinem Körper. Er erlitt eine Querschnittslähmung.

Ein Jahr später – am 5. Oktober 2012 – wurde ein damals 51 Jahre alter Berliner Banker aus seiner Villa in Storkow verschleppt. Der maskierte Täter war seinerzeit in das Haus des Opfers eingedrungen, zwang die Frau vor den Augen ihres Kindes, den Mann zu fesseln und ihm Augen und Mund zu verkleben. Der bewaffnete Mann zerrte den Banker aus dem Haus und warf ihn in den See. In einem Kajak zog er sein Opfer zu der Schilf-Insel. Der Entführte konnte sich nach zwei Tagen befreien.

Bereits 2005 wegen Brandstiftung verurteilt

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei Mario K. um einen Berliner Dachdecker aus Marzahn, der 2004 mehrere Yachten in Köpenick angezündet hat.

K. wurde 2005 wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Diebstahls vom Landgericht Berlin zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass der damals 37-Jährige im vergangenen Winter von der Seddinpromenade ein Sportboot gestohlen und in Schmöckwitz drei Yachten in Brand gesteckt hatte. Das Gericht hielt den Angeklagten für schuldig und sprach von einem "regelrechten Beutezug, mit ausgezeichneter Logistik".

Für die Schuld des Angeklagten sprach außerdem, dass er mit seinem selbstgebauten schwarz angestrichenen „Torpedo-Boot“ in den Nachtstunden unerkannt die Orte anfahren konnte. Verkleidet mit einem Neoprenanzug und mit geschwärztem Gesicht war der Einsiedler mit seinem Tarnboot der Wasserschutzpolizei im Mai aufgefallen. Er flüchtete auf seine Insel, wo er festgenommen wurde.

Die aus den Booten gestohlenen Gegenstände wurden im Zeltlager des Angeklagten gefunden, darunter das Sportboot. Der gelernte Dachdecker hatte seit längerer Zeit ein Einsiedlerdasein auf einer in den Gosener Wiesen zwischen Müggelsee und Seddinsee gelegenen einsamen Insel geführt. Polizeipräsident Arne Feuring sagte, K. habe „sehr spartanisch“ gelebt. „Wir haben ihn auch beim Flaschensammeln beobachtet“, sagte Feuring.

Spekulationen, der Mann habe früher der Nationalen Volksarmee der DDR angehört, dementierten die Ermittler. „Er war kein Elitesoldat.“