Die Plakate sind schon gemalt. Das Motto steht fest. „Fünf vor zwölf“ haben Schüler und Lehrer der Clay-Sekundarschule im Neuköllner Ortsteil Rudow ihre Protestaktion benannt. Die gesamte Woche lang wollen sie unter dieser Überschrift für den Neubau ihrer Schule kämpfen, die seit 23 Jahren in einem provisorischen Gebäude untergebracht ist. Am heutigen Mittwoch steht ein Protestmarsch zum Sitz des Finanzsenators Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) auf dem Plan.
Vom S-Bahnhof Friedrichstraße aus wollen mehr als 1500 Schüler, Lehrer und Eltern der Clay-Schule zur Klosterstraße in Mitte ziehen. Sie fordern, dass endlich die notwendigen Mittel für den Neubau ihrer Schule bereitgestellt werden. Nötig sind dafür 41,23 Millionen Euro. Soviel kosten ein neues Haus für eine große Oberschule mit jeweils acht Klassen pro Jahrgangsstufe und einem Musikprofil sowie eine neue Turnhalle. Lothar Semmel, Leiter des Bauausschusses der Clay-Schule sagt, es sei höchste Zeit, dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden würden. „Die Übergangsphase muss zu Ende gehen. Das provisorische Gebäude macht das nicht länger mit.“
Neubau kostet 41 Millionen Euro
Laut Semmel haben inzwischen sowohl die Bildungsverwaltung als auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie der Bezirk Neukölln die Bauplanungsunterlagen unterschrieben und damit das Investitionsvolumen von 41,23 Millionen Euro bestätigt. Nur die Unterschrift der Finanzverwaltung fehle noch. „Wenn es aber nicht endlich eine Freigabe des Finanzsenators gibt, wird das Projekt immer weiter verschoben. Am Ende droht das Aus“, sagt Semmel.
Die Clay-Schule hatte ihr ursprüngliches Haus an der Lipschitzallee 25 im Jahr 1989 verlassen müssen, weil es asbestbelastet war und nicht mehr als Schule genutzt werden konnte. Schüler und Lehrer zogen damals in einen Containerbau an den Rudower Bildhauerweg. Diese Notlösung war auf fünf Jahren ausgelegt. Doch Provisorien halten bekanntlich am längsten.
Viele Reden, viele Pläne, kein Fortschritt
Erst 2010 hat das Bezirksamt Neukölln einen Neubau für die Schule beschlossen und zwar in Rudow, weil dort Oberschulplätze benötigt werden. Seitdem ist viel geredet worden, viele Pläne wurden aufgestellt. Richtig vorangekommen ist man nicht. Jetzt sieht es sogar so aus, als würden Schüler und Lehrer noch lange in dem Provisorium ausharren müssen.
„Für die Clay-Schule ist es deshalb fünf vor zwölf“, sagt Lothar Semmel. Schüler, Eltern und Lehrkräfte würden das Übergangsgebäude zwar seit Jahren mit aufwendigen Aktionen zu erhalten versuchen, trotzdem könne es höchstens noch fünf Jahre genutzt werden. Danach wäre der Umzug oder die Schließung der Schule unausweichlich. Auch für Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) ist klar, dass die Schule bebaut werden muss. „Es gibt kein Zurück“, sagt sie. Bislang seien allein 1,5 Millionen Euro dafür ausgegeben worden, die Schüler vom Standort Bildhauerweg zur Turnhalle am alten Standort Lipschitzallee zu fahren und sie wieder dort abzuholen.
Musikprofil macht Schule attraktiv
Der Containerbau sei außerdem „eine energetische Katastrophe“, so Giffey. Für die Erneuerung der Fenster müssten in nächster Zeit 400.00 Euro ausgegeben werden. Fußböden und Wände seien in Leichtbauweise konstruiert und bedürften ständiger Reparaturen. Schließlich brauchten die Schüler endlich eine Turnhalle vor Ort.
Die Clay-Schule gehört zu den größten Sekundarschulen der Hauptstadt. Trotz der widrigen baulichen Umstände wird sie bei Schülern und Eltern immer beliebter. In den vergangenen Jahren haben sich weit mehr Schüler an der Schule angemeldet, als Plätze vorhanden waren. Das hat vor allem mit dem besonderen Musikprofil der Schule zu tun, an der es seit kurzem sogar eine Musical-Klasse gibt.
Blake-Schule soll erweitert werden
Auch in Steglitz-Zehlendorf wollen Schüler und Eltern heute demonstrieren. Sie fordern die räumliche Erweiterung der Quentin-Blake-Grundschule am Hüttenweg 40. Die deutsch-englische staatliche Europaschule soll künftig eine Regelklasse aufnehmen und kann dann nicht mehr drei, sondern nur noch zwei bilinguale Klassen pro Jahrgang anbieten.
Das wollen die Eltern nicht hinnehmen. Franz Pfeifer von der Gesamtelternvertretung der Quentin-Blake-Schule sagt, dass 3500 Eltern die Forderung nach einer Erweiterung der Schule unterschrieben haben. Es gehe nicht nur um die Regelklasse, die sie aufnehmen sollen, sondern auch darum, dass im Umfeld der Schule viele Wohnungen gebaut werden würden. „Die Nachfrage nach Schulplätzen wird steigen.“
Die Eltern wollen ihrer Forderung nach dem Schulausbau Nachdruck verleihen. Sie haben deshalb beschlossen, heute um 16.30 Uhr vor der Sitzung der Bezirksverordneten-Versammlung im Zehlendorfer Rathaus zu demonstrieren.




