Studie

Zimmervermittler soll Berlin Millionen Euro bringen

Der Senat will die Zweckentfremdung von Wohnraum für Urlauber verbieten. Eine Online-Wohnungsbörse kontert mit einer Studie: Besonders Bezirke abseits der Zentren verdienen demnach an dem Geschäft.

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Internet-Zimmervermittlern weht in Berlin der Wind schärfer ins Gesicht. Der Marktführer der Online-Quartierbörsen, Airbnb, kontert jetzt mit einer Studie auf Pläne des rot-schwarzen Senats, die Zweckentfremdung von Wohnraum als Ferienwohnungen zu verbieten.

Sie soll belegen, dass die Stadt in Millionenhöhe von den Gästen profitiert. Auch andere Online-Plattformen fühlen sich zu Unrecht angegriffen.

Airbnb beziffert den Wirtschaftsfaktor seiner knapp 6000 Gastgeber und der 119.000 Gäste in Berlin mit mehr als 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Mehr Zeit bringt mehr Geld

Wer über die Online-Plattform ein Zimmer buche, verbringe mehr Zeit in Berlin und gebe mehr Geld aus als Besucher, die in Hotels unterkämen: Airbnb-Gäste bleiben im Schnitt 6,3 Tage in Berlin und geben 845 Euro – Hotelgäste 471 Euro in 2,3 Tagen.

Die Vermittlungsplattform versucht auch die These zu entkräften, durch die Vermietung werde dem Mietwohnungsmarkt Wohnraum entzogen. Der Großteil der Airbnb-Gastgeber vermiete nur gelegentlich das eigene Zuhause. Der durchschnittliche Gastgeber verdiene 1949 Euro pro Jahr.

"Gastgeber erzählen mir immer wieder, wie sehr sie auf die zusätzlichen Einnahmen angewiesen sind und dass Airbnb dabei hilft, weiterhin in ihrem Zuhause wohnen zu bleiben" schreibt David Hantman in einem Unternehmens-Blogpost.

Bezirke abseits der Touristenströme profitieren

Fast die Hälfte der Gastgeber verdiene weniger als das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Berlin (dieses liege bei 1650 Euro monatlich). Außerdem leben 45 Prozent der Berliner Gastgeber in einem Single-Haushalt. 48 Prozent ihrer Einnahmen geben Gastgeber für grundlegende Lebenshaltungskosten wie Miete, Rechnungen und Lebensmittel aus.

Nach Darstellung von Airbnb profitieren auch Bezirke abseits der Touristenströme: 77 Prozent der Airbnb-Unterkünfte befinden sich außerhalb der üblichen Hotelzentren. Deswegen geben Airbnb-Gäste hier einen großen Teil ihres Budgets aus, durchschnittlich 311,85 Euro pro Gast und Aufenthalt.

"Davon profitieren Stadtteile wie Neukölln oder Wedding, in denen es sonst kaum touristische Infrastruktur gibt", heißt es im Unternehmensblog. Die mehr als 8000 Airbnb-Gäste, die im vergangenen Jahr in Neukölln übernachtet haben, hätten mehr als zwei Millionen Euro in den Geschäften vor Ort ausgegeben und 1,3 Millionen Euro an ihre Gastgeber bezahlt.

Zweijährige Übergangsfrist für Vermieter

Berlin ist die vierte Städtestudie von Airbnb. Die Ergebnisse der vorherigen Studien zeichnen ein ähnliches Bild. In Paris hat Airbnb rund 240 Millionen Euro und in San Francisco umgerechnet 56 Millionen Euro zur lokalen Wirtschaft beigetragen. Ähnlich wie in Berlin bleiben Airbnb-Gäste in Amsterdam durchschnittlich länger in der Stadt und geben auch mehr Geld aus als Hotelgäste.

Der Senat von Berlin hatte im Juni 2013 den Entwurf eines Zweckentfremdungsverbotsgesetzes auf den Weg gebracht. Danach soll die Nutzung von Wohnraum für andere Zwecke nur noch in Ausnahmen dort gestattet werden, "wo die Fremdnutzung im Interesse des Gemeinwohls liegt".

Für gültige gewerbliche Mietverträge soll es einen Bestandsschutz geben, bis sie auslaufen. Für die Vermietung von Ferienwohnungen ist in dem Gesetzentwurf eine zweijährige Übergangsfrist vorgesehen, um den Eigentümern ausreichend Zeit zu gewähren, sich auf die neue Regelung einzustellen.

Der Senat begründet die Gesetzesinitiative mit der Verschärfung auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Durch eine geringe Zahl von Neubauten bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der Haushalte sei Wohnraum besonders in den unteren Preissegmenten knapp geworden. Deshalb solle Wohnraum "nicht frei und uneingeschränkt dem Wohnungsmarkt entzogen werden können", heißt es in einer Mitteilung.

Mehr Geld dank günstiger Unterkünfte

Der Mitbewerber von Airbnb, die Vermittlungsplattformen für Ferienwohnungen 9flats.com, verfügt zwar nicht über eine so ausführliche Studie, fühlt sich von Politik und Senat zu Unrecht angegriffen und unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung ihres Geschäftsmodells.

"Jeder Berlinreisende gibt im Schnitt 205 Euro pro Tag aus. Damit bringen 9flats-Reisende jedes Jahr mehrere Millionen in die Stadt", sagt Roman Bach, Marketingchef von 9flats. Es fließe rund ein Drittel mehr in den Konsum als bei Hotelgästen, weil seine Reisenden dank günstiger privater Unterkünfte mehr Geld in der Tasche hätten.

Bach hält die politische Diskussion in Berlin für überzogen: "Wir bieten 1000 Wohnungen in Berlin an – das ist sehr wenig im Vergleich zu 40.000 fehlenden Wohnungen im Wohnungsmarkt und über 120.000 Hotelbetten", sagt er.

Wer eine mietpreisgebundene Wohnung zweckentfremde, gehöre selbstverständlich gemaßregelt. "Aber wer seine private Wohnung zeitlich begrenzt anbietet, der sollte das tun dürfen", sagt Bach.

Unnötiger Eingriff in das Recht auf die eigene Wohnung

Bach kritisiert die politische Berliner Linie: "Die Berliner Gesetzgebung greift da unnötig in das Eigentum und Recht auf die eigene Wohnung ein. Städte wie Hamburg, Paris oder Amsterdam sind da weiter: Da wird die begrenzte Vermietung der eigenen Wohnung ausdrücklich erlaubt."

Auch die Plattform Wimdu, die in Berlin 4000 Wohnungen anbietet, unterstreicht die Wirtschaftskraft ihrer Kunden. "Für unsere Gäste spielt der Preis eine große Rolle. Weil die Ferienwohnungen billiger als Hotelzimmer sind, haben unsere Kunden ein größeres Budget, das sie in der Stadt ausgeben können", sagt Sprecherin Stefanie Gruber.

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