In leuchtendem Rot strahlen die neuen Unterrichtscontainer gleich neben dem völlig maroden Nebengebäude des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums an der Kissingenstraße. Am Mittwoch wurden die mobilen Unterrichtsbauten mit Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) eröffnet und als die Prototypen für die Schule der Zukunft gefeiert. Ein ganzes Containerprogramm ist für Berlin im neuen Entwurf des Doppelhaushalts vorgesehen, um dringend nötige Schulplätze zu schaffen. In Pankow können nun die ersten Schüler die Unterrichtsräume neuen Typs ausprobieren.

Insgesamt 25,7 Millionen Euro sind bis 2015 für solche mobilen Bauten vorgesehen. Nach der Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werden im Jahr 2030 in Berlin 65.000 mehr Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren leben als heute. Deshalb benötigt die Stadt in den kommenden Jahren etwa 60 neue Schulen. Allein in Pankow fehlen schon bis 2017 nach Berechnungen des Bezirks 6000 Schulplätze, Lichtenberg braucht im selben Zeitraum fünf neue Schulen.

Berlin investiert bis 2014 rund 16 Millionen Euro in Container

Doch Neubauten sind nicht nur teuer, sondern brauchen auch Zeit. Für 2014 sind nun 16 Millionen Euro für sogenannte Container vorgesehen. Im Jahr 2015 soll es dann noch weitere 9,7 Millionen für die mobilen Bauten geben. Von Provisorien will dabei keiner mehr sprechen. Die „modularen Ergänzungsbauten“ hätten eine Lebensdauer von 25 Jahren, sagte Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) zur Eröffnung, und sie machte keinen Hehl daraus, dass sie diese Fertigbauteile sogar Neubauten im klassischen Sinn vorziehen würde.

Auch wenn die Fassade der acht neuen Unterrichtsräume des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums farbenfroh gestaltet ist, bleibt der äußere Eindruck eines Containers erhalten. Doch die Schüler sind neugierig, was sie im Inneren erwartet. Alma aus der zehnten Klasse kann an diesem Donnerstag zum ersten Mal ihren neuen Klassenraum besichtigen. „Alles wird besser sein als das, was wir bisher hatten“, sagt die Schülerin. Bisher hatte sie in dem heruntergekommenen Nebengebäude Unterricht.

Fassadenteile könnten Abstürzen

Dass in dem maroden Schulbau der 70er-Jahre überhaupt noch Unterricht stattfindet, ist kaum zu glauben. Der Haupteingang ist gesperrt, der Seiteneingang behelfsmäßig überdacht, damit keine Fassadenteile auf die Schüler und Lehrer fallen. Die Fenster sind aus Sicherheitsgründen zugeschraubt und lassen sich nicht mehr öffnen. „Im Sommer war es zu heiß, im Winter viel zu kalt“, sagt Schülersprecher Sebastian Krück aus der 12. Klasse.

Die Sanierung des alten Gebäudes, die 2016 beginnen soll, kostet 14 Millionen Euro. Die Container haben dagegen nur 1,2 Millionen Euro gekostet. „Jetzt bekommen die Schüler endlich das, was ihnen zusteht: vernünftige Räume“, kommentiert Schulleiter Ralf Treptow die Eröffnung.

Moderne Technik mit Whiteboards und Beamern

Große Erwartungen habe er nicht an die neuen Container gehabt, sagt Schülersprecher Sebastian. „Schließlich wusste ich ja, was die Bildungsverwaltung bisher für zumutbar hielt.“ Doch bei der ersten Besichtigung ist er überrascht von den schönen Räumen. Sie sind viel größer als die Unterrichtsräume in den anderen Gebäuden. Außerdem gibt es moderne Technik mit Whiteboards und Beamern.

Die großen Fenster geben den Blick ins Grüne frei. In den Toiletten füllt der Spiegel die gesamte Breite über den Waschbecken aus. Die Treppenhäuser sind geprägt durch anthrazitfarbene Steinfliesen und glänzende Metallgeländer. „Ich glaube, man kann sich besser konzentrieren in dieser Umgebung“, sagt Sebastian. Er wundere sich nur, dass man nicht früher auf den Bedarf regiert hatte. „Schließlich werden ja nicht alle Schüler überraschend zwölf Jahre alt“, sagt er.

Tausende neue Wohnungen

Zehn Jahre lang hat das Rosa-Luxemburg-Gymnasium um eine Sanierung des verfallenen Nebengebäudes gekämpft. Jetzt ging plötzlich alles sehr schnell. In einer Rekordzeit von elf Monaten von der Planung bis zur Eröffnung wurden die neuen Unterrichtsräume geschaffen. Auch deshalb, weil bald die benachbarte Wolkenstein-Grundschule Räume für die wachsende Schülerzahl benötigen wird.

Während der Eröffnung des Containers machte Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz noch einmal auf die dramatische Lage im Bezirk aufmerksam. In diesem Jahr seien bereits 2000 Baugenehmigungen für Wohneinheiten erteilt worden. Im vergangenen Jahr seinen es 2500 gewesen. In all die Wohnungen würden vor allem Familien mit Kindern ziehen.

Diese Entwicklung gehe so rasant, dass jetzt schnelle Lösungen gebraucht würden. Neubauten mit Planungszeiten von sechs bis zehn Jahren würden hier nicht helfen, so Zürn-Kasztantowicz.

Schon vor Jahren hatte die Stadträtin auf die Schulplatznot hingewiesen und den Senat um Hilfe gebeten. Jedoch ohne Erfolg. Verzweifelt hatte sie sogar einen Baustopp für weitere Wohnungen gefordert, stattdessen hat sich die Zahl der Neubauten von Jahr zu Jahr gesteigert. Erst jetzt habe sie das Gefühl, sagte die Schulstadträtin, im Senat tatsächlich ernst genommen zu werden.