Die Fortsetzung der Hartz-Reformen ist die große soziale Aufgabe, die eine künftige Bundesregierung in der nächsten Legislaturperiode anpacken muss. Keineswegs darf es dabei – wie von Teilen der Opposition verlangt – um höhere Transferleistungen gehen. Denn dies würde den Kreis der Bedürftigen nur vergrößern. Geld aber wird nötig sein. Geld, das jedoch den Jobcentern zur Verfügung gestellt werden sollte, damit sich diese noch viel intensiver als heute um jeden einzelnen Langzeitarbeitslosen kümmern können.

Oft geht es dabei um eine Vielzahl sozialer Probleme, die anzugehen sind: Alkohol, familiäre Schwierigkeiten, Schulden. Etliche Betroffene sind dem Berufsleben schon lange entwöhnt und scheitern bereits an den kleinsten Anforderungen wie Pünktlichkeit oder Verlässlichkeit. Die Fallmanager müssen somit Sozialarbeiter und Jobvermittler in einem sein. Es geht darum, den Menschen individuell zu helfen, aber sie auch – und das muss immer Priorität haben – fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Dafür benötigen die Betreuer mehr Handlungsfreiheit, um neue Wege auszuprobieren, und Anreize zur Motivation. Charme hat die Idee, jede Hilfe an eine Gegenleistung wie gemeinnützige Arbeit oder eine Qualifizierung zu koppeln. Denn nicht alle sind in der Lage, den gewaltigen Sprung aus der Langzeitarbeitslosigkeit in einen regulären Job zu schaffen. Dass es in Bayern inzwischen kaum mehr Hartz-IV-Empfänger gibt, während in Berlin noch immer jeder sechste Einwohner auf diese Sozialleistung angewiesen ist, zeigt einerseits, wie entscheidend die wirtschaftliche Lage bei der Lösung dieses Problems ist.

Andererseits wird deutlich, dass man den sozial Schwachen keinen Gefallen tut, wenn man ihnen zwar allerlei Wohltaten gewährt, sie aber ansonsten weitgehend in Ruhe lässt. Aktivieren ist anstrengend für alle Beteiligten: Aber je konsequenter das Prinzip Fordern und Fördern angewandt wird, desto besser ist es – für die Jobsuchenden und die Gesellschaft.