Hanno Zische steht im Boots-Stau und ist sauer. Der Mecklenburger hat Gäste aus Hessen auf seinem Hausboot, darunter eine 80-jährige Frau mit einem Arzttermin. Aber Zische steckt in Canow an der Mecklenburgischen Seenplatte fest. Grund ist ein Streik der Schleusenwärter in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, die zum zweiten Mal in drei Wochen die Wasserstraße von und nach Berlin komplett blockieren. „Wenn ich schon betroffen bin, hätte ich mir mehr Information gewünscht“, schimpft Zische.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen streikte die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di am Donnerstag und blockierte die Müritz-Havel-Wasserstraße, die Havel von der Seenplatte nach Berlin, sowie die Zufahrt von der Elbe zur Müritz-Elde-Wasserstraße bei Dömitz. Letztere ist seit Mittwoch gesperrt.

Zusicherung von Ramsauer reicht Ver.di nicht

Ende Juli war der Betrieb von 17 Schleusen schon einmal für drei Tage eingestellt worden. Mit den Streiks protestiert die Gewerkschaft gegen negative Folgen der Reform der Wasser-, und Schifffahrtsverwaltung. Im Zug der geplanten Reform, wird der Wegfall von 3000 der deutschlandweit insgesamt 12.000 Arbeitsplätze befürchtet.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), betonte mehrfach, die Stellen nicht streichen zu wollen. Doch diese Zusicherung reicht der Gewerkschaft nicht. „Das ist uns aber zu schwammig“, bekräftigt Jana Konopka, die seit 23 Jahren als Schleusenwärterin in Canow arbeitet. Der Bund wolle die gesamten Angestellten im Osten, die keine Beamten wurden, ausgliedern. Das wolle Verdi verhindern. Sollte das Bundesverkehrministerium nicht auf den Protest reagieren, sei auch ein bundesweiter Streik denkbar, so Manfred Loos.

In der Innenstadt findet der Fahrbetrieb der Touristenboote wie gewohnt statt. „Wir fahren leicht veränderte Routen“, sagt Stephanie Merkel, 25, Mitarbeiterin der Reederei Stern und Kreis, „aber die Beliebteste – die einstündige Stadtrundfahrt – findet statt wie geplant“.

Am Freitag sollen die Schleusen von und nach Berlin wieder geöffnet sein – ab 9 Uhr, heißt es. Dafür sorgt Ver.di-Nord dann für Schleusen-Sperrungen auf der Müritz-Elde-Wasserstraße von Plau westwärts.

mit dpa