Kommentar

Warum die Schutzzone in Tempelhof nur eine Notlösung ist

Wegen des erwarteten Besucheransturms zu den Konzerten der Toten Hosen und der Ärzte wird Neu-Tempelhof zur Anwohnerschutzzone erklärt. Andrea Huber wohnt am Flughafen und fordert eine Alternative.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Im Garten sitzen und live dabei sein, wenn um die Ecke, also auf dem Rollfeld des Ex-Flughafens Tempelhof, drei Tage lang die Toten Hosen und die Ärzte losrocken: So könnte das Wochenende für die Bewohner der Gartenstadt Neu-Tempelhof aussehen. Schließlich werden die drei Konzerte in der Fliegersiedlung mit ungefähr 120.000 Besuchern kaum zu überhören sein. Etliche Berliner werden uns Anwohner darum beneiden, dass wir die Auftritte der Kultbands zumindest akustisch verfolgen können, ohne teure Tickets kaufen oder am Einlass Schlange stehen zu müssen.

Und doch verlangt das Event auch den Bewohnern der Siedlung aus den 20er-Jahren einen hohen Preis ab. Drei Tage lang werden die Straßen ab 12 Uhr mittags bis tief in die Nacht zur „Anwohnerschutzzone“ erklärt, was massive Verkehrseinschränkungen bis hin zu Komplettsperrungen ganzer Straßenzüge bedeutet.

Senat soll Infrastrukturkonzept erstellen

Das ist zwar ein Fortschritt im Vergleich zu früheren Großveranstaltungen auf dem Ex-Flughafen-Gelände, die ohne solche Schutzzonen auskamen. Regelmäßig hatte das zur Folge, dass Tausende von Besuchern mit ihren Autos Dauerschleifen in den schmalen Straßen der Reihenhaussiedlung drehten – auf der meist vergeblichen Jagd nach einer Parklücke. Große Parkplätze in der unmittelbaren Umgebung des Ex-Flughafens existieren nicht.

Das Ausweisen einer Anwohnerschutzzone kann nur eine Notlösung sein. Da Großveranstaltungen wie die Konzerte der Ärzte und der Toten Hosen zum Geschäftsmodell des Ex- Flughafens gehören, sollte der Senat schnell ein schlüssiges Infrastrukturkonzept erarbeiten. Das Einrichten eines Parkplatzes auf dem Riesengelände wäre eine Möglichkeit. Realitätsfremd scheint die Annahme, dass Besucher solcher Events grundsätzlich mit Fahrrad, U- oder S-Bahn anreisen wollen und können. Oder steckt dahinter politisches Kalkül? Eine Alternative wäre ja auch eine Verlegung an den Stadtrand.

Den Anwohnern bleibt einstweilen nur, sich an einen Songtitel der Toten Hosen zu halten: „Alles wird vorübergehen“. Und sich auf ein besonderes Konzert zu freuen.