Mord an Pferdewirtin

Mitangeklagte beschreibt Robin H. als skrupellosen Drahtzieher

Robin H. soll den Mord an Pferdewirtin Christin R. in Auftrag gegeben haben. Vor der eigentlichen Tat hatte er bereits eine Freundin angestiftet. Ihre Aussagen lassen Fragen offen.

Warum lässt sich eine junge Frau zu einem Mordversuch anstiften? Tanja L. hat dazu am Montag vor einem Moabiter Schwurgericht ausführlich Stellung genommen. Es geht in diesem Prozess um die Ermordung der 21 Jahre alten Pferdewirtin Christin R. aus Berlin-Lübars. Und zu den fünf Angeklagten gehört auch Tanja L.

Der 27-Jährigen wird vorgeworfen, versucht zu haben, Christin R. zu vergiften. Das hat sie in diesem Prozess bereits im April zugegeben. Am Montag ging es um Nachfragen der Prozessbeteiligten, die Tanja L. aber nicht selber beantworten wollte. Sie ist eine schmale, scheu wirkende Frau; hatte ihre Aussagen schriftlich vorbereitet und ließ sie von ihren Verteidigern verlesen.

Dreh und Angelpunkt ist das Verhältnis zu dem 24-jährigen Robin H., der bei der Staatsanwaltschaft als Drahtzieher der Ermordung der Pferdewirtin gilt. Den Ermittlungen zufolge hatte er für Christin R. acht Risikolebensversicherungen über insgesamt 2,4 Millionen Euro abgeschlossen, die er nach ihrer Ermordung kassieren wollte.

Eine ganz besondere Wirkung auf Frauen

Vermutlich hatte der vor Gericht eher farblos wirkende Robin H. eine ganz besondere Wirkung auf Frauen. Christin R. soll in ihn hoffnungslos verliebt gewesen sein.

Bei der Fleischfachverkäuferin Tanja L. war es ebenso. Sie hatte ihn während eines Reitturniers kennengelernt. Wenige Tage später, gab sie zu Protokoll, habe er ihr „per SMS seine Liebe gestanden“.

Zu vermuten ist jedoch, dass Robin H. schon zu diesem Zeitpunkt in Tanja L. ein willfähriges Werkzeug sah. Hatte er ihr doch sehr schnell auch erzählt, dass er ein Auftragskiller sei.

Warum sie nicht sofort Abstand gesucht habe, wurde Tanja L. gefragt: „Er war mein Traummann“, heißt es bei ihr. Aber sie sei auch schockiert gewesen, habe es nicht glauben könne und einfach verdrängt.

Später, als schon von der Ermordung Christin R.s die Rede gewesen sei, habe sich das Verhältnis gewandelt. „Ich hatte große Angst vor ihm“, so Tanja L. „Er hat gedroht, er könne auch zwei Frauen töten. Das würde ihm nichts ausmachen.“

Das Kaliumchlorid wirkte nicht

Eine Erklärung, warum sie sich mit Christin R. dann auch wirklich unter einem Vorwand traf und nicht einfach zur Polizei ging, ist das immer noch nicht. Sie hatte in das Getränk von Christin R. dann auch eine Flüssigkeit gemischt, die ihr Robin H. gegeben haben soll.

In den Gesichtern der Richter ließ sich deutlich Skepsis erkennen, als sie vorgab, geglaubt zu haben, es sei gar kein richtiges Gift gewesen. „Es war ja aus der Apotheke. Und ich dachte, was aus einer Apotheke kommt, kann ja nichts Schlechtes sein.“ Auch sei sie ja anschließend noch eine Weile bei Christin R. geblieben und hätte, wenn nötig, sofort die Rettungsstelle alarmiert. Das war jedoch nicht nötig. Das Kaliumchlorid wirkte nicht.

Später, so Tanja L., habe sie die Beziehung mit Robin H. beenden wollen, obwohl sie ihn immer noch liebte. Aber sie sei ihm nicht gewachsen gewesen. „Ich fühlte mich von ihm beobachtet und unter Druck gesetzt. Ich wollte nicht, dass er sauer auf mich wird, habe nicht gewagt, mich zu widersetzen oder zu widersprechen“, hieß es in der Erklärung.

Dieses Verhalten führe sie auf ihre Kindheitserlebnisse zurück. „Ich habe in meinem Leben bei Druck immer nachgegeben.“ Der Vater habe die Mutter gewürgt und umzubringen versucht. Das habe sie als kleines Kind erleben müssen.

Später sei sie von der überforderten Mutter oft geschlagen worden, fast immer grundlos. Mit Zwölf sei sie vom Jugendamt aus der Familie herausgenommen worden. Aber auch in der Wohngruppe habe sie sich angepasst und versucht, Konflikte zu vermeiden. „Manchmal reichte schon ein Blick, und ich machte alles, was mir gesagt wurde“ , so die Angeklagte.

Tanja L. war dann auch – quasi als Lockvogel – dabei, als es am 20. Juni 2012 zu dem verhängnisvollen Treffen mit Christin R. auf einem Parkplatz vor dem Freibad Lübars kam. Auch Robin H. soll anwesend gewesen sein, als der mutmaßliche Auftragsmörder Steven Mc A. Christin R. von hinten packte und erwürgte.

Der Prozess wird fortgesetzt.