Wer ins Restaurant geht, fragt sich nach fünf Minuten, wo denn das Essen bleibt, und nach weiteren zehn Minuten, wo der Kellner mit der Rechnung bleibt. Das Einchecken im Hotel soll auch besser schnell gehen. Keine Zeit. Flitzen soll das Personal, um uns unsere Wünsche zu erfüllen. Aber welcher Bedienstete ist der schnellste? Um das herauszufinden und für den verkaufsoffenen Sonntag zu werben, veranstaltet das „Neue Kranzler Eck“ den „Kellnerlauf“. Zahlreiche Hotels und Restaurants schickten auch am Sonntag ihre Angestellten zur Teilnahme.
Dabei ist der Veranstaltungsname „Kellnerlauf“ etwas irreführend. Es treten schließlich nicht nur Kellner an, sondern unter anderem auch Köche und Hotelpagen. Die Laufstrecke: aus der kleinen Passage des „Neuen Kranzler Ecks raus auf den Kudamm, bis zum Wendepunkt und zurück. Alles zusammen 400 Meter. Das Ganze aber noch um einiges erschwert durch verschiedene Berufsspezifika.
Der Kaffee schwappt über
Mit einem Latte Macchiato auf dem Tablett treten als Erstes die Kellnerinnen an. Zehn junge Frauen stehen konzentriert am Start- und gleichzeitigen Zielpunkt des Rennens. Der Startschuss knallt. Bereits auf den ersten Metern schwappt der Kellnerin mit der Nummer 103 ihr Kaffee über. Sie muss zurück, einen neuen holen. Unterdessen haben die anderen Kellnerinnen schon ein gutes Stück zurückgelegt. Als Erste erreicht schließlich Kellnerin Nummer 107 das Ziel. Ehrlicherweise muss man sagen, von ihrem Latte Macchiato ist kaum noch etwas übrig. Aber das ist den Juroren egal. Anh Susann Pham Thi, 21, wird auf die Bühne gebeten und bekommt zu ihrem Preis (Röstkaffee) 500 Euro. Die Studentin, die nebenher als Kellnerin jobbt, tut auch kund, was sie mit dem Geld vorhat: „Ich gebe eine Runde Bier für die Kollegen aus.“
Als nächste Berufsgruppe müssen die Barmixer ihre Geschwindigkeit unter Beweis stellen. Bemerkenswert: Jegliche Geschlechtertrennung ist hier aufgehoben. Drei Männer und eine Frau treten an. Den Mixer fest in der Hand, pesen sie los. Als letzte ins Ziel kommt Franziska Bittner, 23, Auszubildende im „Ellington“-Hotel. Als Trostpreis wird ihr ein Flaschenöffner überreicht. Angesichts der ungewöhnlichen Geschlechter-Gleichbehandlung zu ihrem Nachteil muss Bittner feststellen: „Eigentlich heißt es Frauen first, aber die Männer hatten kein Erbarmen.“
Zehn Kilo schwere Koffer
Weiter rennen Angestellte der Berufssparten Bierkasten-Träger, Köche, männliche Kellner und Concierges. Die Pagen hatten es mit Abstand am schwersten. Mütze auf dem Kopf, schicke Uniform an und in den Händen einen zehn Kilo schweren Koffer. Auch für sie heißt es: 400 Meter. Cersten Hinz, 19, wird mit deutlichem Abstand Erster.
Aber zu welchem Preis? Mit schmerzverzerrtem Gesicht kämpft er sich über die Ziellinie. Trainiert hat er, zwei Wochen lang ist er mit einer zehn Kilo schweren Kiste auf und ab gerannt. Beim Wettkampf hat er sich noch einmal steigern können: „Das heute war meine Bestleistung.“
dpa/seg




