Fast hätte es nicht geklappt. Die französische Küste war schon nah. Aber dann drehte der Wind und Konrad Krieger musste seinen ersten Versuch abbrechen, erzählt er am Telefon. Zurück auf Los. Allerdings scheint der Elfjährige nicht unbedingt jemand zu sein, der sich von der Natur einschüchtern lässt.
Ein paar Stunden später, um elf Uhr, stieg Konrad wieder auf sein Board. Und diesmal gelang es. Barbara Krieger, die stolze Mutter, vermeldete es den Redaktionen: In nur zwei Stunden und sieben Minuten habe ihr Sohn kitend den Ärmelkanal durchquert. Ein neuer Weltrekord. Konrad ist der Sohn von Unternehmer Kurt Krieger (Möbel Höffner) und Ehefrau Barbara.
Der Ärmelkanal ist wie New York. Wer es hier schafft, der hat es geschafft. Seit Jahrzehnten wetteifern die Menschen an der Meerenge zwischen Frankreich und England. Immer neue Rekorde werden aufgestellt. Vor allem die Schwimmer überbieten sich ständig selbst. Aber auch neue Transportmittel werden gern am Ärmelkanal getestet. Im Jahr 1785 gelang die erste Überquerung mit einem Gasballon, 2003 überwand Felix Baumgartner die Strecke mit einem Sprung aus 9000 Meter mithilfe spezieller Flügel. 2004 überquerte der Milliardär und Unternehmer Richard Branson den Kanal mit einem Amphibienfahrzeug in der Rekordzeit von einer Stunde und 40 Minuten.
Krieger jagt Sohn von Richard Branson den Kitesurf-Rekord ab
Branson liebt diese spektakulären sportlichen Herausforderungen. So verwundert es nicht, dass sein Sohn bislang den Rekord im Kitesurfen zwischen Frankreich und England hielt. Am 1. Juli 2012 gelang Sam Branson die Bestzeit von 2,18 Minuten für die 48 Kilometer lange Strecke. Sein Vater, der mit ihm unterwegs war, hält immerhin den Rekord mit damals 61 Jahren der älteste Überquerer per Lenkdrachen zu sein. Natürlich gab es zu dem Event jede Menge Medienrummel. „Ich habe mir das Video zu Hause mit meinen Eltern angeschaut“, erzählt Konrad am Telefon. „Mein Vater meinte zu mir: Das kannst Du besser.“ Und er hatte recht.
Im Sicherheitsteam von Richard Branson und seinem Sohn im Juli 2012 war auch David Ursell, Kitelehrer bei Pushkiting in England. Ihn kontaktierten die Kriegers für den Rekordversuch ihres Sohnes. Am Sonntag trainierte Ursell das erste Mal mit Konrad. „Er hat eine unglaublich gute Technik“, lobt der Lehrer. „Ich habe noch nie jemanden in dem Alter gesehen, der soviel Ausdauer hat.“
Nur die Wellen störten 11-jährigen Berliner
Im englischen St. Mary’s Bay in der Grafschaft Kent kitete der Elfjährige am Montag morgen trotz Sturmwarnung los. Seine Mutter begleitete ihn in einem Boot. War er nervös beim Start? „Gar nicht“, sagt Konrad. „Ich habe mich gefreut. Das einzig schlimme waren die Wellen.“ Acht Fuß hoch – solche Dimensionen ist er vom Gardasee und auch von der Nordsee nicht gewöhnt, wo er sonst trainiert.
„Die Wetterkonditionen waren perfekt“, sagt Ursell. „Wir hätten auch noch nach England zurückkiten können. Es war absolut fantastisch.“ Ursell hat auch die Zeit gemessen, zusammen mit den Kriegers wird er jetzt dafür sorgen, dass der Rekord ins Guiness Buch der Weltrekorde aufgenommen wird. Von Konrad ist Ursell schwer beeindruckt. Gerade schneidet er das Video zusammen, das er von Konrad gedreht hat. „Manchmal kann ihn gar nicht mehr sehen, die Wellen waren größer als er.“
2016 sollte Kitesurfen sogar olympisch werden
Kitesurfen ist noch ein relativ junger Sport, aber schon extrem beliebt. Es wurde bereits als olympische Disziplin gehandelt. Bei den Spielen in Rio 2016 sollten die ersten Kiter um die Goldmedaille kämpfen. Aber dann setzten sich im November 2012 doch die Windsurfer, die dem neuen Sport hätten weichen müssen, erfolgreich zur Wehr.
Der junge Weltrekordler hat das Kitesurfen selbst erst letztes Jahr entdeckt. Zuvor war er leidenschaftlicher Snowboarder. Der Schüler der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow trainiert nun für sein nächstes großes Projekt: „Von Italien nach Afrika auf dem Kiteboard.“ Die Überquerung des Kanals auf der Rückreise nach Berlin hat er aber mit der Fähre bewältigt.


