Berliner Eltern können optimistisch sein. Wenn vom 1. August 2013 an bundesweit der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz in Kraft tritt, stehen in Berlin genügend Plätze zur Verfügung. Gegenwärtig gibt es sogar 4886 freie Kita-Plätze. Allerdings sind sie ungleich auf die Bezirke verteilt. In dicht besiedelten Innenstadt-Gebieten müssen Eltern teilweise lange Wartelisten in Kauf nehmen.

Besonders eng ist es in Reinickendorf, wo zurzeit lediglich 148 Kita-Plätze frei sind. Von 8506 angebotenen Plätzen sind dort 8358 belegt (Stichtag 5. Juli 2013). Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es lediglich ein Plus von 243 Kita-Plätzen. 9752 der 9995 Plätze sind derzeit belegt. Schwer haben es auch Eltern in Lichtenberg. Dort sind 10.705 der insgesamt 10.999 Kita-Plätze vergeben.

Die geringste Nachfrage herrscht gegenwärtig in Neukölln. Von 12.098 vorhandenen Kita-Plätzen sind in diesem Bezirk lediglich 11.198 belegt. Einigermaßen entspannt können Eltern auch in Steglitz-Zehlendorf sein. Dort gibt es immerhin noch 609 freie Kita-Plätze.

11.200 zusätzliche Kita-Plätze

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, dass in Berlin gegenwärtig rund 141.000 Kinder eine der 2200 Kitas besuchen. „Nach den Ferien werden wir etwa 12.000 Plätze mehr haben, als Bedarf da ist“, prognostizierte sie. Denn während die schulpflichtigen Kinder an einem Stichtag die Kita verlassen würden, kämen die neuen Kinder über das Jahr verteilt hinzu. Ende des Jahres würden dann allerdings nur noch rund 6000 freie Plätze zur Verfügung stehen. Die höchste Nachfrage erwartet die Jugendverwaltung im Frühjahr 2014.

Damit der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch dann noch erfüllt werden kann, soll der Kita-Ausbau weiter vorangetrieben werden, kündigte Scheeres an. Allein in diesem Jahr seien bereits 4400 neue Plätze entstanden. Bis zum Jahresende würden noch weitere 2000 hinzukommen. Bis 2016 will Berlin insgesamt 11.200 zusätzliche Kita-Plätze schaffen. Im Doppelhaushalt 2014/15 sind für den Kita-Ausbau 18 Millionen Euro vorgesehen.

Vom 1. August an haben bundesweit alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr Anspruch auf einen Halbtagsplatz in der Kita, unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht. Für Kinder ab drei Jahre gibt es in Berlin bereits einen Rechtsanspruch. Für Kinder, die jünger sind als ein Jahr, wird überdies bundesweit ein bedarfsabhängiger Anspruch eingeführt. Auch diesen gibt es in der Hauptstadt schon seit einigen Jahren.

Experte fordert zehn Prozent Platzreserve

Kita-Experten wie Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden würdigen zwar die Berliner Kita-Landschaft, fordern gleichzeitig aber eine größere Platz-Reserve. „Der Ausbauprozess muss weitergehen, nur dann haben die Berliner Eltern wirklich die freie Kita-Wahl.“ Kern bezweifelt überdies, dass die Rechnung der Jugendsenatorin aufgeht.

Das Land Berlin habe sich vorgenommen, für 70 Prozent der Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr und für 95 Prozent aller Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr einen Platz in einer Kita oder Tagespflege einzuplanen. „Wir wissen aber nicht, ob wirklich 30 Prozent der Kinder im Alter von ein und zwei Jahren gar keinen Kita-Platz beanspruchen“, sagte er.

Der Kita-Experte fordert deshalb einen gewissen Puffer. Kita-Planung habe mit extrem kurzen Vorlaufzeiten zu kämpfen. Der Rechtsanspruch gelte aber für alle Kinder. „Ich halte zehn Prozent Platzreserve für realistisch“, so Roland Kern. Die Jugendverwaltung setzt indes auf ein neues Verfahren: Künftig soll transparent werden, wer sich wo und bei wie vielen Einrichtungen angemeldet hat. Dieses Verfahren soll vom kommenden Jahr an greifen und Mehrfachanmeldungen verhindern.

Kita-Gruppen in Berlin sind zu groß

Ein weiteres Problem sind die mangelnden Fachkräfte im Kita-Bereich. „In den nächsten Jahren fehlen uns mehrere hundert Erzieherinnen“, warnte Roland Kern. Auf längere Sicht müsse deshalb daran gearbeitet werden, dass die Bezahlung von Erzieherinnen mit den gestiegenen Ansprüchen an Ausbildung und Tätigkeit Schritt halten kann und der Beruf damit für gut qualifizierte Fachkräfte attraktiv bleibt. „Die Kita-Träger müssen weiterhin in die Lage versetzt werden, Tariflöhne zu zahlen.“

Angesichts des Personalmangels setzt die Jugendverwaltung zunehmend auf Quereinsteiger. Senatorin Scheeres hat den zulässigen Anteil von nicht ausgebildeten Erziehern an einer Einrichtung von bisher 15 auf 25 Prozent erhöht. Die Quereinsteiger werden voll auf den Personalschlüssel angerechnet und absolvieren berufsbegleitend an einem Tag pro Woche eine Ausbildung.

Aus einem von der Bertelsmann Stiftung unlängst vorgelegtem Länderreport zur frühkindlichen Bildung geht hervor, dass in Berlin in einer Gruppe von Kindern unter drei Jahren eine Erzieherin fünf Kinder betreut. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 4,5 Kindern pro Erzieher. Bei den Kindern über drei Jahren sind es in Berlin neun Kinder pro Erzieher. Wissenschaftler halten diese Gruppen für zu groß.