Spitzengastronomie

Berlin verliert mit Restaurant „Margaux“ einen Stern

Im kommenden Februar soll Schluss sein. Dann schließt Sternekoch Michael Hoffmann überraschend sein Berliner Restaurant „Margaux“. Damit geht auch erst einmal sein Stern verloren.

Foto: Amin Akhtar

Sehr glücklich habe er gewirkt, sagt Stefan Elfenbein. Der für Berlin, die Neuen Bundesländer und die USA zuständige Korrespondent des Fachmagazins „Feinschmecker“ sowie Juryvorsitzende der Berliner Meisterköche hat Sternekoch Michael Hoffmann (45) zuletzt vergangenen Montag gesehen. „Er schien wie befreit“, sagt Stefan Elfenbein. Obwohl er bereits da gewusst haben muss, was er in ein paar Tagen verkünden wird.

Sternekoch Michael Hoffmann hat mitgeteilt, dass er sein Restaurant, das „Margaux“ Unter den Linden, im Februar 2014 schließt. Dann verliert der 45-Jährige auch seinen Michelin-Stern, der laut der Richtlinien des Restaurantführers aus Karlsruhe stets an Küchenchef und Haus gebunden ist. Und Berlin? Wird einen von momentan 16 erkochten Sternen der Stadt verlieren.

„Nach 14 Jahren an prominenter Stelle am Brandenburger Tor ist es Zeit für eine Veränderung“, heißt es aus dem „Margaux“. In Gastrokreisen wird von wirtschaftlichen Problemen gesprochen. Hoffmann habe das Restaurant mit seiner speziell auf Gemüse konzentrierten Küche zwar mit Fach-, jedoch nicht mit überlebenswichtig regelmäßigem Berliner Publikum füllen können, heißt es. Außerdem seien geplante Mieterhöhungen des Hauseigentümers immer wieder Thema gewesen. „Die Schließung schwelte schon seit längerer Zeit“, sagt auch Gastro-Kritiker Heinz Horrmann.

Für eine persönliche Stellungnahme ist Michael Hoffmann am Mittwoch nicht zu erreichen. Seine Ehefrau und Managerin Kathrin Hoffmann sagt: „Es ist schade, weil eine Ära zu Ende geht.“ Heinz Horrmann sowie Berlins „Gastronomischer Innovator 2012“, Herbert Beltle, und Hoffmanns Sternekollege Tim Raue bedauern die Schließung. „Er hat einen einzigartigen Stil in Deutschland kreiert“, sagt Tim Raue.

Der aus dem hessischen Dillenburg stammende Küchenchef und Kochbuchautor Hoffmann hat unter anderem bei „Jahrhundertkoch“ Eckart Witzigmann in München gearbeitet. 2000 ist er nach Berlin gekommen, hat als Küchenchef im Margaux angefangen. Nach drei Jahren hat er es übernommen. 18 von 20 Gault Millau-Punkten hält er derzeit, 2010 ist er zum „Koch des Jahres“ gekürt worden. Die Hoffnung auf den zweiten Stern ist ihm jedoch zuletzt genommen worden. Den „Espoir“ des Michelin kann ein Koch nur zwei Jahre halten, Michael Hoffmann hat einen zweiten Stern nicht verwirklichen können.

„Mein Traum ist eine eigene Manufaktur, in der wir unsere Sachen verkaufen“, hat Michael Hoffmann einst gesagt. Er bewirtschaftet parallel zwei Gärten mit einem Hektar Fläche bei Potsdam sowie drei Gewächshäuser. „Er hat das ‚Margaux‘ immer als Korsett empfunden“, sagt Stefan Elfenbein. Er könne sich Hoffmanns Küche künftig in unprätentiösem Ambiente vorstellen. In Kreuzberg, Neukölln. Das sei weltweiter Trend, weg von den weißen Handschuhen.

Aus dem „Margaux“ gibt es noch keine Information, was für die Zukunft geplant ist. „Erst mal Luft holen“, sagt Kathrin Hoffmann. Eine Auszeit soll es ab Februar nicht geben. „Wir können uns vorstellen, dann konzentrierter zu arbeiten, kleiner“, sagt Kathrin Hoffmann. Und: „Es wird Berlin bleiben“, wie sie sagt.

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