Tammy G. war am Dienstagnachmittag gerade dabei, mit ihren Söhnen und einem ihrer Freunde im Schillerpark die Spielzeugtore aufzubauen. Sie wollten Fußball spielen.

„Plötzlich kam dieser Hund angerannt“, erzählt die 28-Jährige. Sie habe erst gedacht, der Schäferhund wolle sich ihren Ball schnappen. „Doch der ging ganz gezielt auf meinen Sohn los.“

Eine Schrecksekunde für die zweifache Mutter aus Wedding folgt. Der Schäferhund springt ihren fünf Jahre alten Sohn David an, reißt ihn um und beißt ihm in die Schulter.

„Ich habe geschrien und bin hingestürzt, das sah schrecklich aus“, erzählt Tammy G. am Mittwoch weiter. Ihrem schnellen Eingreifen und der Hilfe anwesender Parkbesucher ist es wohl zu verdanken, dass der Schäferhund verjagt werden konnte.

Davids T-Shirt ist von dem Biss zerrissen. Später stellen die Ärzte im Krankenhaus laut der Mutter Quetschprellungen an der Schulter und ein angeschwollenes Auge bei dem kleinen Jungen fest. „Gott sei Dank, ist nicht mehr passiert“, sagt Tammy G.

Alkoholisierter Hundehalter lief einfach weiter

Sie hatte nach dem Vorfall sofort die Polizei gerufen. Der Hundehalter sei einfach weitergelaufen, ohne auch nur einmal nach David zu sehen, sagt die Mutter. Als die Polizei eintraf, machte sie sich auf die Suche nach Hund und Herrchen. Dabei hätten sich noch weitere Passanten gemeldet, die ebenfalls von dem Schäferhund angesprungen worden seien, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

An der Armenischen Straße entdeckten die Beamten schließlich den 63 Jahre alten Hundebesitzer, der „stark schwankend seinen Hund nicht unter Kontrolle bringen konnte und immer wieder die Leine fallen ließ“. Nun fiel der Hund die Beamten an. Erst als diese ihre Waffe auf den Hund richteten, hielt das Herrchen sein Tier fest.

Doch wieder konnte sich der Hund losreißen und lief unter das Polizeifahrzeug. Erst mit Hilfe eines hinzugerufenen Hundeführers der Polizei gelang es den Beamten, dem Tier einen Maulkorb anzulegen. Er wurde nach richterlicher Anordnung beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht.

Dem betrunkenen Hundehalter wurde Blut abgenommen, gegen ihn wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Laut aktueller Statistik wurden in Berlin im Jahr 2011 insgesamt 706 Mal Menschen von Hunden angegriffen und verletzt. In 85 Fällen bissen dabei Schäferhunde zu.

Tammy G. sagte am Mittwoch, der kleine David habe in der Nacht nach der Attacke schlecht geträumt, sonst gehe es ihm aber wieder gut. Fußball im Park wollten sie am Mittwoch nicht mehr spielen. Lieber schwimmen gehen.

cbr