In der Nacht zu Montag haben Aktivisten an der US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin-Mitte gegen die Überwachungsmaßnahmen der US-Geheimdienste demonstriert. Mit einem Projektor warf eine Gruppe um den Lichtkünstler Oliver Bienkowski aus Neuss den Spruch „United Stasi of America“ in großen Lettern an die Fassade auf der Südseite des Gebäudes. Den Projektor und den notwendigen Stromgenerator hatte die Gruppe aus fünf Aktivisten in einem Lieferwagen an der Straße vor der Botschaft aufgebaut.

Außerdem zu sehen bei der Lichtaktion war das Konterfei des bekannten Hackers und Unternehmers Kim Schmitz alias Kim Dotcom, derzeit angeklagt wegen Copyrightverletzungen seiner Firma, der Internettauschplattform Megaupload. Schmitz und er seien beide bei der Aktivisten-Gruppe Anonymous engagiert, sagte Bienkowski am Montag. Schmitz habe für die Aktion eingewilligt.

„Wir dachten, die Amerikaner ärgern sich über sein Konterfei auf ihrer Botschaft vielleicht mehr als über den Kopf von Stasi-Chef Erich Mielke“, sagte Bienkowski. Wegen der Affäre um das US-Spähprogramm Prism habe man den Amerikanern einmal „satirisch auf den Fuß treten“ wollen. „Die US-Regierung übertreibt es momentan ein wenig.“

Aktionen wie diese hätte er schon öfter geplant und umgesetzt, sagte Bienkowski, der in NRW eine Werbeagentur leitet. Mal hätten er und seine Mitstreiter „Make Love not War“ mit Licht an die Mauern der israelischen Botschaft gemalt, mal einen Protest gegen umweltschädlichen Ölsandabbau an die kanadische Vertretung. Die Protestaktionen seien immer nur ganz kurz, Ärger gebe es dafür nicht.

„Die Aktion an der amerikanischen Botschaft hat vielleicht eine halbe Minute gedauert, dann kam die Polizei“, erzählte Bienkowski am Montag weiter. Die beiden Beamtinnen hätten sie freundlich gebeten, aufzuhören. „Sie haben nicht einmal unsere Personalien aufgenommen.“ Mit einem YouTube-Video hat die Gruppe ihre Aktion dokumentiert.

Bei der Berliner Polizei konnte man den Vorfall am Montag zunächst nicht bestätigen – wenn es keine Anzeige gibt, weil etwas nicht strafbar ist, dann gibt es keinen Aktenvorgang bei der Behörde.

cbr