Datenreport

Berlinerinnen verdienen im Monat 726 Euro weniger als Männer

Maximal 1100 Euro netto bekommt jede dritte berufstätige Berlinerin. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer. Teilzeitarbeit ist oft unfreiwillig.

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Die Einkommenssituation ist für Männer in Berlin nach wie vor deutlich besser als für Frauen. So ist es im neuen Gender Datenreport Berlin 2012 zu lesen.

Nach Daten des Mikrozensus erzielten 37,4 Prozent der erwerbstätigen Frauen 2011 ein monatliches Nettoeinkommen im unteren Bereich von maximal 1100 Euro. Unter den erwerbstätigen Männern waren es nur 28,4 Prozent. Bei den Männern ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr gesunken, bei den Frauen dagegen gleich geblieben. Höhere Nettoeinkommen von über 2000 EUR erzielten 30,9 Prozent der Männer und nur 19 Prozent der Frauen.

In den mittleren Altersgruppen (35 – 55 Jahre) hatten 47,2 Prozent der Männer, aber nur 36,5 Prozent der Frauen monatlich ein Nettoeinkommen von mehr als 1500 EUR (2011). Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern. In den Altersgruppen der über 55-Jährigen befanden sich rund 40 Prozent der männlichen und etwa 25 Prozent der weiblichen Bevölkerung in dieser Einkommenskategorie.

Insgesamt verdienten sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen 2011 durchschnittlich 2512 EUR brutto im Monat, Männer 3238 EUR. Neben der geringeren Entlohnung wirkt sich hier die stärkere Verbreitung von Teilzeitarbeit unter Frauen aus.

Die Zahl der berufstätigen Frauen in Berlin wächst: 2011 waren rund zwei Drittel der Berlinerinnen erwerbstätig, ein Jahr zuvor waren es 63,5 Prozent.

Frauen reduzieren Arbeitszeit – Männer arbeiten in Nebenjobs

Ein Grund für die geringen Einkommen ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten. Unter den beschäftigten Frauen lag er 2011 bei 36,6 Prozent, unter den Männern bei 18,6 Prozent. Höher liegt der Anteil bei den Berlinern mit Migrationshintergrund und Ausländern: Fast die Hälfte, nämlich 47 Prozent der beschäftigten Frauen dieser Gruppe arbeitet in Teilzeit und mit 27,8 Prozent mehr als ein Viertel der Männer.

In der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen war 2011 nahezu jeder dritte Mann teilzeitbeschäftigt, bei den 25 bis 35-Jährigen jeder vierte. Die Teilzeitquote der erwerbstätigen Frauen variiert weniger mit dem Alter. Sie lag auf allen Stufen jeweils deutlich über 30 Prozent, in der Gruppe der 35- bis 45-Jährigen bei fast 40 Prozent.

Als „traditionelle Form“ kann die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit gelten, heißt es in dem Bericht. Sie werde vor allem von Frauen gewählt; teilzeitbeschäftigte Männer sind häufiger in sogenannten Nebenjobs zu finden. „Sowohl bei Männern als auch bei Frauen spielt unfreiwillige Teilzeitarbeit eine große Rolle“, heißt es weiter.

Bei beiden Geschlechtern ist dem Bericht zufolge kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Anteil der Teilzeitbeschäftigung und dem beruflichen Qualifikationsniveau erkennbar.

Kinderbetreuung spielt bei Entscheidung untergeordnete Rolle

Fast 22 Prozent der Frauen in Teilzeitbeschäftigung gaben 2011 an, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben. Unter den Männern waren es sogar 32,6 Prozent. Allerdings ist dies bei beiden Geschlechtern ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Ein weiterer Grund für Teilzeitarbeit ist die Aus- und Fortbildung, insbesondere bei Männern. Rund jeder vierte teilzeitbeschäftigte Mann befand sich 2011 in der Ausbildung.

Der klassische Grund für Teilzeitarbeit, die Kinderbetreuung oder Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger spielte 2011 in Berlin nur eine untergeordnete Rolle. 12,9 Prozent der Frauen und nur 3,3 Prozent der Männer begründeten ihre Teilzeit mit persönlichen oder familiären Verpflichtungen.

In Berlin sind Frauen mit Kindern in der Mehrzahl erwerbstätig: Bei Ehepaaren mit Kindern unter 18 Jahren standen in 57,5 Prozent der Fälle beide Partner im Beruf; für Lebensgemeinschaften lag die Quote bei 68,3 Prozent (2011). Alleinerziehende waren zu 63,5 Prozent erwerbstätig; von ihnen waren 91 Prozent Frauen. In allen drei Gruppen hat sich der Anteil Erwerbstätiger im Vergleich zum Vorjahr erhöht.