Die Westfalenhallen waren im Nu ausverkauft, in München zahlen Fans bis zu 90 Euro Eintritt: Das Public Viewing lockt zum Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München wieder die Massen an.

„Es ist doch wahnsinng. Zwei deutsche Mannschaften in einem Finale. So etwas werden wir in den nächsten 40 Jahren nicht mehr erleben“, sagte Mittes Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU) und erteilte kurzerhand die Genehmigung für die Fanmeile in Berlin. Auf der „Mutter“ aller Public-Viewing-Zonen zwischen Brandenburger Tor und Yitzhak-Rabin-Straße werden wieder mehrere Hunderttausend Fans erwartet.

Auf der Straße des 17. Juni fiel bei der Heim-WM 2006 der Startschuss für das Massenspektakel. Seitdem öffnete sich die Fanmeile regelmäßig für Großevents wie EM oder WM. Stets fielen sich wildfremde Menschen in die Arme, weil sie derselben Mannschaft die Daumen drückten. Nun sind die Fans in zwei Lager geteilt. „Bislang war das immer ein Event mit Happening-Charakter. Wir hoffen, dass es so bleibt“, sagte eine Polizei-Sprecherin in Berlin.

Hohe Schwarzmarktpreise in München

In München blüht angesichts des Jahrhundertspiels der Wucher. Im Internet wurden Tickets für das „Rudelgucken“ auf der Theresienwiese und in der Arena für bis zu 90 Euro angeboten. Für die Arena gab es die Tickets ursprünglich kostenlos, für einen Platz auf der „Wiesn“ musste man 6,90 Euro hinlegen.

Der Run auf die Karten war riesig. Vor der Allianz Arena standen Tausende Fans an den Kassenhäuschen an, um sich einen der begehrten 45.000 Plätze zu sichern. Die Fan-Schlange war bis zu einen Kilometer lang. Das zusätzliche Public Viewing auf der Theresienwiese werden 30.000 Besucher verfolgen.

Steinbrück feiert in Dortmund

In Dortmund scheint kein Anhänger das Giganten-Duell allein auf dem heimischen Sofa verfolgen zu wollen. Westfalenhalle 1 und Westfalenhalle 4 waren jeweils innerhalb von nur 24 Stunden ausverkauft. Sie bieten Platz für knapp 20.000 Besucher. „So etwas haben wir bei Veranstaltungen, die wir selbst vermarktet haben, noch nie gehabt“, sagte Sprecher Andreas Weber.

Zudem werden auf dem Friedensplatz, auf dem Hansaplatz sowie nördlich der Reinoldikirche Public-Viewing-Bereiche eingerichtet. Alle Areale zusammen bieten 40.000 Besuchern Platz. Im Falle eines Sieges sollen die Großbildschirme stehen bleiben, damit auch alle BVB-Fans den Auto-Korso der Mannschaft durch die Stadt verfolgen können.

Prominenter Gast des Dortmunder Public Viewings ist Peer Steinbrück. Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel, die beim Finale vor Ort ist, wirft sich der SPD-Kanzlerkandidat in der Westfalen-Metropole ins Getümmel. „Ich wäre liebend gerne in Wembley, aber ich habe eine Veranstaltung in meinem Wahlkreis in Mettmann mit 300 bis 400 Gästen, die ich nicht enttäuschen will. Anschließend gehe ich aber zum Public Viewing nach Dortmund“, sagte Steinbrück.

Oberhausen bekam keine Genehmigung

Spieler beider Teams nehmen die Unterstützung aus der Heimat wohlwollend zur Kenntnis und ziehen daraus zusätzliche Motivation. „An alle, die nicht nach London reisen können: drückt uns die Daumen“, rief BVB-Kapitän Sebastian Kehl den Fans entgegen und versprach ein kostbares Mitbringsel: „Wir werden alles tun, damit wir mit dem Cup nach Hause kommen.“

In die Röhre schauen Fußball-Fans in Oberhausen. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) verweigerte der Arena in der Revier-Stadt die Genehmigung. Laut UEFA darf die Veranstaltung nicht kommerziell sein, muss ohne Sponsoring und Werbung auskommen. Auch dürfen nicht mehr als 500 Besucher kommen. Für alles andere benötigt man eine Sondergenehmigung, die Dortmund auch wegen der guten Kontakte des BVB zur UEFA erhalten hat, Oberhausen aber nicht. sid/sh