Barbie ist doch nur ein Spielzeug – und keine Bedrohung

Am heutigen Donnerstag wird das „Barbie Dreamhouse“ in Berlin eröffnet. Noch bevor sich die Türen zur rosafarbenen Traumwelt mit den vielen Barbies, der Pferdefigur und anderen Accessoires öffnen, gibt es schon heftige Kritik an dieser Ausstellung. Den Mädchen werde vermittelt, dass sie vor allem schöne Konsumentinnen werden sollten, sie würden auf ein geschlechtstypisches Klischee festgelegt. Die Berliner Grünen wollen sogar dagegen protestieren – unter dem Motto „Occupy Barbie Dreamhouse“.

Ich sage dazu nur: immer mit der Ruhe. Ich habe als Kind sehr gerne und viel mit meiner Barbie, besser gesagt, meinen Barbie-Puppen gespielt. Mit Ken, der zu Barbie dazugehörte. Mit den Verwandten Tutti und Todd – das waren die kleineren Figuren, die aus Gummi (über ein Drahtgestell gezogen) bestanden und deren Glieder man toll verbiegen konnte.

Meine Geschwister und ich hatten Puppenhäuser für die Barbies, sogar mein Bruder spielte mit und hatte Spaß dabei. Irgendwann war die rosa Phase vorbei. Ich wurde durch meine Barbie nicht auf eine Rolle festgelegt noch auf andere Art für die Herausforderungen unserer Welt verdorben. Meine Freundinnen, die auch mit Barbies aufgewachsen sind, sind erfolgreiche Frauen geworden – und keine dummen Konsumentinnen.

Wer Lust auf die Barbie-Welt hat, sollte sie mit seinen Kindern besuchen. Und dies auch ungestört können, denn Barbie ist wahrlich keine Bedrohung. Für niemanden.

Barbie ist kein Spielzeug – sondern ein gefährliches Vorbild

Gäbe es Barbie wirklich, wäre sie nichts Besonderes. Sie hätte Magersucht. Leidet doch laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedes dritte Mädchen in Deutschland zwischen elf und 17 Jahren unter einer Essstörung. Außerdem fühlen sich 50 Prozent der 16- und 17-Jährigen zu dick. Barbie ist nicht schuld daran. Aber Teil einer Industrie, die Geld mit dem Menschenwunsch nach Schönheit verdient. Mit den Wünschen unserer Kinder.

Wenn die Tochter einer Freundin sich nach einer Folge von Heidi Klums „Germany’s next Topmodel“ vor den Spiegel stellt, ihren jungen, schlanken Körper betrachtet und noch abnehmen möchte, ist das die traurige Auswirkung. Dann ist so ein Spielzeug wie Barbie brutal. Denn Barbie ist die Vorgängerin aller Castings, die glauben machen wollen, Schönheit sei alles. Mache sogar glücklich. Führe zu begehbarem Kleiderschrank, Haus, Pferd, Cabriolet und Mann. Barbie ist mehr als nur ein Spielzeug, sie ist Vorbild für das Leben einer Erwachsenen mit den Koordinaten Shoppen, Reiten, Klamotten. Ein Leben in Plastik.

Liebe Eltern, man ist kein Spielverderber, wenn man seine Kinder nicht ins „Barbie Dreamhouse“ einlädt, sondern Kinderbauernhöfe in Berlin besucht. Auch die Natur müssen sie kennen, um einen eigenen Blick auf die Welt der künstlichen Schönheit zu entwickeln. Früher oder später treffen sie ohnehin auf sie. Dann haben sie hoffentlich gelernt: Barbie ist ein Modell aus dem Jahr 1959.