„Wer wird Millionär“ (WWM) ist mal wieder um eine tragische Geschichte reicher: Am Montag wurde Kandidat Jérôme Adjallé aus Berlin nach einer falschen Antwort bei der 125.000-Euro-Frage auf 500 Euro zurückgestuft. So weit, so „normal“.

Doch die Umstände des beträchtlichen Gewinnverlustes dürfen getrost als dramatisch bezeichnet werden. Denn eigentlich hatte der Telefonjoker Adjallé schon auf die richtige Fährte gebracht. Doch der Zauberer auf dem Ratestuhl ließ sich von WWM-Moderator Günther Jauch zu einem letzten Joker hinreißen – wodurch das Fiasko seinen Lauf nahm.

Doch von vorne: Jérôme Adjallé, 32 Jahre alter Magier aus Berlin, war in der Risikovariante (nur drei Joker) vergleichsweise souverän bis zur 125.000er Hürde der RTL-Quizshow marschiert. Bei der viertletzten Frage allerdings kam auch er ins Straucheln. Sie lautete: Wer auf der „Tribüne“ Platz nimmt, tut dies der Wortherkunft zufolge eigentlich, um...? A: Gekrönt zu werden, B: Recht zu sprechen, C: Orgien zu feiern, D: Almosen zu verteilen.

Adjallé konsultierte seinen Telefonmann, einen ehemaligen Deutsch- und Lateinlehrer. Dieser meldete prompt die korrekte Antwort B als richtig und lieferte sogar die schlüssige Begründung gleich mit. „Tribunal“ ließe sich von lateinisch „Tribun“ ableiten, was auf den Rechtsbereich hinweise.

Dem Kandidat reichten diese Worte aber nicht aus, und so fragte er noch einmal im Publikum um Rat. Dort stand eine junge Jura-Studentin auf, die sich als Expertin in römischer Rechtsgeschichte und ehemalige Musterschülerin gerade im Fach Latein gab. Doch die richtige Antwort schloss sie kategorisch aus und verleitete Adjallé schließlich zu Antwort D: Almosen verteilen.

Der Magier gehorchte und ließ einloggen. Als die Frage nach der Werbung aufgelöst wurde, sank Adjallé mit einem leisen Fluch in seinen Stuhl – durch blindes Vertrauen in die Studentin statt in seinen Lehrer hatte der Berliner soeben 124.500 Euro verloren.

Auf Facebook nimmt er Joker in Schutz

Einen Tag später nimmt er die junge Frau bei Facebook aber schon in Schutz: „Nachdem ich in den letzten 3 Stunden Zeuge eines handfesten ,shitstorms’ gegen das junge Mädel aus dem Publikum bei WWM geworden bin, möchte ich doch ALLE bitten, sich zu zügeln, und sie in Ruhe zu lassen. Das hat NIEMAND verdient!! Danke. J.A.“, schreibt er da. Die Kommentare seiner Facebook-Freunde zu diesem Posting enthalten allerdings weiter viel Frust.

Was das Unglück nicht besser macht: 4,92 Millionen Zuschauer (16,5 Prozent Marktanteil) sahen Adjallé beim Scheitern zu – die zweithöchste TV-Quote am Montag.

Vergangenen September hatte der Berliner Backshop-Besitzer Aaron Troschke bei Günther Jauch 125.000 Euro gewonnen und war durch seine lockere Art berühmt geworden.

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