Dramatische Szenen haben sich am Montag in einem Mehrfamilienhaus in Neukölln abgespielt. Bei einem Brand in einer Wohnung im ersten Stock des Hauses an der Elsenstraße wurden 18 Menschen zum Teil schwer verletzt. Eine 34-jährige Frau sprang vom Balkon der Wohnung, nachdem sie zuvor ihr Kind einer Nachbarin zugeworfen hatte. Sie musste von Rettungskräften mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Eine weitere Frau sprang kurz darauf ebenfalls vom Balkon, trotz einer angeblichen Schwangerschaft. Sie hatte dabei Glück im Unglück und landete in einem Abfallcontainer, der den Fall abbremste.

Gegen 8.45 Uhr hatten Anwohner bemerkt, wie dichter Qualm aus der Wohnung im ersten Stock des Gebäudes drang. Kurz darauf erschien die 34-jährige Ludmilla L. auf dem Balkon und rief laut um Hilfe. Derweil bereitete sich das Feuer in rasender Geschwindigkeit aus. Ein Zeuge berichtete, in der Wohnung habe es bereits lichterloh gebrannt, als die Frau auf dem Balkon erschien. Ludmilla L. lief nach kurzer Zeit nochmals in die Wohnung zurück und kehrte dann mit ihrem vierjährigen Sohn Erik auf dem Arm zurück. In ihrer Panik warf die junge Polin zunächst das Kind nach unten, glücklicherweise direkt in die Arme einer Bekannten, die dort schon bereit stand. Anschließend sprang die verzweifelte Frau selbst.

Wie ein Feuerwehrsprecher mitteilte, erlitt Ludmilla L. bereits in der Wohnung schwere Brandverletzungen. Nach unbestätigten Angaben sollen 20 Prozent ihrer Haut betroffen sein. Durch ihren Sprung zog sich die 34-Jährige weitere Verletzungen zu. Nach einer Sofortbehandlung durch einen Notarzt wurde sie von Rettungskräften in das Krankenhaus Friedrichshain eingeliefert, wo sie seither auf der Intensivstation behandelt wird. Ihr kleiner Sohn trug wie durch ein Wunder nur leichte Blessuren davon. Auch er wurde vorsorglich zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Dort kümmerte sich sein von der Mutter getrennt lebender Vater Abbas S. um den Jungen.

Notärzte behandeln 19 Verletzte

Mit dem verzweifelten Sprung der 34-Jährigen hatte das Drama allerdings noch nicht sein Ende gefunden. Kurz nach Ludmilla L. sprang eine weitere Frau in die Tiefe, die sich beim Ausbruch des Feuers ebenfalls in der Wohnung aufgehalten hatte. Da sie in einem geöffneten Müllcontainer landete, wurde der Aufprall stark abgefedert, die Frau erlitt äußerlich nur leichte Verletzungen. Sie wurde ebenfalls in das Krankenhaus Friedrichshain eingeliefert. Dort sollte auch untersucht werden, welche Auswirkungen und eventuelle Spätfolgen das dramatische Geschehen auf die angebliche Schwangerschaft und das ungeborene Kind haben. Über die Identität der zweiten Frau und ihren genauen Zustand wurde am Montag zunächst nichts bekannt.

Die Feuerwehr war am Montagvormittag mit einem Großaufgebot am Brandort. Neben Löschmannschaften und Spezialkräften kamen auch drei Notärzte und mehrere Rettungssanitäter zum Einsatz. Wegen der starken Rauchentwicklung und dem drohenden Übergreifen der Flammen auf andere Wohnungen musste das gesamte Haus innerhalb kürzester Zeit geräumt werden, insgesamt 18 anwesende Bewohner wurden evakuiert. Drei Mieter wurden dabei von den Einsatzkräften mit sogenannten Fluchthauben in Sicherheit gebracht werden. Mit Sichtfenstern und Filtern versehene Fluchthauben werden den Menschen über den Kopf gestülpt, um sie vor hochgiftigen Kohlenmonoxidgasen zu schützen.

Vier Menschen mit Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus

Nach sofortigen eingehenden Untersuchungen der Evakuierten wurden bei vier Bewohnern so starke Verletzungen, vor allem massive Rauchgasvergiftungen, festgestellt, dass sie von den Notärzten in umliegende Krankenhäuser eingewiesen werden mussten. Zwölf weitere Personen konnten direkt ambulant vor Ort behandelt werden. Einschließlich der schwer verletzten Ludmilla L., ihres leicht verletzten Kindes und der bislang unbekannten Frau registrierte die Feuerwehr somit insgesamt 19 Verletzte.

Zur Ursache des Feuers hat inzwischen ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen aufgenommen. Dessen erste Erkenntnisse deuten nach Angaben eines Polizeisprechers auf fahrlässige Brandstiftung hin. Ludmilla L. ist Mieterin der völlig ausgebrannten Wohnung. Ob sie oder eine andere am Montagvormittag in der Wohnung anwesenden Person möglicherweise leichtfertig den Ausbruch des Feuers verursachte ist allerdings unklar.