Seinen „Papabile“, seinen Favoriten für das Papstamt, verrät Kardinal Rainer Maria Woelki nicht. Vermutlich hat er auch noch keinen. Es passt zu dem Berliner Erzbischof, dass er offen in das Konklave geht.
Mit großer Offenheit, so trat der ehemalige Kölner Weihbischof auch im August 2011 sein Amt als Berliner Erzbischof an. Bei seiner Ernennung waren die Berliner zunächst skeptisch. Der damals 54-jährige Woelki hatte seine Doktorarbeit in Rom an einer Universität des Opus Dei geschrieben, einer extrem konservativen katholischen Vereinigung, und er gilt bis heute als enger Vertrauter des Kölner Kardinals Joachim Meisner, der für seine konservative Haltung bekannt ist.
In seinem designierten Erzbistum ging die Angst um, Woelki könnte mit zu harter Hand an sein Amt gehen und die Berliner Diaspora – nur jeder Zehnte hier ist römisch-katholisch – auf einen engen Pfad zwängen.
Woelkis steile Karriere
Doch die Sorge war unnötig, der neue Erzbischof konnte die Berliner schnell für sich gewinnen. Er hat eine steile Karriere hingelegt, bei seiner Ernennung kannte ihn kaum jemand, nun gilt er als neuer Hoffnungsträger. Bei seinen ersten Pressekonferenzen redete er über Fußball, beantwortete Fragen über die Kirche und ihren Umgang mit Homosexualität und versprach, er wolle „erstmal genau hinhören“, was im Bistum gebraucht werde. Und daran hat er sich gehalten.
„Woelki ist eine gute Nachricht für Berlin“, das hört man immer wieder, wenn man mit Gläubigen über den neuen Erzbischof spricht. Er gehe auf die Menschen zu und interessiere sich für sie.
Papstbesuch als erste Amtshandlung
Gerade das war Kardinal Georg Sterzinsky am Ende seiner Amtszeit wegen seiner Erkrankung zunehmend schwerer gefallen. Im Juni 2011 verstarb der 75-jährige, Ende Februar war er bereits zurückgetreten. Die Ernennung des jungen Woelki bedeutete also einen Aufbruch für das Bistum. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, den Papst bei seinem Besuch in Berlin zu begrüßen.
Anfang Advent 2012 verkündete der Erzbischof die geplante pastorale Neugestaltung seines Erzbistums, dem fast 400.000 Gläubige angehören und das weite Teile Brandenburgs und Vorpommerns mit einschließt. Im Jahr 2020 sollen durch freiwillige Kooperationen aus den bislang 108 nur mehr 30 Pfarrgemeinden werden. Erst vor zehn Jahren hatte man die Anzahl der Pfarreien halbiert.
Berlin soll katholisch-theologische Fakultät bekommen
Das wird sicher die größte Aufgabe sein, die Woelki meistern muss. Bislang, so heißt es aus dem Erzbistum, reagierten die Gemeinden aber positiv auf die anstehende Umstrukturierung. Immerhin geht es darum, die Kompetenzen der einzelnen Pfarreien zu stärken. Und der Prozess soll selbst gestaltet werden.
Zukunftsweisend für die Hauptstadt ist auch Woelkis Plan, die erste katholisch-theologische Fakultät in Berlin aufzubauen. Momentan studieren die Berliner Priesteramtskandidaten in Erfurt. Eine weiteres Anliegen Woelkis ist eine umfassende Sanierung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Die 1773 geweihte Kirche ist seit 1930 Bischofskirche. Wie genau die Erneuerung aussehen wird, ist noch unklar, noch steht auch die Finanzierung nicht.
Woelki drittjüngster Kardinal in der Sixtina
Mit 56 Jahre ist Woelki der drittjüngste Kardinal in der Sixtina. Nur sechs der Papstwähler sind unter sechzig Jahren alt. Ein paar Wünsche für den neuen Papst hat Woelki schon geäußert. Er müsse „Herz für die Menschen“ haben und „den Glauben in eine Sprache übersetzen, die die Menschen heute verstehen können“, sagte Woelki in Interviews.
Für sich selbst als Nachfolger Benedikt XVI. scheint er keine Hoffnungen zu nähren. Der Papst dürfe nicht zu jung sein. Er wünscht sich eher einen im Alter von „Mitte 60 bis Anfang 70“. Auch scheint er keinen der anderen fünf deutschen Kardinäle im Konklave für geeignet zu halten. Er setze auf jemanden, der die Frage der Kirche global im Blick habe, wird der Berliner Erzbischof zitiert. Deutsche hingegen seien, „leicht in Gefahr, ihre eigenen Probleme für die weltkirchlich relevanten zu halten.“
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