Brennende Altreifen in Oberschöneweide haben bei der Berliner Feuerwehr am Freitag zu einem Großeinsatz geführt. Auf dem ehemaligen Areal des DDR-Rundfunks an der Rummelsburger Straße waren in den frühen Morgenstunden aus noch ungeklärter Ursache Tausende gebrauchte Reifen in Brand geraten. Die Flammen loderten haushoch, der Rauchpilz war kilometerweit zu sehen. Bis zu 150 Einsatzkräfte gleichzeitig gingen gegen das Feuer vor. Eine Autowerkstatt, die unmittelbar neben dem Reifenlager liegt, geriet ebenfalls brannte ebenfalls.
Die Löscharbeiten, an denen sich sieben Freiwillige Feuerwehren beteiligten, dauerten mehrere Stunden. Ebenso langwierig waren die Aufräumarbeiten. Doch auch danach suchte die Feuerwehr abends und in der Nacht die Brandstelle mehrfach nach verborgenen Glutnestern ab.
Kurz nach 5 Uhr war die Feuerwehr zu dem in einem Gewerbegebiet liegenden Brandort gefahren, nach kurzer Zeit waren 80 Einsatzkräfte vor Ort. Auf einer Fläche von 600 Quadratmetern lagerten auf dem Gelände bis zu vier Meter hoch gestapelte Altreifen, die Feuer gefangen hatten. Über allem lag der stechende Geruch brennenden Kautschuks, der dichte schwarze Rauch stieg in einer großen Säule in die Höhe.
Löschwasser musste weit transportiert werden
Mit Löschschaum gingen die mit schweren Atemschutz ausgerüsteten Brandbekämpfer gegen die Flammen vor. „Kollegen des technischen Dienstes waren mit Radladern im Einsatz, zogen Reifenstapel auseinander, um Schneisen zu schaffen. Damit wollten wir verhindern, dass sämtliche Reifen in Brand geraten“, sagte Feuerwehrsprecher Stephan Fleischer. Kurz vor 10 Uhr hätten die Löschtrupps die Einsatzstelle unter Kontrolle gebracht.
Durch die Weitläufigkeit des Areals musste das Löschwasser über längere Strecken mit eilig zusammen gestellten Schlauchverbindungen herangeschafft werden. „Das war überaus arbeits- und personalintensiv“, ergänzte Fleischer. Die Polizei hatte die Rummelsburger Straße während des Feuerwehreinsatzes für den Fahrzeugverkehr vollständig gesperrt.
Gleichzeitig wurde mit dem Schadstoff-Messmobil die Luftqualität rings um die Einsatzstelle geprüft. Die Messungen hätten jedoch keine besorgniserregende Werte ergeben. Dennoch wurde die Bevölkerung über den Rundfunk aufgerufen, vorsorglich Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Lagedienst der Feuerwehr hatte angesichts des Brandes das Katastrophenwarnsystem „Katwarn“ ausgelöst. Das im Sommer vorigen Jahres installierte System kann per SMS vor bestimmten Großlagen warnen, etwa wenn auf einer Bahnstrecke Kesselwagen mit explosiven oder gefährlichen Chemikalien in Brand geraten und eine akute Gefahr für die Bevölkerung besteht.
Kontaminiertes Wasser bedrohte Schutzgebiet
Wegen des Großbrandes wurden auch Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe aktiv. Es ging darum zu verhindern, dass das mit durch den Brand von Chemikalien kontaminierte Schaum- und Löschwassergemisch über das Regenwasserkanalsystem in das Schutzgebiet des Wasserwerks Wuhlheide oder in die Spree gelangt. „Zu diesem Zweck haben wir mehrere so genannte Blasen gesetzt, mit denen die Kanäle künstlich ,verstopft’ werden und das Abwasser zurück gestaut werden kann“, so Stephan Natz, Sprecher bei den Wasserbetrieben. Das ausgestaute Löschwasser könne dann, sofern aufgrund des Schadstoffgehalts nötig, mit Tankwagen abgesaugt werden. Das „Verstopfen“ der Schmutzwasserkanäle werde mit dickwandigen Gummiblasen erzielt, die über die Einstiegsschächte unter den Gullys in den jeweiligen Kanal eingesetzt und dann mit Druckluft ausgeblasen würden, erläuterte der Sprecher.
Erst vor drei Monaten hatte es in unmittelbarer Nähe des jetzt betroffenen Reifenlagers einen weiteren Großbrand gegeben. Am Nachmittag des 4. Dezember 2012 war im Gebäude der ehemaligen Rundfunkanstalt der DDR ein Feuer ausgebrochen. Der anfängliche Schwelbrand weitete sich schnell aus, in kürzester Zeit loderten die Flammen auf einer Fläche von mehr als 150 Quadratmetern. Dabei waren neben noch vorhandenen Einrichtungen auch Wand- und Deckenverkleidungen im einstigen großen Sendesaal des Rundfunkgebäudes zerstört worden.
Da zusätzlich auch große Mengen von Dämmmaterial in Flammen aufgegangen waren, hatte es in einem größeren Umkreis um die Brandstelle eine immense Rauchentwicklung gegeben, Spezialkräfte der Feuerwehr hatten den teils mit giftigen Substanzen versetzten Qualm absaugen müssen.
Großfeuer nach technischem Defekt
Die Feuerwehr war seinerzeit zunächst mit drei Staffeln am Einsatzort. Später waren weitere Kräfte nachalarmiert waren, zeitweilig waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Aufgrund der starken Rauchentwicklung war die Lage am Einsatzort lange Zeit unübersichtlich, erst nach knapp drei Stunden hatte die Feuerwehr die Situation unter Kontrolle. Ermittlungen von Brandexperten ergaben, dass das Feuer offenbar durch einen technischen Defekt im Regieraum neben dem Sendesaal ausgebrochen war. Menschen wurden bei dem Brand nicht verletzt. Neben der Brandbekämpfung mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr auch das gesamte Gebäude durchsuchen. Der riesige, denkmalgeschützte Komplex steht seit Jahren leer und wird häufig von Obdachlosen genutzt, auch Jugendliche haben dort schon des öfteren nicht-genehmigte Partys gefeiert.











