Unbekannte Täter haben am Alexanderplatz mehrere Straßenbahn- und Bushaltestellen mit ätzender Flusssäure beschmiert und einen Großeinsatz der Polizei und Feuerwehr ausgelöst. Eine zwölf Jahre alte Schülerin erlitt nach Polizeiangaben eine leichte Vergiftung, nachdem sie vermutlich mit ihrem Arm in Berührung mit der giftigen Substanz gekommen war. Zwei Mitarbeiter (28 und 62 Jahre) der Firma Wall kamen mit Verdacht auf Atemwegsreizungen ins Krankenhaus. Während der Ältere nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen werden konnte, musste der Jüngere zur Beobachtung stationär aufgenommen werden.

Um kurz nach sieben Uhr hatten die beiden Mitarbeiter die Polizei zur Tram-Haltestelle an der Kreuzung Karl-Liebknecht-/Ecke Memhardstraße gerufen. Die Männer wollten dort Plakate austauschen, mussten die Arbeit jedoch unterbrechen, weil sie plötzlich Atembeschwerden hatten. Polizeibeamte entdeckten kurz darauf an zwei Glasscheiben der Haltestelle Beschädigungen, die auf den ersten Blick nicht aussahen, als wären sie von Flusssäure verursacht worden.

Auch an anderen Wartehäuschen in der Umgebung konnten die Beamten keine Spuren entdecken, die ihren Verdacht bestätigt hätten. Zur abschließenden Klärung nahmen Kriminaltechniker Proben von den beschädigten Glasscheiben und brachten diese zur Untersuchung in ein Labor. Gegen 11.30 Uhr meldete sich eine Mutter bei der Polizei und berichtete, dass ihre zwölfjährige Tochter am Morgen über Schmerzen im Arm geklagt hatte, nachdem sie sich auf dem Alexanderplatz aufgehalten hatte. Im Krankenhaus stellten Ärzte fest, dass sich das Mädchen eine leichte Vergiftung zugezogen hatte.

Wie die Polizei ermittelte, hatte das Mädchen am Morgen an einer Bushaltestelle an der Marienkirche in eine Flüssigkeit gegriffen, die sich auf der Sitzbank befunden hatte. In der Schule schmerzte dann der Arm der Zwölfjährigen, das Mädchen wurde ambulant im Krankenhaus behandelt. Kriminaltechniker nahmen daraufhin auch Proben von der Sitzfläche und den Glasscheiben der Bushaltestelle an der Marienkirche.

Erst am Nachmittag bestätigte die Polizei, dass einige der untersuchten Proben doch geringe Mengen Flusssäure enthalten hatten. So waren die beiden Glasscheiben an der Tram-Haltestelle Karl-Liebknecht-/Ecke Memhardstraße kontaminiert. Auch an vier Glasscheiben der Haltestelle an der Marienkirche konnten Rückstände von Flusssäure nachgewiesen werden, nicht jedoch auf der Sitzbank. Das Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchungen der Kleidung des verletzten Mädchens stand am Abend noch aus.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Freisetzens von Giften, Sachbeschädigung und Körperverletzung gegen unbekannt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es vermutlich keine Videoüberwachungsbilder, die den oder die Täter zeigen könnte.

Während der Polizeimaßnahmen wurde der Alexanderplatz am Dienstagvormittag weiträumig abgesperrt. Wegen des Großaufgebots von Kriminaltechnikern und Feuerwehrleuten war der Verkehr vorübergehend beeinträchtigt. Straßenbahnen und Busse hielten nach Angaben eines BVG-Sprechers während des Polizeieinsatzes nicht an der betroffenen Haltestellen. Die BVG ließ die betroffenen Haltestellen reinigen und die beschädigten Glasscheiben austauschen.

In Berlin gab es schon häufiger Schmierereien mit Flusssäure. Vor fünf Monaten war in zwei U-Bahnhöfen in Kreuzberg Flusssäure entdeckt worden. Unbekannte Täter hatten die ätzende Substanz zunächst an zwei Glasscheiben am U-Bahnhof Möckernbrücke geschmiert. Kurz darauf bemerkte ein BVG-Mitarbeiter Flusssäure an der Scheibe eines Fahrstuhls am U-Bahnhof Gleisdreieck. Zwei Wochen zuvor hatten Unbekannte fünf weiße Schriftzüge an Glasscheiben am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg aufgetragen, die mit Flusssäure geschrieben wurden. Die Polizei sperrte den nördlichen Ausgang des Bahnhofs daraufhin für eine Stunde ab. Kriminaltechniker stellten fest, dass von der Flüssigkeit keine Gefahr mehr ausging.