Flusssäure-Attacke auf dem Alexanderplatz: Stundenlang blieb am Dienstag unklar, was dahintersteckt und welche Gefahren von den entdeckten Substanzen ausgehen. Neu ist das nicht. Berliner Behörden haben schon seit Jahren Erfahrungen mit Taten dieser Art. Die Aufklärung dieser Delikte stellt die Ermittler immer wieder vor Probleme, vieles blieb in der Vergangenheit im Unklaren, vor allem die Identität der Täter.
Auch am Dienstag herrschte bei der Untersuchung der aktuellen Fälle zunächst ein Durcheinander. Um kurz nach 7 Uhr früh wurde die Polizei alarmiert, um 9.30 Uhr der Einsatz abgebrochen. Der Verdacht auf eine gefährliche Substanz wie Flusssäure habe sich nicht bestätigt, teilte ein Polizeisprecher mit. Und schon Minuten später sprachen die Agenturen und die Online-Ausgaben von falschem Alarm.
Am Nachmittag mussten die Nachrichten korrigiert werden: Die Polizei teilte gegen 16 Uhr mit, bei der sichergestellten Substanz handle es sich doch um Flusssäure. Drei Verletzte wurden registriert – drei Menschen, denen bis dahin nicht klar war, welcher Gefahr sie möglicherweise ausgesetzt waren.
Flusssäure kann, was kaum einer Chemikalie gelingt: Sie ätzt Glas an, dieses wird dadurch milchig-trüb. Deshalb wird Flusssäure in Edelstahl- oder Kunststoffbehältern aufbewahrt. Jede Arbeit mit Flusssäure muss unter großen Sicherheitsvorkehrungen geschehen. Denn trifft der Stoff auf die Haut oder anderes Körpergewebe, frisst er sich hindurch und zerstört es bis in den Knochen hinein. So können fast unheilbare, lange schwärende Wunden entstehen. Im Extremfall ist der Kontakt sogar tödlich.
In der Sprayerszene ist der gefährliche Stoff beliebt, weil man damit Scheiben an Bussen, Bahnen und Haltestellen „verzieren“ kann. Oft wird Flusssäure dazu mit Schwefelsäure vermischt und in einen Edding-Stift gefüllt – ein hoch gefährliches Unternehmen. Die farblose, schwer erkennbare Flüssigkeit zieht nur sehr langsam ins Glas ein und trocknet deshalb lange nicht.
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