Spektakulärer Einbruch in ein Berliner Kreditinstitut: Unbekannte Täter haben einen 30 Meter langen Tunnel von einer Tiefgarage zu der Filiale der Berliner Volksbank im Stadtteil Steglitz gegraben, wie die Berliner Polizei am Montag mitteilte.

Durch den Tunnel drangen sie dann nachts in den Tresorraum ein, brachen mehr als hundert Schließfächer auf und verschwanden unbemerkt mit ihrer Beute. Von den Einbrechern fehlte zunächst jede Spur.

Die Berliner Polizei bittet jetzt die Bevölkerung um Hinweise und sucht Zeugen.

Ein Mitarbeiter des Wachschutzes hatte nach Polizeiangaben am Montagmorgen gegen 6 Uhr Rauch aus dem Tresorraum des Geldinstitutes an der Schloßstraße aufsteigen und alarmierte die Feuerwehr. Kurze Zeit später entdeckten Einsatzkräfte in einer nahe gelegenen Tiefgarage an der Wrangelstraße ebenfalls eine Rauch und löschten die Kleinfeuer.

Bei den Arbeiten entdeckten die Beamten den Zugang zu einem etwa 30 Meter langen Tunnel. Bisherigen Ermittlungen zufolge brachen die Täter, nachdem sie über den Tunnel in die Bank gelangt waren, mehrere Kundenschließfächer auf, entwendeten den Inhalt und entkamen unerkannt. Ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.

Da die Kriminalbeamten aufgrund der Länge des Tunnels von einer mehrwöchigen oder gar mehrmonatigen Bauphase des Tunnels ausgehen, hat die Polizei folgende Fragen:

- Wer hat in den vergangenen Wochen Baulärm aus der Tiefgarage an der Wrangelstraße hören können?

- Wer hat Fahrzeuge zum oder vom Tatort fahren sehen, die eventuell Bauschutt oder Baumaterialien geladen hatten?

- Wer hat Beobachtungen über sonstige verdächtige Fahrzeuge oder Personen an der Wrangelstraße gemacht?

Hinweise nimmt das Fachkommissariat des Landeskriminalamtes im Tempelhofer Damm 12 in Tempelhof unter der Telefonnummer (030) 4664-945 107 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Kunden, die ein Schließfach in dem Geldinstitut an der Schloßstraße 46 in Steglitz gemietet haben, werden gebeten, sich bei der Bank unter der Rufnummer (030) 306 33 300 zu melden.

Offenbar waren Profis in Steglitz am Werk

„Der Tunnel wurde professionell gegraben“, sagte eine Polizeisprecherin. Es habe „mehrere Tage gedauert“, ihn anzulegen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll er einen Durchmesser von etwa einem Meter haben. Wegen der „komplizierten Vorgehensweise und dem hohen Aufwand“ gehe die Polizei von mehreren Tätern aus, hieß es.

In der Tiefgarage gebe es einzelne Stellplätze, die mit Rolltoren abgetrennt und deshalb nicht von außen einsehbar seien. Von dort aus konnten die Täter anscheinend unbehelligt graben und bauen.

Die Kriminellen legten sowohl in der Tiefgarage als auch im Tresorraum der Bank Feuer. Laut Polizei sollten so Spuren verwischt werden.

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Die Filiale mit Haupteingang an der Schloßstraße befindet sich im Erdgeschoss eines Ärztehauses. Die etwa 150 Meter lange Tiefgarage ist nicht zugänglich. Auch die Bank bleibt bis auf weiteres geschlossen.

Derzeit versucht die Feuerwehr, den Tunnel zu entrauchen, hieß es am Montagnachmittag. Anschließend soll ein Statiker laut Polizei prüfen, ob der unterirdische Durchgang einsturzgefährdet ist. Sollte er sicher sein, beginnen die Kriminaltechniker dort mit ihrer Arbeit.

Inhalt der Schließfächer alleinige Angelegenheit der Kunden

Zur Beute gab es zunächst keine Informationen. Eine Sprecherin der Berliner Volksbank wies darauf hin, dass der Inhalt der Schließfächer alleinige Angelegenheit der Kunden sei. Diese würden beim Abschluss eines Schließfachvertrags darauf hingewiesen, dass sie den Inhalt des Fachs privat versichern müssen. „Es wird einige Zeit dauern, den materiellen Schaden zu ermitteln“, sagte die Sprecherin. Die Bank befindet sich in unmittelbarer Nähe des Berliner Botanischen Gartens in einer Gegend, die als gut situiert gilt.

Vor knapp 18 Jahren hatte ein ähnlicher Bankraub im Berliner Stadtteil Zehlendorf für großes Aufsehen gesorgt. Dabei hatten im Juni 1995 fünf Räuber eine Filiale der Commerzbank überfallen. Sie hatten 16 Menschen als Geiseln genommen und 5,6 Millionen Euro Lösegeld erpresst. Gleichzeitig leerten sie die Schließfächer im Tresorraum.

Während des Überfalls stemmten die Täter den Boden des Tresorraums auf, unter dem sich ein 170 Meter langer Tunnel verbarg. Durch diesen flüchteten die Männer mit einer Beute, deren Höhe von der Justiz auf rund zehn Millionen Mark (gut fünf Millionen Euro) geschätzt wurde. Insgesamt sechs Männer wurden wegen der Tat zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt, der letzte im Jahr 2008.

AFP/dpa/sei