Am Dienstag ist es so weit: Die Berlin Fashion Week startet. Fast eine ganze Woche lang geht es in der Hauptstadt verstärkt um das Thema Mode. Messen wie die Bread & Butter, Premium oder die neue Panorama locken genauso internationale Fachbesucher in die Stadt wie die Mercedes-Benz Fashion Week, die wieder im großen Zelt am Brandenburger Tor stattfindet. Einkäufer, die sich für Nachhaltigkeit begeistern, finden mit Veranstaltungen wie dem GREENshowroom ihre Plattform. Und interessierte Berliner haben die Möglichkeit, zum Beispiel bei den Showroom Days Modeschöpfern näher zu kommen.

„Die Fashion Week im Januar verspricht, alle bisherigen Veranstaltungen zu übertreffen: mehr Messen, mehr Modenschauen, mehr Einkäufer und Journalisten“, sagt Tanja Mühlhans, Referentin für Creative Industries in der Senatsverwaltung für Wirtschaft. „Insgesamt hat das Ordergeschäft mit Formaten wie ,The Gallery Berlin' oder ,Show & Order' in den letzten Saisons stetig zugelegt.“ Die Fashion Week habe sich innerhalb von zwölf Saisons mit insgesamt mehr als 250.000 Fachbesuchern zu einer der wichtigsten Modewochen weltweit etabliert, die gebotene Vielfalt zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison biete keine andere Modemetropole.

Modemessen erwarten wieder Tausende Fachbesucher

Die Modebranche werde in Berlin als wichtiges Zukunftsfeld betrachtet. „Das Land Berlin hat seit 2007 mit tatkräftiger Unterstützung und mit Zuschüssen und Beteiligungen über sechs Millionen Euro wesentlich zur erfolgreichen Entwicklung von Berlin Fashion Week und Modelandschaft beigetragen“, sagt Tanja Mühlhans. Inzwischen hätten sich immer mehr Modelabels, Shops und Internetversandhändler in Berlin gegründet und angesiedelt, die Stadt verzeichne deutschlandweit die höchste Unternehmens- und Beschäftigungsdichte in der Modewirtschaft. „Der Modebereich erwirtschaftet pro Jahr rund 240 Millionen Euro und lockt mit seinen Messen und Veranstaltungen Tausende in die Stadt.“

Tausende Fachbesucher werden auch wieder den Weg zur Bread & Butter (B&B) einschlagen. „Wir rechnen mit gleichbleibend starker, internationaler Frequenz auf Besucherseite“, sagt Karl-Heinz Müller, Chef der Messe für Street- und Urbanwear. Rund 560 Marken zeigen im ehemaligen Flughafen Tempelhof ihre Herbst/Winter-Kollektionen. Darunter etwa 100 ganz neue Aussteller. „Berlin hat sich längst als feste Anlaufstelle für die Modeindustrie etabliert, es ist kein Abbruch zu erwarten“, so Karl-Heinz Müller. „Mittlerweile sind fast alle Segmente in der Hauptstadt angekommen, und das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht“, kündigt er an.

Die Messe Premium, die 900 Kollektionen aus dem Bereich Damen, Herren, Schuhe und Accessoires auf dem Gelände des alten Postgüterbahnhofes am Gleisdreieck präsentieren wird, feiert diese Woche ihr zehnjähriges Jubiläum. „Wir haben geschafft, Berlin zu einem international relevanten Modestandort zu entwickeln – mit Potenzial nach oben“, sagt Geschäftsführerin Anita Tillmann. „Vergleiche mit Städten wie Paris oder Mailand sind nicht nötig. Wir haben hier in Berlin einen eigenen Standort mit einem ganz neuen Konzept. Alles, was hier stattfindet, hat das System verändert.“

Etablierte Labels zeigen auf der Fashion Week neueste Kreationen

Eine Marke, die sich von Anfang an durch ihre Teilnahme an der Mercedes-Benz Fashion Week zum Standort Berlin bekannt hat, ist Hugo Boss. Das Modehaus zeigt seine Kollektionen stets an spektakulären Schauplätzen, diese Woche in den Opernwerkstätten an der Zinnowitzer Straße. „Natürlich ist hier noch viel Platz für weitere große etablierte Modemarken und auch für die internationale Modepresse“, sagt Christoph Auhagen, Chief Brand Officer der Hugo Boss AG. „Aber der Mix aus jungen lokalen Designern und globalen Modehäusern macht ja auch den ganz besonderen Reiz aus.“

Dorothee Schumacher vom gleichnamigen Label sagt: „Für mich ist das Profil ganz klar – die Franzosen zeigen in Paris, die Italiener in Mailand. Berlin ist eine der jüngsten Modewochen. Dieses Profil in den letzten Saisons mitgestalten zu können, war eine interessante Erfahrung. Berlin wächst von Mal zu Mal und hat auch international immer mehr zu bieten.“ Was beispielsweise im Umfeld an Events geboten werde, sei einzigartig. „Berlin feiert die Mode!“

Während sich das Berliner Label Kaviar Gauche entschieden hat, seine neueste Kollektion dieses Mal lieber in Paris zu zeigen, gehört Leyla Piedayesh mit Lala Berlin zu den festen Größen auf dem Schauenplan. „Eine Show auf der Fashion Week zu haben, ist wirklich nichts Alltägliches. Das ist mir jedes Mal bewusst.“ Auf die Größe der vertretenen Marken käme es nicht unbedingt an, die Vielfalt sei wichtiger, sagt auch Leyla Piedayesh. „Große, renommierte Häuser sowie neue junge Designer bilden die beste Synergie, um zu zeigen, was der deutsche Modemarkt alles zu bieten hat. Das wissen viele noch gar nicht.“

Michalskys „Stylenite“ wie gewohnt im Tempodrom

Zu den neueren Gesichtern zählen Thomas Bentz und Oliver Lühr vom viel beachteten Label „Achtland“, das seine dritte Kollektion präsentieren wird – ganz bewusst im kleinen Rahmen. „Wir wollen noch einmal die Gelegenheit haben, direkt neben den Sachen zu stehen und die Reaktionen mitzuerleben“, sagt Thomas Bentz. In Berlin wachse eine Generation von Designern heran, die der Stadt eine ganz eigene Identität gebe.

„Oftmals wird unterschätzt, wie wichtig der Image-Aufbau einer Marke ist“, sagt Designerin Frida Weyer, ebenfalls aus Berlin. „Dafür ist die Fashion Week einfach die beste Bühne.“ Im Chamäleon Theater in den Hackeschen Höfen will sie ihren Gästen zum Thema „Anna Karenina goes Versailles“ eine opulente Show mit Kristallen, Porzellan und sogar Schnee bieten. Michael Michalsky, Profi in Sachen Inszenierung, präsentiert seine „Stylenite“ wie gewohnt im Tempodrom: Zwei Modenschauen werden von den Auftritten zweier Bands eingerahmt. „Zusätzlich zeige ich meine exklusiven Kleider, die für Disney zum Start des neuen Films ,Die fantastische Welt von Oz' kreiert wurden“, so der Designer.

In den vergangenen Saisons hat sich für manche unbemerkt ein weiteres, ganz eigenes Modesegment etabliert. Mit dem siebten GREENshowroom in den Suiten des Adlon, der Messe „Ethical Fashion Show“, dem lavera-Showfloor und dem Showfloor Berlin finden gleich mehrere Veranstaltungen statt, die sich dem Thema ökologisches Design widmen.

Umsatzstärkste Wochen des Jahres

Der GREENshowroom, einst initiiert und immer noch organisiert von den Berliner Designerinnen Magdalena Schaffrin und Jana Keller, wurde mittlerweile von der Messe Frankfurt übernommen, die auch die Ethical Fashion Show im E-Werk ins Leben gerufen hat. „Nachhaltigkeit ist ein Riesenthema“, sagt Stephanie Keukert vom Brand Management des hessischen Messeveranstalters. Für das Frankfurter Unternehmen sei Berlin „die Modestadt in Deutschland“. Alles, was man hier sehe, sei sehr trendy, die Modeleute fühlten sich wohl. Doch in erster Linie gehe es natürlich ums Geschäft. „Wenn man sich die Zahl der Einkäufer ansieht, ist man auch auf dem richtigen Weg.“

Die internationalen Gäste bescheren auch der Stadt Berlin zusätzliche Einnahmen. Für das Modegeschäft „The Corner“ zählt die Fashion Week jedenfalls schon einmal zu den umsatzstärksten Wochen. „Die Fashion Week entwickelt sich zusehends zu einem großen Magnet für Berlinbesucher. Aussteller, Mode- sowie Szeneliebhaber – alle kommen auf ihre Kosten“, sagt Geschäftsführer Josef Voelk. „Abgesehen davon, dass sich Berlin mehr und mehr auch geschäftlich zu einer Modemetropole etabliert, hat alles auch einen großen ,Entertainment'-Faktor“, sagt Josef Voelk.

Fans von Brands sind herzlich willkommen

Und davon können auch die Berliner etwas hautnah erleben: Für die 16 öffentlichen Schauen des Showfloor Berlin in Huxley's Neue Welt erwarten die Veranstalter je 1000 Gäste. Auch beim lavera Showfloor im Umspannwerk am Alexanderplatz sind an drei Abenden alle Modefans willkommen. Feste Größe sind außerdem die Showroom Days, die nun zum zwölften Mal stattfinden. „Die Showroom Days zählen von Jahr zu Jahr neue Berliner sowie neue internationale Labels, welche diese als Einstiegsplattform in die Modewelt nutzen“, sagt Yana Ratthey von Organisator Café Palermo. „Es handelt sich um eines der größten öffentlichen Mode-Events Europas, das zweimal im Jahr rund 50 Locations und mehr als 150 Designer zusammenbringt.“