Robert De Niros Hemd mit den Kunstblutflecken aus „Kap der Angst“ und sein in „Wie ein wilder Stier“ getragener Boxhandschuh – sie gehören zu den rund 600 Ausstellungsstücken, die in der Schau „Martin Scorsese“ (10. Januar bis 12. Mai) im Berliner Museum für Film und Fernsehen zu sehen sein werden. Für die weltweit erste Ausstellung über das Werk von US-Regisseur Scorsese hat der heute 70 Jahre alte Oscar-Preisträger erstmals sein privates Archiv geöffnet. Der 1942 in New York geborene Filmemacher sei ein großer Stilist des Kinos, der wie kaum ein anderer genretypische Storys mit einer reflexiven Erzählweise verbinde, teilte die Deutsche Kinemathek als Veranstalterin mit. Sein Werk reiche von den experimentellen Anfängen über Dokumentar- und Musikfilme bis hin zum Psychothriller.
Zahlreiche seiner Stoffe seien autobiografisch motiviert und handelten von den sogenannten Italianamericans im Süden von Manhattan, hieß es weiter. Auch der Einfluss von Werken des europäischen Autorenkinos und des klassischen Hollywood-Repertoires sei in Scorseses Filmen erkennbar.
„Wir bekommen sehr viel Persönliches von Martin Scorsese“, sagt Ausstellungskuratorin Kristina Jaspers. Außerdem werden wertvolle Stücke aus der Sammlung von Scorseses Lieblingsschauspieler De Niro gezeigt, der auch die Hauptrollen in heute bereits als Klassiker geltenden Scorsese-Filmen wie „Taxi Driver“, „Good Fellas“ und „Casino“ spielte.
Echte Briefe und Kostüme
Mit Hilfe von raumgreifenden Videoinstallationen und signifikanten Originalobjekten soll in der Ausstellung die Bedeutung von Scorseses Inszenierungskunst für den amerikanischen Film sichtbar werden. Korrespondenz, Drehbuchauszüge und Originalkostüme dokumentierten die Entstehung seiner filmischen Figuren, erklärte die Kinemathek. Spektakuläre Requisiten illustrierten die Arbeitsweise des Regisseurs. Unter den Exponaten sind auch von Scorsese selbst gezeichnete Storyboards mit Bildern zur Abfolge der einzelnen Szenen, unter anderem zu Filmen wie „Taxi Driver“, „Hexenkessel“ und „Aviator“.
Leonardo DiCaprios Kostüm aus „Gangs of New York“ kann in der Schau ebenso bestaunt werden wie Cate Blanchetts Robe aus „Aviator“. In Briefen von De Niro und Scorsese ist nachzulesen, wie die Beiden die Figuren der berühmten Filme entwickelten.
Das erste Drehbuch
Auch das allererste selbstgezeichnete Drehbuch des im New Yorker Italienerviertel „Little Italy“ als Sohn einer sizilianischen Arbeiterfamilie aufgewachsenen Scorsese ist zu sehen: Ein mit Buntstiften gemaltes Storyboard für einen fiktiven Film namens „Eternal City“.
Ein eigenes Kapitel ist in der Ausstellung den Figuren und dem zentralen Schauplatz von Scorseses Filmen gewidmet: der Metropole New York und dort besonders dem Einwanderer-Viertel „Little Italy“. Ein Stadtmodell zeigt die Drehorte, an denen der Regisseur seine Geschichten inszeniert hat.
Die Familie ist dort meist Dreh- und Angelpunkt der Beziehungen und Konflikte – die Familie als Hort der Geborgenheit und zugleich als Keimzelle des organisierten Verbrechens. Auch die spezielle Scorsese-Ästhetik, die der Regisseur unter anderem mit dem deutschen Kameramann Michael Ballhaus entwickelte, ist Thema der Schau.
Scorsese ist nervös
Scorsese selbst sei tatsächlich etwas nervös, dass eine so große Schau für ihn inszeniert wird, heißt es im Filmmuseum. Zur Eröffnung werde er aber leider nicht kommen können. Er steckt mitten in den Dreharbeiten zu seinem neuen Film „The Wolf of Wall Street“. In dem Börsen-Thriller um Betrug und Korruption an der New Yorker Wall Street spielt Leonardo DiCaprio die Hauptrolle. Es ist bereits der fünfte gemeinsame Film für Scorsese und DiCaprio, nach „Gangs of New York“, „Aviator“, „Departed – Unter Feinden“ und dem Horrorthriller „Shutter Island“.
Das Berliner Kino Arsenal zeigt noch bis zum 15. Januar eine Retrospektive mit Scorsese-Filmen.
Die Daten
Die Ausstellung ist zu sehen in der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen.
Adresse: Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin-Mitte
Öffnungszeiten: Di-So 10 –18 Uhr; Do 10–20 Uhr
Laufzeit: 10. Januar 2013 bis 12. Mai 2013
epd/dpa/seg

