Auch eine Woche nach dem Fund der zwölf Leichen in Polen ist ungewiss, wann sie wieder nach Deutschland gebracht werden. Vermutlich sei mit einer Überführung erst in der nächsten Woche zu rechnen, sagte am Dienstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Ursprünglich hatten die Angehörigen und die Ermittler in dem außergewöhnlichen Fall auf einen Transport in den nächsten Tagen gehofft.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bat die Minister für Inneres und Justiz, über ihre Kanäle tätig zu werden, damit die Leichen zügiger überführt werden könnten. Dafür habe sich auch Europaminister Ralf Christoffers (Linke) bei dem Warschauer Regionalministerium eingesetzt, sagte der Regierungssprecher.

Die Vorbereitungen dauerten an, weil die Staatsanwaltschaft in Posen (Poznan) um weitere Unterlagen gebeten habe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft und bestätigte einen Bericht der „Märkischen Oderzeitung“ (Dienstag). Die polnische Staatsanwaltschaft habe ein Rechtshilfeersuchen nach Brandenburg geleitet. Beispielsweise würden Sterbeurkunden benötigt.

Leichentransporter bei Berlin gestohlen

„Die polnischen Stellen haben Vorschriften“, betonte der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft. „Wir stellen die Unterlagen gerade zusammen beziehungsweise haben es bereits getan.“ Es sei zu hoffen, dass alle Papiere bis zu diesem Freitag an die Kollegen nach Posen übermittelt werden könnten.

Diebe hatten in der Nacht zum 15. Oktober den Leichentransporter und zwei weitere Fahrzeuge aus Hoppegarten bei Berlin gestohlen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter die Särge versehentlich mitnahmen. Mittlerweile sind zwei Fahrzeuge sowie die Särge rund 85 Kilometer von Posen aufgetaucht. Die Toten wurden identifiziert. Drei Verdächtige wurden festgenommen, nach zwei weiteren wird gefahndet.

Ein zugelassener Transporter für zwölf Leichen

Der Bundesverband Deutscher Bestatter kritisierte am Dienstag „pietätlose Massentransporte von Verstorbenen“. Der Verband lehne Transporte von zwölf Leichen „in nicht geeigneten und kenntlich gemachten Fahrzeugen“ ab. Mit Blick auf eine europäische Norm sei die Beförderung von höchstens zwei Leichen zu empfehlen – in einem Wagen, der dem Pietätsempfinden entsprechen sollte.

Ähnlich hatte sich bereits die Bestatter-Innung in Berlin und Brandenburg geäußert. Darauf hatte der Geschäftsführer des betroffenen Bestattungsfahrdienstes in Hoppegarten erwidert, dass der gestohlene Transporter ein zugelassenes Auto für zwölf Leichen sei. Sie sollten in ein Krematorium in Sachsen gebracht werden.

Brandenburgs CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski forderte eine „unbürokratische und kurzfristige Lösung“. Ein direktes Gespräch der Landesregierung hätte angesichts der guten Beziehungen Brandenburgs zu Polen zu einer schnelleren Lösung führen können, meinte er.

dpa/nbo