Mit ersten Schneeflocken in der Lausitz und Temperaturen im unteren einstelligen Bereich hat am Sonnabend die kalte Jahreszeit in Brandenburg und in Berlin Einzug gehalten. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass es in Deutschland im Oktober bis ins Flachland geschneit hat. „Das kommt vielleicht alle 30 bis 40 Jahre vor“, sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Innerhalb einer Woche seien die Temperaturen um bis zu 20 Grad gefallen – auch das sei „sehr, sehr selten“. „So eine Wetterlage erlebt man als Meteorologe vielleicht ein oder zweimal im Leben.“

In der Lausitz rund um Cottbus seien in der Nacht einzelne Zentimeter Neuschnee gefallen und auf den Wiesen sogar liegen geblieben, bestätigte Meteorologe Karsten Kürbis vom privaten Wetterdienst Meteogroup Deutschland. Mit weiterem Schneefall sei am Wochenende jedoch nicht zu rechnen. „Der Sonntag wird freundlich mit viel Sonnenschein und trockenem Wetter“, sagte Kürbis. In der Nacht zu Montag könnte es mit Temperaturen zwischen minus zwei bis minus fünf Grad jedoch Frost geben. Für Gesamtdeutschland lautet die Prognose des DWD, der verfrühte Winter bleibt uns am Wochenende erhalten. Ab Mittwoch wird es wieder wärmer.

Im Süden wird es stündlich kälter

Der Temperatursturz kam nicht über Nacht, sondern innerhalb einer Woche, hat den Meteorologen aber trotzdem „einen Rieseneindruck gemacht“, wie Hartmann sagte. Am letzten Wochenende hatte es in manchen Orten noch 25 Grad, wenige Tage später braucht man Winterreifen und Stiefel.

Der meiste Schnee fiel in der Nacht im Erzgebirge: 17 Zentimeter Neuschnee. An vielen Messstationen fiel Schnee, an denen das noch nie im Oktober der Fall war, seit die Geräte dort stehen. In Leipzig etwa sammelten sich über Nacht fünf Zentimeter Flocken an.

Am kältesten war es in der Nacht mit 5,8 Grad unter Null in Bremervörde. In den meisten Orten lagen die Temperaturen um die null Grad. Am wärmsten war es am Samstagmorgen in Süddeutschland, weil dort die Kaltluft die warme Luft noch nicht vollständig verdrängt hatte. „Aber auch dort wird es stündlich kälter.“

Stromausfall nach Wintereinbruch in Thüringen

Der Wintereinbruch Ende Oktober hat auch in ganz Deutschland zu Unfällen geführt. Besonders häufig krachte es auf Straßen im Osten, aber auch in Schleswig-Holstein, Hessen oder Niedersachsen kam es zu Glätteunfällen. In Thüringen hielten Bäume und Äste den schweren Schneemassen nicht stand und stürzten auf Leitungen und Bahngleise. Der Strom fiel mancherorts aus, Züge konnten nicht mehr fahren.

In Thüringen stellte die Bahn AG am Samstag wegen umgestürzter Bäume den Zugverkehr zwischen Weimar und Schmölln ein. Weil wegen der Straßenverhältnisse auch nur ein eingeschränkter Ersatzverkehr mit Bussen möglich war, mussten sich Reisende auf erhebliche Verspätungen einstellen. Massive Störungen meldete auch das private Unternehmen Erfurter Bahn auf seinen Verbindungen in Süd- und Ostthüringen.

In Ostthüringen fiel an mehreren Stellen der Strom aus. Grund waren zumeist Bäume und Äste, die auf Leitungen gefallen waren, wie ein Sprecher des Energieversorgers E.on Thüringen sagte. Feuchtigkeit habe außerdem zu Störungen an Isolatoren geführt. Insgesamt waren 27 Mittelspannungsleitungen betroffen.

Der Winterdienst muss in Hessen streuen

Im Raum Chemnitz kam es bis zum Samstagvormittag zu acht Verkehrsunfällen. Im Kreis Zwickau wurden drei Menschen verletzt, als ihr Auto in der Nacht in Lichtenstein von der Straße rutschte und gegen eine Hauswand krachte. Auf der A 210 in Schleswig-Holstein gab es zwischen Kiel und Rendsburg einen Unfall mit fünf Fahrzeugen, später prallte ein weiteres Auto in die Leitplanke.

In Hessen sorgte der erste Schnee für zahlreiche Blechschäden. Besonders schlimm traf es den Osten des Bundeslandes. Das Polizeipräsidium Fulda berichtete von einer ganzen Reihe Unfällen auf den Autobahnen 4 und 7. Am Vormittag wurde es besser: Die Winterdienste räumten und streuten die Straßen.

dpa/dapd/sh