Bei der Suche nach den Ursachen für die Infektion mit sogenannten Serratia-Bakterien an der Berliner Charité gibt es offenbar erste Hinweise. „Wir haben einige interessante neue Spuren“, sagte die Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité, Petra Gastmeier, am Dienstag im rbb-Inforadio.
Die Klinik gehe mehreren Hinweisen auf die Infektionsquelle nach. Bisher gebe es jedoch noch keine konkreten Ergebnisse. „Wir müssen erst noch Proben ziehen. Insofern dauert es noch eine Weile, bis wir Genaues wissen.“ Zur möglichen Infektionsquelle gebe es Ideen von Mitarbeitern, aber auch von außen.
Eine Infektion über Pflegemittel sei ebenfalls nicht auszuschließen. Damit hatten sich mehrere Mütter gereinigt, bevor sie Milch für ihre Kinder abpumpten. Im September 2012 haben zwei Drogeriemarktketten Pflegemittel zurückgerufen, weil sie mit Serratien-Keimen belastet waren.
Sehr unwahrscheinlich sei dagegen, dass die Keime durch mangelnde Desinfektionsmaßnahmen der Mitarbeiter auf der Station eingeschleppt wurden, sagte Gastmeier. Die Frühchen-Station an der Charité sei in dieser Hinsicht im Vergleich mit anderen derartigen Sationen vorbildlich, betonte sie.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) unterstützt die Charité bei der Suche nach der Infektionsquelle.
Kein Säugling mehr in Lebensgefahr
Ein mit Darmkeimen infiziertes Baby ist in den vergangenen Tagen im Deutschen Herzzentrum gestorben. Der Zustand der sieben weiteren erkrankten Kinder ist nach Angaben der Charité vom Montagabend stabil. In Lebensgefahr war kein Säugling mehr.
Bei einem weiteren Baby ohne Symptome ist der Darmkeim Serratia nachgewiesen worden. Damit erhöhte sich die Zahl der Kinder mit Keimen, bei denen die Erkrankung nicht ausbrach, auf 16. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.
Indes wurde bekannt, dass sich auch im Deutschen Herzzentrum in Berlin ein Säugling mit Darmkeimen angesteckt hat. Das Zentrum bestätigte am Montagabend einen entsprechenden Bericht des Gesundheitsmagazins „rbb Praxis“. Dem Jungen gehe es nach einer erfolgreichen Behandlung wieder gut, sagte die Sprecherin des Herzzentrums, Barbara Nickolaus. Der Kleine solle an diesem Mittwoch entlassen werden.
Das gestorbene Baby war als Notfall mit einem angeborenen Herzfehler von der Charité ins Deutsche Herzzentrum gebracht worden. Dort wurde es nach Angaben einer Sprecherin erfolgreich operiert. Dann seien aber Serratien-Keime festgestellt worden, an denen das Kind vermutlich starb, so die Charité-Sprecherin.
„Wir gehen davon aus, dass der später verstorbene Säugling die Keime in das Herzzentrum eingeschleppt hat“, sagte Nickolaus. Beide Jungen seien zur gleichen Zeit behandelt worden. Der Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie am Herzzentrum, Prof. Felix Berger, sagte dem rbb, im Labor werde gerade getestet, ob beide Kinder an den genetisch gleichen Keimen erkrankt seien.
dpa/dapd/sei



