Der im Mai zurückgetretene Berliner Ex-Piratenchef Hartmut Semken hat am Sonnabend deutliche Selbstkritik geübt. „Ja, ich habe Scheiße gebaut“, betonte Semken mehrfach in seinem kurzen Rechenschaftsbericht auf dem Parteitag der Berliner Piratenpartei.

Semken ging allerdings inhaltlich nicht auf seine Fehler ein. Er war nach nur drei Monaten im Amt wegen diverser Affären und heftig kritisierter Äußerungen zum Umgang mit Rechtsradikalen in der Piratenpartei zurückgetreten. Deshalb müssen die Piraten am Mittag einen neuen Landesvorstand wählen. Ein Antrag, keine neue Parteispitze zu wählen, wurde mit klarer Mehrheit abgelehnt.

Nach seinem Rücktritt habe er sich total zurückgezogen mit dem „Gefühl: Das ganze Piratengedöns nicht mit mir“, sagte der 45-Jährige. „Das war genauso Scheiße“, so Semken. Denn er habe sich Ende Februar als oberster Berliner Pirat wählen lassen, weil er bei den Piraten etwas gesucht und gefunden habe, „eine Politik von Gleichwert: Alle Menschen sind gleich viel wert“.

Dieses Gefühl habe er zwischenzeitlich verloren, aber inzwischen wiedergefunden, betonte Semken. Deshalb freue er sich darauf, weiterhin Pirat zu sein, „in welcher Funktion, das muss ich noch herausfinden“.

Acht Piraten bewerben sich um Landesvorsitz

Acht Piraten – darunter zwei Frauen – bewerben sich um den Landesvorsitz. Als einer der aussichtsreichsten Anwärter gilt Semkens Vorgänger Gerhard Anger. Der 36-Jährige hatte auf dem Parteitag im Februar überraschend das Handtuch geworfen und auf eine weitere Kandidatur verzichtet.

Anger erklärte damals den überraschten Piraten: „Ich ertrage diese emotionale Belastung nicht mehr.“ Auch bei dieser Wahl kandidiert keines der gegenwärtigen fünf Vorstandsmitglieder wieder.

dpa/bee