Stadtautobahn

500 Berliner demonstrieren gegen längere A100

Ende September fällt das Urteil, ob gebaut werden darf oder nicht. Am Sonntag demonstrierten 500 Berliner auf Rädern und Inline-Skates.

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Im Streit um die Verlängerung der Stadtautobahn A100 warnen die Berliner Grünen den Senat vor einem vorzeitigen Baubeginn. „Solange nicht klar ist, woher die 475 Millionen Euro für ganze 3,4 Kilometer Autobahn überhaupt kommen sollen, darf es keinen heimlichen Baustart geben“, sagte der Landesvorsitzende Daniel Wesener. Die Grünen verweisen auf den Entwurf des Bundeshaushalts für das kommende Jahr. Im darin enthaltenen Straßenbauplan 2013 ist bislang tatsächlich kein Geld für den umstrittenen 16. Bauabschnitt der A100 bis Treptow vorgesehen. Lediglich knapp 20 Millionen Euro sollen laut Haushaltsentwurf in den kommenden Jahren fließen, um einen Tunnel unter dem Bahnhof Ostkreuz vorzubereiten. Durch ihn sollen die Autos rollen, wenn auch der 17. Bauabschnitt der A100 bis zur Frankfurter Allee realisiert wird. Der Tunnelbau ist jetzt nötig, um im Fall eines Weiterbaus nicht wieder das frisch sanierte Ostkreuz aufreißen zu müssen.

Während die A100 bis zur Frankfurter Allee noch Zukunftsmusik ist, geht der Streit um die Autobahn bis Treptow jetzt in seine wohl entscheidende Phase. Am 27. September entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, ob gebaut werden darf oder nicht. Die Naturschutzorganisation BUND, der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und mehrere Anwohner klagen gegen die Verlängerung. Sie bezweifeln unter anderem die Verkehrs- und Lärmprognosen des Senats.

2013 könnte der Bau beginnen

Erst jüngst hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sich zuversichtlich gezeigt, dass der Prozess zugunsten des Landes Berlin ausgehen werde. Sollten die Richter die Planungen bestätigen, könnten bereits im Winter Kleingärten auf der geplanten Trasse geräumt werden und 2013 der Bau beginnen, hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mitgeteilt. Der Senat und die Berliner Wirtschaft erhoffen sich nicht nur zusätzliche Arbeitsplätze durch den Straßenbau, sondern auch eine bessere Erschließung des Ostteils der Hauptstadt.

Dass der Bund in seinem Haushaltsentwurf bisher keine Mittel dafür vorgesehen hat, verunsichert die Behörde nicht, wie Sprecherin Petra Rohland jetzt auf Anfrage von Morgenpost Online bestätigte. „Der Bund hat zugesagt, dass er zu dem Projekt steht und die A100 hohe Priorität hat“, sagte sie. Unmittelbar nach der Gerichtsentscheidung werde die Verwaltung daher Gespräche mit dem Bundesverkehrsministerium aufnehmen, um die Frage der „zeitnahen Finanzierung“, so Rohland, zu klären. Derzeit rechne die Senatsverwaltung mit einem Baubeginn im Frühjahr kommenden Jahres.

Die Autobahngegner machen im Vorfeld der Gerichtsentscheidung weiter Druck. Am Sonntag demonstrierten 500 Menschen unter dem Motto „Vernunft statt Beton! A100 stoppen!“ mit einer Rad- und Skater-Fahrt gegen den geplanten Autobahn-Ausbau auf. Nach dem Start am Roten Rathaus führte die Demonstrationsroute über einen 22 Kilometer langen Rundkurs durch Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain. Sie endete wieder am Roten Rathaus.