In eigener Sache

Kampagne zeigt charakteristische Bilder für Berliner Kieze

Die „Das ist Berlin”-Kampagne der Morgenpost wird um Motive aus Berliner Stadtteilen erweitert. Morgenpost Online stellt die Kieze vor.

Foto: Glanze

Die Garage ist voller Blumen. Hortensien, Sonnenblumen und Lavendelbüsche blühen da, wo andere Menschen ihr Auto parken würden. Antje Kaden hat sich vor vier Jahren eine kleine Pflanzenoase geschaffen. Freitags und sonnabends betreibt sie ihre „Garagengärtnerei“ an der Manfred-von-Richthofen-Straße in Tempelhof. „Alles fing damit an, dass meine Kinder vor der Garage die Kirschen aus unserem Garten verkauft haben“, sagt die 47-Jährige, „und ich wollte immer schon einen kleinen Laden. Ich liebe Blumen und habe dann einfach unsere Garage zu einem Blumengeschäft gemacht.“ Und so gibt es blühende Sträuße und Töpfe in diesem kleinen Lädchen, das zu einem gelb gestrichenen Einfamilienhaus mit roten Fensterrahmen gehört.

Ein Idyll, das irgendwie typisch ist für die Gartenstadt Neu-Tempelhof, die im Osten vom ehemaligen Flughafengelände, im Süden vom S-Bahn-Ring und im Westen von der Boelckestraße begrenzt ist. Je näher man dem Platz der Luftbrücke kommt, desto bunter und großstädtischer wird es – doch rund um den Adolf-Scheidt-Platz geht am Wochenende jeder in den selben kleinen Tante-Emma-Laden an der Boelckestraße, um seine Brötchen zu kaufen.

Grünes und Gesundes

Auch auf dem Tempelhofer Feld geht es um Grünes, Blühendes und Gesundes: Das Allmende-Kontor bietet dort Grünflächen an, auf denen Hobby-Gärtner anbauen können, was sie wollen. Rund 700 Gärtner pflanzen in mehr als 300 Beeten Gurken, Tomaten, Salat, aber auch bunte Blumen. Die Plätze sind heiß begehrt: 250 Gärtner stehen bereits auf der Warteliste. Gerda Münnich, eine von 13 Initiatoren des Allmende-Kontors, sagt: „Ein Beet ist ein Bezug zu dem, was Leben ist.“ Sie möchte mit dem Projekt deutlich machen, wie gut und sinnvoll „Gärtnern in der Stadt“ ist. Zum Umfeld des ehemaligen Berliner Zentralflughafens gehören der islamische Friedhof und die prunkvolle Moschee am Columbiadamm genauso wie die kleinen Schrebergärten am Stadtring, in denen Störche und Rehe aus Plastik neben Hollywoodschaukeln stehen. Neu-Tempelhof hat sogar ein eigenes Eingangstor, an dem geschrieben zu stehen scheint: Großstadt muss draußen bleiben. Und so sind die Vorgärten der meist zweistöckigen Reihen- oder Zweifamilienhäuser gepflegt und umzäunt, die Rasenflächen in den schmalen Gärten akkurat geschnitten.

Die Siedlung, die nahezu dörflich wirkt, wurde in den 20er-Jahren errichtet, um Kriegsveteranen günstigen Wohnraum bieten zu können. Jane Faber lebt seit fast 50 Jahren in einem Eckhaus an der Straße Rumeyplan. „Wir haben hier ein tolles Gemeinschaftsgefühl, sind ein richtig kleiner Kiez“, sagt sie. Ihr Haus ist von Beginn an in Familienbesitz. Fabers Schwiegervater hat es 1926 gekauft, ihr Mann ist hier aufgewachsen – und hat niemals woanders gelebt. Das Haus hat, wie die meisten hier, viereinhalb Zimmer, unten zwei, oben zweieinhalb, eine Küche und ein Bad. Ihre Kinder sind nach Studium und Auslandsaufenthalten zurückgekehrt, wohnen in der unmittelbaren Umgebung. „Wir haben hier unsere Wurzeln.“ Auf dem kleinen Weg, den sie von ihrem Garten aus begehen kann und der auf beiden Seiten von den Gärten der umliegenden Häuser begrenzt wird, spielten früher Fabers Kinder – „heute laufen da wieder niedliche Banden rum“. Seit etwa zehn Jahren verändere sich der kleine Kiez, sagt Jane Faber. „Es ziehen viele Familien mit Kindern her, das ist schön mitzuerleben.“ Die Häuser werden von den neuen Bewohnern renoviert, Kleinunternehmer erschließen das Viertel. Fluglärm, der Zuziehende abschrecken könnte, gibt es nicht mehr.

Hoffen, dass alles so bleibt

Heute sind die Flugzeuge auf dem Gelände des früheren Zentralflughafens nur noch Kulisse. Für Berliner und Touristen, die auf dem Tempelhofer Feld joggen, Rad fahren, skaten oder grillen. 2017 sollte hier die Internationale Gartenausstellung stattfinden. Das Gelände werde sich verändern und weiterentwickeln, wie es auf der Infotafel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Eingang heißt. Doch die meisten hoffen, dass alles bleibt, wie es ist. Dass weiterhin das Rattern der S-Bahn und der Lärm der auf dem Tempelhofer Damm fahrenden Lastwagen wie ausgeblendet scheinen, wenn man das riesige Gelände betritt. , auf dem man so viele Möglichkeiten hat. Wo man Baseball und Basketball spielen, Tiere beobachten oder Wettrennen veranstalten kann. Am Columbiadamm, neben dem türkischen Friedhof, gibt es einen Lehmofen, in dem man seine Brötchen backen kann, auf speziellen Plätzen kann gegrillt werden.

Ella Mavroskoufi kommt jeden Tag mit ihrer Hündin Leila auf das Tempelhofer Feld. Drei extra ausgewiesene und eingezäunte Hundefreilaufflächen gibt es hier, natürlich Treffpunkt für Hundebesitzer, die in der Gegend wohnen. „Gerade habe ich Elisabeth kennengelernt – das ist etwas ganz Besonderes hier, ein Platz, der gegen Vereinsamung hilft“, sagt Ella Mavroskoufi. „Wenn ich hier herkomme, treffe ich immer jemanden. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.“ Die 45-jährige Hausfrau hält die Freifläche für eine „Bereicherung für Berlin“, träumt davon, einen der Schrebergärten gegenüber der Auslauffläche zu besitzen. Auch ihre neue Bekannte, Elisabeth Bethe aus der Ringbahnstraße, kommt täglich mit ihrem Border Collie Lotte. „Wenn es jetzt noch einen kleinen Teich für die Hunde gäbe, wäre alles perfekt“, sagt die 22-Jährige. „Aber Hauptsache, hier werden keine Wohnblöcke hingebaut.“