Vor allem die wachsende Zahl erwerbsloser Jugendlicher hat die Arbeitslosenquote in Berlin steigen lassen. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, meldeten sich im Juli 2223 Berliner unter 25 Jahren arbeitslos. Vor allem viele Jugendliche hätten sich nach ihrem Ausbildungsende arbeitslos gemeldet, sagte der Chef der Regionaldirektion, Dieter Wagon.
Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in Berlin im Juli im Vergleich zum Vormonat um 4697 auf 216.611. Das waren aber 16.782 Erwerbslose weniger als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im abgelaufenen Monat bei 12,3 Prozent, das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als im Juni. Im Bundesvergleich hat Berlin die höchste Quote überhaupt. Bundesweit liegt sie bei 6,8 Prozent, in Ostdeutschland bei 10,3.
Wagon sagte, trotz der europäischen Finanzkrise seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Berlin nach wie vor gut. Das zeige unter anderem ein Stellenzugang von 15 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Juli habe es 18.750 offene Stellen gegeben.
Auch in Brandenburg ist die Erwerbslosenzahl im Juli leicht gestiegen. In der Mark waren 133.615 Menschen erwerbslos gemeldet. Das waren 2359 Erwerbslose mehr als im Juni, aber 6937 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 10 Prozent. Sie lag damit aber um 0,5 Prozentpunkte unter der Quote vom Juli 2011.
2,88 Menschen in Deutschland ohne Job
Berlin und Brandenburg liegen damit im Bundestrend. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland des Ferienbeginns im Juli um 67.000 auf 2,88 Millionen gestiegen. Damit erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent, wie die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte, „die Grundtendenz am deutschen Arbeitsmarkt ist im Juli weiter insgesamt positiv, es zeigen sich aber Anzeichen einer schwächeren Entwicklung.“
Auch aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält ungeachtet des Anstiegs der „positive Trend“ an. Im Jahresvergleich sei die Zahl der Arbeitslosen stark gesunken. Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik des Senats ziele darauf, diesen Trend weiter zu verstetigen. „Wir müssen alle Kräfte bündeln, um den Abbau der Arbeitslosigkeit und den Aufbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung weiter voranzutreiben“, sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Mit dem Programm „BerlinArbeit“ seien dafür die Weichen gestellt worden. Die konsequente Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik auf den regulären Arbeitsmarkt, die Förderung der Qualifizierung und Coaching-Maßnahmen zur Begleitung der Arbeitsaufnahme seien wichtige Ansätze des Programms, um Wege für mehr Beschäftigung zu ebnen.
Dagegen kritisierte Grünen-Arbeitsmarktexpertin Sabine Bangert, die Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik auf die Wirtschaft scheine ins Leere zu laufen. Jugendliche, die eine Ausbildung absolviert haben, gingen eher in die Erwerbslosigkeit, als übernommen zu werden.
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht „keinen Anlass für Euphorie“. In Berlin liege die Quote atypischer Jobs wie Leiharbeit oder Teilzeit mit 42 Prozent fast doppelt so hoch wie im Bundesschnitt (Brandenburg: 37 Prozent). Mit rund 32.000 arbeitslosen jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren in der Region seien deutlich mehr erwerbslos als im Bund. Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sehe anders aus, sagte DGB-Landeschefin Doro Zinke. Der Niedriglohnsektor breite sich „wie ein Flächenbrand“ aus und drücke auf die Tarife.
dapd/dpa/nbo

