Es war ein Verbrechen, das nicht nur Eltern und Schüler der Humboldthain-Grundschule in Berlin-Wedding, sondern viele Berliner erschütterte. Am 1. März 2012 gelang es einem 30-Jährigen, sich in das Schulgebäude an der Grenzstraße zu schleichen und ein achtjähriges Mädchen auf einer Toilette zu missbrauchen. Nach der entsetzlichen Tat begann eine umfangreiche Debatte über die Sicherheit an Berliner Schulen.
Nun, knapp fünf Monate nach der Tat, beginnt am Dienstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Konstantinos M. – einen ehemaligen Schüler der Humboldthain-Schule. Dem Mann wird sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Körperverletzung vorgeworfen.
Laut Anklage geschah es um 10 Uhr morgens am 1. März. Den Ermittlungen zufolge soll sich Konstantinos M. in die Schule geschlichen und dort die Achtjährige angesprochen haben, ob sie einen bestimmten Lehrer kenne. Anschließend soll der gebürtige Grieche das Mädchen in eine Toilette gedrängt, die Kabine verschlossen und dem Kind ein Messer an den Hals gehalten haben. Dann soll er es zu sexuellen Handlungen gezwungen und gewürgt haben. Laut den Ermittlern habe sich das Mädchen heftig gewehrt. Es gelang ihm sogar, das Messer des Täters mit dem Fuß wegzustoßen. Als sich Personen der Toilette näherten, hielt Konstantinos M. dem Mädchen Mund und Nase zu und biss ihm laut Anklage ins Gesicht. Ermittler, die damals mit dem Fall betraut waren, sprachen von einer „entsetzlichen Tat“. Nachdem wieder Personen in den Vorraum kamen, flüchtete der Täter. Er konnte unerkannt entkommen. Das achtjährige Mädchen wurde anschließend sofort von Psychologen betreut.
Täter von Lehrern angesprochen
Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten daraufhin mit Hochdruck – zunächst ohne Erfolg. Erst vier Wochen später erfuhr die Öffentlichkeit von dem grausigen Verbrechen. Dabei wurde bekannt, dass Konstantinos M. am Tattag auf dem Schulgelände von Lehrern angesprochen wurde. Da er jedoch einst selbst die Schule besucht hatte, konnte er plausibel erklären, dass er auf einen Lehrer warte. So ist es ihm wohl gelungen, auch gegenüber der Achtjährigen kein Misstrauen zu wecken.
Gefasst werden konnte Konstantinos M., bereits einen Tag, nachdem die Tat über die Medien bekannt wurde. Mit einem Funkzellenabgleich der Handydaten fanden die Ermittler heraus, dass sich der 30-Jährige zur Tatzeit in der Nähe der Schule aufgehalten hatte. Daraufhin fuhr am 30. März 2012 ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zu seiner Wohnung in Wedding. Die Spezialisten wurden hinzugezogen, weil bekannt war, dass der damalige Aushilfskellner einen Kampfhund besaß. Gegen 13.30 Uhr nahmen Zivilbeamte ihn fest. Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, erhärtete den Verdacht. Im Ermittlungsverfahren hat er einem Justizsprecher zufolge die Tat im Wesentlichen gestanden. An der Humboldthain-Schule hat sich seitdem vieles verändert. Die Schulleitung erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen und ließ sämtliche Schließanlagen erneuern.
Vier der ursprünglich fünf Eingänge wurden verschlossen, das Schultor, das bis dahin nicht richtig geschlossen hatte, wurde von Handwerkern repariert. Eltern wechselten sich gegenseitig ab und kontrollierten die Eingänge zur Grundschule, um auszuschließen, dass sich fremde Personen auf das Gelände schlichen. Innensenator Frank Henkel (CDU) forderte die Schulen auf, Maßnahmen zu ergreifen, um Fremde schneller zu erkennen. Die Polizei könne schließlich nur begrenzt für zusätzliche Sicherheit sorgen, so Henkel. Tatsächlich wurden an etlichen Schulen in Berlin Eingänge besser gesichert. Eltern übernahmen freiwillig Kontrollgänge.
Der Prozess gegen Konstantinos M. soll nach dem Prozessauftakt am Dienstag am nächsten Freitag fortgesetzt werden.


