Die Polizei geht weiter entschlossen gegen die zunehmende Gewalt in der Berliner Rockerszene vor. In der Nacht zu Dienstag überprüften Beamte in Moabit 15 Mitglieder mehrerer Hells Angels-Gruppen aus verschiedenen Bundesländern, so Informationen aus Polizeikreisen. Ermittler sind alarmiert. Nach Schüssen auf einen Hells Angels-Chef und Bandidos rechnen sie damit, dass die verfeindeten Clubs derzeit Verstärkung aus anderen Bundesländern und dem Ausland anfordern könnten.
Bei der Razzia vor dem bisherigen Vereinsheim des Hells Angels-Unterstützerclubs Red Devils an der Lehrter Straße seien auch eine Frau und sechs Fahrzeuge kontrolliert worden, sagte eine Polizeisprecherin. Nähere Hintergründe zu dem rund zweistündigen Einsatz bis Mitternacht nannte sie nicht.
Weil sich ein 42-Jähriger bei der Durchsuchung seiner „Kutte“ wehrte, wird gegen ihn wegen Widerstandes ermittelt. Zudem wurde das Messer eines 29-Jährigen beschlagnahmt. Zeitweise wurde die Strecke zwischen Perleberger und Kruppstraße gesperrt.
Nach Schüssen auf gegnerische Bandidos hatten Ermittler zuletzt auch dort etliche ortsfremde Mitglieder angetroffen. Ob es sich dabei um Verstärkung für die hiesigen Rocker handelt, ließ die Polizei offen. Der Konflikt der beiden Clubs in Berlin schwelt seit Jahren - es geht um Macht und viel Geld aus kriminellen Geschäften.
Nach zahlreichen Razzien, dem Clubverbot einer Gruppe der Hells Angels sowie Überläufen ist die Rockerszene in Berlin und Brandenburg in Aufruhr. Jüngst war der 47 Jahre alte Chef der Hells Angels MC Nomads vor seinem Lokal in Hohenschönhausen niedergeschossen worden. Ermittler waren danach von Racheakten ausgegangen.
Die Ermittlungsbehörden wollen nun mit einer „Null Toleranz“-Linie gegen Rocker vorgehen. Wegen der sich verschärfenden Lage warnte die Polizeiführung ihre Beamten vor gewaltbereiten Rockern. Neben den bekannten Macheten, Messern und Knüppeln könnten die Kriminellen auch Schusswaffen und Sprengstoff mit sich führen – und einsetzen, hieß es in einem internen Schreiben. Acht geben sollten die Einsatzkräfte in Berlin auch auf Rocker-Verstärkung aus dem Ausland.
dpa/sei



