Erneut ist ein heftiges Unwetter über die Hauptstadtregion gezogen. Bei Niederschlägen von örtlich bis zu 30 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde war die Feuerwehr in Berlin und Brandenburg am Samstagnachmittag im Dauereinsatz. In Berlin wurde sogar der Ausnahmezustand ausgerufen. Dort war vor allem der Süden der Stadt besonders betroffen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte.
Die Regenmengen waren lokal sehr unterschiedlich, wie Meteorologe Karsten Kürbis vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland sagte. So fielen etwa in Schönefeld nur 2 bis 3 Liter pro Quadratmeter, im nahen Tempelhof waren es hingegen 30. Auch in Potsdam gab es 30 Liter pro Quadratmeter und Stunde. Das sei ein Drittel der durchschnittlichen Monatsmenge im Juli, sagte Kürbis.
Neben Potsdam waren in Brandenburg auch die Landkreise Elbe-Elster Potsdam-Mittelmark besonders betroffen. Zahlreiche Keller liefen voll, Straßen wurden überflutet. In Lübben schlug ein Blitz in eine Scheune ein und verursachte einen Brand. Rund um Treuenbrietzen und Michendorf knickten mehrere Bäume um und blockierten Straßen. In Ahrensfelder Ortsteil Lindenberg (Landkreis Barnim) standen gleich mehrere Straßen unter Wasser. Die Feuerwehr rechnete damit, bis in die Nacht mit dem Abpumpen beschäftigt zu sein.
Schon in der Nacht gab es heftige Gewitter
Schon in der Nacht zu Samstag hatte es in der Region teils heftige Gewitter gegeben. 60 Mal mussten die Einsatzkräfte nach Angaben der Feuerwehr allein im Bereich der östlichsten Regionalleitstelle Oderland ausrücken. Vor allem zwischen Frankfurt (Oder) und Neuzelle wütete das Gewitter besonders heftig.
In Eisenhüttenstadt stand zeitweise die Bundesstraße 112 unter Wasser, während in Frankfurt (Oder) ein Baum umknickte und eine Straße blockierte. In Alt-Golm (Landkreis Oder-Spree) schlug ein Blitz in ein Haus ein und setzte den Dachstuhl in Brand. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Auch in den übrigen Regionen im Osten Brandenburgs musste die Feuerwehr häufig ausrücken, um Wasser abzupumpen oder umgestürzte Bäume von den Straßen zu holen. In der Uckermark brannte eine Scheune, in die zuvor vermutlich ein Blitz eingeschlagen hatte.
In Berlin war in der Nacht zu Samstag vor allem der Osten von heftigen Regenfällen betroffen. Am frühen Morgen rückte die Feuerwehr 28 Mal zu wetterbedingten Einsätzen aus. In den meisten Fällen mussten die Feuerwehrmänner auch dort vollgelaufene Keller leer pumpen. In Marzahn war zudem eine Straße überflutet. In Friedrichshain stürzte ein Baum um. Verletzt wurde niemand – weder in Berlin noch in Brandenburg.
Weitere Gewitter erwartet
Bereits am vergangenen Wochenende waren schwere Unwetter über die Hauptstadtregion hinweg gezogen. Allein in Berlin musste die Feuerwehr in der Nacht zu Sonntag deshalb 262 Mal ausrücken.
Auch für Sonntagnachmittag erwartete der Meteorologe weitere Schauer und Gewitter. Ab Montag werde es in der Region mit Temperaturen knapp mehr als der 20-Grad-Marke dann aber deutlich kühler sowie weniger regnerisch und nicht mehr so schwül.
Hochwasser-Alarm im Süden Brandenburgs
Der heftige Regen ließ auch die Pegel in den Brandenburger Flüssen ansteigen. Sowohl für die Spree als auch für die Schwarze Elster rief das Hochwassermeldezentrum Cottbus am Samstag die niedrigste Hochwasser-Alarmstufe 1 aus. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, versuchte aber zu beruhigen: „Es handelt sich nach unserer Einschätzung um ein vorübergehendes Ereignis. Wir rechnen derzeit nicht mit einem weiteren extremen Anstieg der Wasserstände“, zitierte ihn das Umweltministerium. Gleichzeitig warnte er davor, dass der starke Regen auch an kleineren Flüssen zu einem vorübergehenden Wasseranstieg führen könne.
Für Samstagnachmittag waren für Berlin und Brandenburg erneut Unwetter vorhergesagt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete mit Niederschlagsmengen bis zu 35 Liter pro Quadratmeter.
In den vergangenen Jahren hatten starke Sommer-Niederschläge immer wieder zu Hochwasser in Brandenburg geführt. 2010 überstiegen die Wasserstände der Flüsse sogar die Richtwerte der höchsten Alarmstufe 4.
dpa/dapd/nbo


